Archiv der Kategorie: Fahrrad

über Fahrräder

Cycles Blondin, Strasbourg, 650B

Nee, sowas kann ich gar nicht gebrauchen, dachte ich, als ich das Rad geschenkt bekam. Es war ein Sperrmüll. und sah auch so aus, Tretlager fast ausgefallen, Kurbelkeile ganz locker, viel Rost am Rahmen, Felgen, Gepäckträger usw. Was soll ich damit anfangen??

Anderseits,, ich hatte etwas mehr Zeit für mich wegen Corona. Der schwungvolle Berceau-Rahmen ist an sich hübsch. Auch wenn das Rad verbastelt war, schien es mir möglich, nah an Originalzustand zurückzubauen. Meiner Freundin wird es gefallen, vielleicht als Einkaufsrad, das man draussen stehen lassen kann. So begann der Umbau.

Radsatz ist 650B. Das ist schon mal gut. Stahlfelge von Samir-Samino ist äußerlich nur leicht mit Flugrost angesetzt. Aber die Innenseite war ziemlich vom Rost gefressen. Erst abbürsten, dann mit Rosteumwandler behandelt. So solltem die Felgen noch eine Weile ihren Dienst tun können. Naben waren vorn wie hinten mit Rollerbremsen, also kein Originalzustand. Befestigunggschellen(Kunststoff von Shimano) wurden vom Rahmen entfernt. Radsatz abgespeicht, vorn mit einem preisgünstigen Nabendynamo(aus praktischem Grund), hinten mit Nrmandy-Nabe eingespeicht(2mm ohne Konifizierung).

Rahmen habe ich nicht vom Rost befreit. Nur ganz leicht stellenweise mit Klarlack versiegelt, auch die bereits zur Hälfte abgeblätterte Markenlogos. Schrauben habe ich auch so rostig gelassen, nur geschmiert. Innenlager wie Steuerlager gereinigt und eingefettet. Kurbelkeile neu eingeschlagen. Kettenschutz wie Schutzblech habe ich nur ein wenig poliert, nicht einmal Dellen begradigt. Ich wollte keine hochpolierte Restaurierung.

Für Schaltung wurde Simplex eingebaut, ziemlich das billigste, das aber passt. Bremsen habe ich Weinmann eingebaut. Schenkelmaß passt gerade noch. Dieser Rahmen könnte auch mit 700C Bereifung bestückt werden. Aber 650B mit etwas breiteren Reifen finde ich schöner, passender. Bremshebel waren Altenburger, was ich übernommen habe.

Frontlampe ist Sanyo-LED in hübscher Form. Nabendynamo Shimano Nexus, nicht so schön aber preiswert. Die beiden lassen sich nur mit einem Stromkabel verbinden, ohne Massekabel. Rücklicht ist Batterielampe, weil ich es einfach wie möglich bauen wollte. Spanninga No.9 wirkt irgendwie altmodisch hübsch.

Über Blondin weiss ich nicht viel. Es ist ein kleines Fahrradgeschäft in Strassburg, was so um 1930 gegrundet und heute noch gibt. Blondin hatte auch Rennteam. Ob die Rahmen dort gebaut wurden, gibt es keine Information. Ich denke eher nicht. Sie wurden wahrscheinlich aus verschiedenen Quellen gekauft und mit eigenen Aufkleber versehen und aufgebaut. Wenn ich nach Strassburg fahre, werde ich das Geschäft besuchen, und danach fragen. In Baden findet man schon ab und zu Blondin-Fahrrad(auch rennrad), eher Mittelklassler, aber könnte hübsch sein. Der Rettungsversuch hat sich für mich gelohnt.

Cycles Blondin in Straßburg/Straussbourg vor dem Krieg, in den 80ern und heute.

frisch & jugendlich wie der Frühling

Eine frische Farbkombination tut gut in der fast monoton dunklen Fahrradwelt. Das ist ein Konfirmationsgeschenk, d.h. der Fahrer ist gerade 13 Jahre jung. Er ist aber bereits 1,80 groß und wird noch weiter wachsen. Es ist keine leichte Entscheidung, richtige Rahmengröße zu treffen, damit er länger mit diesem Rad fahren kann. Ich ging davon aus, daß er noch 10cm größer wird. Dafür ist der rahmen maßgeschneidert, in Deutschland händisch angefertigt. Es ist immer etwas problematisch, für Jugendliche richtigen Rrahmen zu zeichnen.

Es ist wunschgemäß ein Singlespeed, mit Flip-Flop-Nabe und Freilafausgestattet. Aber für den späteren Umbau auf Touren-/Cityrad ist dieser Rahmen mit Gepäckträger, etwas breitere Reifen sowie Nabenschaltung unauffällig vorbereitet.

Ständer ist für den alltäglichen Nutzen, zur Schule und zurück, wichtig. Nach hinten offene Ausfallenden brauchen etwas größeren Abstand zwischen Reifen und Schutzblech.

Singlespeed-Ritzel mit 17 Zähne ist vom Sturmey Archer. Die mittelhohe Felgen sind von Extreme, rund und steif. Handgespeichte Radsatz macht das Fahren Freude, hoffe ich.

Eingebaute teile sind alles neue und von heute. Nur die Sattelstütze ist Vintage. Trotzdem vermittelt das Rad einen klassischen Eindruck.

Viel Spaß, fahre umsichtig!

Vintage Kinderrad

Ob ein Fahrrad aus den 70ern ein Vintage ist,, diese Frage ist erst dahingestellt. Es gibt viel weniger Kinderräder als Erwachsenräder aus dieser Zeit. Sie wurden meist verschrottet und sind in Müll gelandet.

Das ist eine 24″ Miniaturausgabe des Damenrades “ Motobecane Monaco“. Meine Nichte hat einige Jahre damit gefahren. Nun wird ihre kleine Schwester damit fahren. Reifen waren original und nun endgültig aufgehört, elastischer Gummi zu sein. Das ist leider ein Problem, weil Französen andere Radmaße hatten. Diese Felgenmaße ist 600A, d.h. ETRTO 541mm(beinah 24×1 3/8 = 540mm)). Es gibt heute nur von Hutchinson Reifen dafür, entweder 38mm breit(beige-Wand) oder 28mm breit(ganz schwarz). Da die 38er hier mit dem Schutzblech kollidiert, gibt es nur eine Möglichkeit, 28er zu montieren. kein besonders gute Reifen, aber man sollte glücklich sein, daß es überhaupt gibt.

Gepäckträger war kaputt. Um stillecht zu bleiben, habe ich Motobecane-Träger für 650B-Rad montiert. Er sitzt etwas höher als sein sollte, ist aber optisch kein Ausrutscher. Um das Rad hübsch zu machen, wurde eine geflochtene Tasche fest montiert(mit Kabenbinder, die man nicht sihet).

Für vorne habe ich ein Sanyo-LED-Lampe spendiert, die recht klein und klassisch aussihet. Das Rücklicht und Dynamo sind original. Eingang reicht für Karlsruhe aus. Ich sehe oft Kinderräder mit 21 oder 24 Gänge, sowie mit Scheibenbremsen. Vollbepackt mit toller Technik und ist sauschwer. Ich weiß nicht welches Kind solches Rad wirklich braucht,, Dagegen, einfach, hübsch und klasse dieses alte Rad.

ein Rennrad? Nein,, aber was dann?

Ich habe öfters problem mit dem Begriff „Rennrad“. Es gibt so viele Fahrräder, die wie ein rennrad ausshen, aber eigentlich keins ist. Das gibt es schon sehr lange. Früher hat man es ehrlicherweise Sportrad genannt, diese assozialtive Möchtegerne-Rennräder. Genauso wenn die Mountainbikes als Stadtfahrrad benutzt werden.

Aber dann, wie sollen sie sich nennen, und was sind sie eigentlich? Ich kann keine Antwort geben, es ist so unterschiedlich, vielleicht sollte jeder eigenes Rad nennen wie es ihm/ihr passt.

Z.B. dieses Fahrrad. Es sieht ja wie ein Rennrad aus. Der Rahmen ist ein guter italienischer Rennradrahmen. Was wäre nicht richtig? Für mich, wenn so einem Rennrad Schwalbe Marathon aufgezogen wird, ist mir gleich kein Rennrad mehr. Sondern ein rennradähnliches Stadtrad oder so. Ist der Rahmen zu schade dafür? Nein, man kann damit genußvoll durch die Stadt cruisen, ohne allzuviel an Platten denken zu müssen.

Überhöhung vom Sattel soll minimal gehalten bleiben, um die Sitzposition und Blickwinkel stadttauglich zu machen. Der Lenker öffnet sich nach unten breiter, so bleiben alle Griffpositionen komfortabel.

2×7-fache Schaltung(52/39 x 11-30) finde ich mehr als genug für Flachland.Bremsen von heute haben zeitgemäße leistung. Sattel und Pedale sind Geschmackssache. Deshalb habe ich nur was einfaches montiert.

Guter Rahmen und guter Radsatz, Reste kann man mit der zeit upgraden. Nächstes Mal ein Stadtfahrrad mit MTB_Rahamen.

neues altes Tourenrad

mein altes Tourenrad, Peugeot Competition, schicke ich in die Rente. Nach 10 jahren ist der Rahmen etwas weich geworden. Es wird als Stadtrad sein ruhige Zeit verbringen.

Dafür plane ich 2 Tourenräder, eins für Tagestour, und ein weiteres für längere Touren. Rechtzeitig zum Frühlingsbeginn ist das Tagestourenrad fertig geworden.

Rahmen von Meral, den ich schon lange habe, wurd meist mit französischen Teile aufgebaut. Ursprünglich wollte ich ihn neu lackieren, weil Lila-Metallic nicht unbedingt meine Lieblingsfarbe ist. Nachdem ich im Karton violette Schutzblech, gebraucht,, vom SKS, gefunden habe, dachte ich, das könnte gut zusammenpassen, auch wenn es etwas bunt wirkt. Gepäckträger waren am Rahmen dabei, also original Meral. Etwas komisch ist, daß die Länge der Trägerstreben nicht den Ösen an Gabel passen. Auch komisch, daß die Ösen für Flaschenhalter fehlen. Hier kamen die Schellen zum Einsatz.

Kurbei wie Innenlager ist Stronglight. Gebohrte kettenblätter sind nicht so mein Ding, auch weil sie schnell dreckig werden, sehen aber lustig aus. Kurbel habe ich enteloxiert und halbherzig poliert. Innenlager macht mir etwas Sorge, weil die Lagerflächen sind nicht mehr ganz glatt. Aber man kann noch mit ihm fahren. Ich fahre erst damit, tausche ihn irgendwann, wenn es notwendig wird. Pedale sind von Kyokuto mit franz. Gewinde, weil ich keine französische Quil-Pedale mit franz. Gewinde mehr habe. Half Clip ist vom MKS.

Transmission ist Simplex. Sie sind zuverläßig und habenrelativ große Kapazität. 3×7-fache Schaltung, vorn 52/42/32, hinten 11/30.

Radsatz ist etwas moderner als Rahmen. Naben sind Dura Ace 7700. Felgen Mavic Open 4CD, Reifen Challenge Strada Bianca 33mm. Es ist recht geschmeidig. Breiter Reifen brauche ich nicht. Zumal, ich merke unangenehme Verformung der Reifengummi bei Krafteinwirkung, wenn er sehr breit ist. Mit dieser Bereifung kann man überall fahren.

Steuersatz ist auch Stronglight, Vorbau hübscher AVA, Lenker Philippe. Lenkerband habe ich zweimal gewickelt, zuerst dünnes Velox-Band, dann Newbaum in Braun drauf, um Komfort zu erhöhen. Danach habe ich 6 mal Schellack drauf gestrichen, aber nur so weit, daß das Band nicht glänzt.

Bremshebel ist vom Dia Compe. Das funktioniert viel leichter als CLB oder Mafac. Bremsen sind Mafac Racer, bestückt mit Cool Stop Belag. Es macht kein unangenehme Quietschen und Bremsleistung auch genügend.

Sattel ist Ideal 92(f. Damen), Sattelstütze No Name. Dieser Sattel ist kurz, aber komfortabel.

Zur Testfahrt bin ich nach Leopoldshafen zum Altrhein gefahren, Asphalt, Waldweg, Schotterweg, Single Trail. Alles ok. Sitzposition ok, Bremsen ok, Schaltung ok, also alles passt. Nur Bremshebel werde ich etwas nach aussen stellen, damit sie besser auf der Hände liegen und den Sattel 5mm höher stellen. Testfahrt bestanden.

Altrhein ist sümpfig, eine Kette von sichelförmigen Seen, die durch Rheinbegradigung vom Fluß abgetrennt wurden. Ich habe gehört, bevor die amerikanische Soldaten nach Vietnam geschickt wurden, haben sie hier Jungelkampf geübt.

Es ist warm und sonnig, irgendwie weit weg von Corona-Virus. Die Menschen spazieren locker entspannt. Wie es aussehen wird, in 3 oder 6 Monaten, kann keiner sagen.

Radfahren ist sicher nicht verkehrt. In der Natur, fördert Durchblutung, macht gute laune. Ab heute gilt in Frankreich Ausgangssperre. Aber sportliche Tätigkeit in Freien ist erlaubt, wenn es nicht in Gruppe betrieben wird. Kommt das auch bald hierzulande?

RIH-Sport, so um 1970, RH58

RIH-Sport war eine renommierte Rahmenbauerwerkstatt in Amsterdamm. Ich schreibe „war“ mit der Vergangenheit, obwohl RIH heute noch gibt. Das entstammt von der Zusammenarbeit mit der Fa. Cove, die jetzt unter RIH Elektroräder u.a. herstellt.

RIH-Rahmen wurden von Olympia- wie Worldcup-Fahrer gefahren und ihnen öfters zum Sieg verholfen. Es war eine ganz kleine Werkstatt, etwa vergleichbar mit Rickert in Deutschland, die hochwertige Rahmen produziert hat.

Rohrsatz ist Reynolds 531, wurden recht sauber verarbeitet., ohne Anlotteile, was in den 60ern Standard war. Unnötige Hitzezuführung war schädlich für den Rohrsatz.

man könnte meinen, das sei ein „Junk Parts Assembly“. In der Tat habe ich aus meinen Kisten alles gefunden, was ich eingebaut habe, und zwar quer durch. Weder marken- noch zeitrein. Hier habe ich keinerei Anspruch auf historische Korrektheit. Das Rad ist für die Stadt, und dafür gut sein. 2×6-fache Schaltung, auch wegen 120mm Einbaubreite. Radsatz habe ich neue aufgebaut, ganz normal mit Alpina Speichen, chzechische Felge, Normandy Naben., die ich geputzt, eingefettet, eingestellt und poliert habe, was mir immer noch, ab und zu, Spaß macht. Reifen, Schwalbe Marathon Racer 30mm, ist ausgesucht für die Stadt.

Es ist interessant, solche Teile anzuschauen, die kein Super Record, kein Dura Ace, eher unbekannt bis verachtet sind. Dieser Schalthebel von Shimano, vom optischen Eindruck her eine Kopie von Campa-Hebel, ist aber größer und liegt gar nicht so schlecht an Fingern.

Oder Schaltwerk 980 von Campa. Das ist ja mehr Simplex als Campa, aber funktioniert tadellos, solange kleine Kapazität respektiert wird. Und Kurbel/Kettenblatt (52/42)von SR-Sakae mit Silstar-Brand. Das ist ja optisch auch ein wenig wie Campa. Der Umwerfer, er ist normal Campa, wie langweilig,,, 6-fache Ritzelpaket ist maillard, genauso wie die Nabe mit franz. Gewinde, und fast unzerstörbar. Bremsen habe ich morderne Dia Compe Bremsen montiert, weil ich die Bremsleistung in der Stadt wichtig finde, und die neuzeitliche Bremsen lassen sich viel besser einstellen und zentrieren. Hebel Weinmann.

Ledersattel wäre der richtige, vielleicht. Aber ich wollte was anders, und kam zu San Marco Carma, der schon lange bei mir liegt und auf seinen Auftritt gewartet hat. Dazu passend? weises Lenkerband von Benotto Celo Tape.

Ist der Gesamteindruck stimmig, komisch oder seltsam? Wenn man sich frei macht, vom historischen Zwang und Standardaufbau, öffnet sich eine interessante Welt, die man vielleicht nicht mit jedem teilen kann. Ich finde das total spannend.

Trainingsrad f. Beginner

Die junge Dame will Triathlon, und beginnt gerade im Sportclub zu üben. Mt einem Stahlrennrad solle sie anfangen. Das war scheinbar der Rat vom Club und der richtige. Das Rad sollte nicht zu leicht sein. Warum? Wenn das Rad leicht ist, kann jeder es irgendwie auf gewisse Geschwindigkeit bringen, ohne Übung, und ohne innere Muskeln zu aktivieren. Das ist ein fataler Fehler. Wenn man sich so angewöhnt, mit vorderen Muskeln zu radeln, kommt man nicht weiter, wird nicht ausdauernder, nicht schneller, und die Pedalierung bleibt unrund/unsauber,. Fahrstil bleibt instabil.

Ich habe ein Peuget Comp 2000 gefunden mit passender Rahmengröße 580mm(noch made in France). Rahmen ist aus dem Rohrsatz Columbus Thron, Gabel ist aus Reynolds 531, also eine gute Wahl. Radsatz habe ich übernommen, nur Reifen habe ich einen der besten aufgezogen, um gutes Fahrgefühl und Fahrspass zu vermitteln, Conti GP5000.

Kurbel und Bremsen wurden auch übernommen, Shimano 600. Ansonst alles mit neuen Teilen: Shimano SORA 2×9-fach, Cassette 11/28, Kettenblatt 50/39.

Sie soll erst ohne Triathlon-Lenker fahren, mit SPD-Clickschuhe. Viel Spaß beim Training!

Adventure Bike 1990

ARAYA war und noch ist ein ehrliches Unternehmen, und dessen „Muddy Fox“ war lange Zeit ein gutes MTB. MTB hat ganz schnell, in Japan, traditionellen Randonneures verdrängt, auch im Bereich Radreisen. 80er Jahre war die Dekade der Transition von Rando zum MTB. Danach waren Randonneures fast ausgestorben und nur vom harten Kern der frankophilen Cyclisten als Tradition fortgetragen.

Mir fiel heute wieder ein, wie ähnlich die MTBs von damals mit den Adventure Bikes von heute waren. Unterschied liegt im Detail, und vor allem in Radgröße. Radgröße sollte jeder aussuchen nach Körpergröße, so spielt das eigentlich für das Grundkonzept keine Rolle.

Hier ist ein Foto vom Berliner Kollegen Flo(fern)s schönen Adventure Bike mit 650B Rad.

Und hier ist ARAYAs Adventure Bike Package 1990. Systematisch für unterschiedlichen Zwecke gedachte Rahmen und Zubehör, was heute auch kene Selbstverständlichkeit ist.

Also, nichts wirklich neues beim Adventure Bikes dabei? Einige technische Entwicklungen sind schon dabei. Nabendynamo, LED-leuchte, Scheibenbremsen, Schaltwerk mit Dämpfer, wasserdichte Taschenstoffe, Navis, Ob man sie mit einbeziehen will, soll jeder selber überlegen. Abenteuer könnte ja direkt vor Haustür beginnen, ohne 1000km weit fahren zu müssen. Für eigene Abenteuer eigenes Adventure Bike, was man nicht unbedingt so nennen muß.

1980, Mount Tamalpais unweit von San Francisco. Eric und David Koski, Entwickler von Trailmaster und Breezer, radeln genußlich durch den tiefen Wald, um Vogelzwitschern und Fluß plätschern zuzuhören. MTB ist nicht nur Repack Race gewesen.

Meral modern, 650B Raizin Works

Sogenannte Rahmenform Meral mag ich sehr. ursprünglich für Damenrennrad gedacht, passt universell für verschiedene Zwecke, Rennrad, Cityrad, MTB, 700c, 650B, 26″, sehr sportlich bis gemütlich komfortabel, kann man mit dieser Rahmenform konstruieren.

Dazu noch mit Standardrohrsatz gemufft, oder Oversized mit Fillet-Brazing, kann diese Rahmenform klassisch bis modern gestaltet werden. Nicht nur für Damen ist es gut, diese praktische Standover Hight mit dem Overrohr, der erst unterfällt wie Mixte, dann aber waagerecht zum Sitzrohr stoßt. Steif und ein ausgesprochener Unisex-Rahmen ist es.

Diesmal ist ein Tourenrad, das auch alltäglich benutzt werden soll. Für die Touren sollen Gepäckträger vorn + hiten montiert bekommen, dafür der Rahmen vorbereitet ist, für den Alltag wie abgebildet mit einem Porteurträger ausgestattet.

Grundgeometrie ist mittelsportlich. Radsatz ist 650B mit 38 bis 42mm breiten Reifen. Für die Standsicherheit ist oberrohr etwas tiefer gesetzt als normal. Normalerweise zielt der Oberrohr etwa das hintere Ausfallende. Bei diesem Rahmen geht er tiefer, um die gewünschte Standover Hight zu realisieren. Rohrsatz ist Kaisei 019/8630, komplett oversized und fillet brazed, Steuersatz 1 1/8 ahead. Nur Gabelkrone, mit 54mm Maulweite für Gilles Berthoud 50mm Schutzblech, hat klassische Form als Akzent.

Antrieb/Transmission ist eine interessante Mischung. Da sie auch Bergtouren macht, hat die Übersetzung eine große Breite. Vorn Sun XCD Kurbel mit TA 5vis Touriste 44/28 Zähne, Hinten Shimano 9-fache cassette mit 11/34 Zähne. Schaltwerk ist Deore XT, Umwerfer Campa Chorus für 3-fach. Hier ist zu achten; Umwerfer hat oft problem, wenn kleine Kettenblatt eingebaut wird, wie hier 44 Zähne. Um den Abstand zu den Zähnen korrekt zu halten, kommt der Umwerfer auch nach unten so daß Ende des Flügels(unten links) mit der Kettenstrebe korridieren können. Umwerfer mit einem kleinen Flügel gibt es selten. Schalthebel ist Shimano Dura Ace 7700 für 9-fach, kombiniert mit Paul-Lenkeradapter.


Bremsen sind Tektro 559 mit langem Schenkelmaß. Sie passt gerade gut für die Bereifung/Schutzblech. Bremshebel ist auch von Tektro, ein simpler Hebel, der eigentlich Reprika von Vorkriegszeit-Bremshebel ist. Bremszughülle sind in grasgrün, Schaltzughülle sind in gelb so daß sie der Farbgebung des Rahmens abgestimmt sind.

Porteur-Lenker ist angenehm-sportlich erlaubt unterschiedliche Griffpositionen. Dafür wurde Lenkerband(Brooks) komplett bis zur Mitte gewickelt. Um die spätere Justierung der Lenkerhöhe zu ermöglichen, ist der Steuersatz mit 30mm Spacer versehen.

Zugführung ist konventionell, nur der Bremszug wurde innenverlegt. Wie so oft bei mir, ohne Abdeck. Dieser Abdeck verursacht oft Rost am Zugeinlaß/-Auslaß weil dort Feuchtigkeit sammelt.

Naben sind von HOPE. Sperrklinken des Freilaufs finde ich etwas laut. das ist auch bei Chris King der Fall. Bei Shimano ist zu leise, fast geräuschlos. Irgendwo dazwischen, mit schönen Klang soll es eigentlich sein.

Streben vom Schutzblech sind vorn Gielles Berthoud, hinten Honjo. Hinten sollen die Darumas das Blech schützen, vorn die abgeflachte Befestigungsart die Kollision mit Fußspitzen verhindern, da der Abstand zwischen Vorderradachse und Tretlagermitte gerade 595mm ist(Tretlagermitte bis Hinterradachse ist 435mm).

Der Porteurträger ist von Pelago. Er ist gut und flexibel konstruiert. Trotzdem hätte ich die Ladefläche ca. 10mm tiefer setzen wollen. Das ging leider nicht. Für 26″ Bereifung wäre der Abstand noch größer. Ich möchte die Ladefläche tief wie möglich haben, für bessere Schwerpunktlage.

Der Sattel ist Gyes G3, City- und Tourensattel. Nach kurzer Probefahrt würde ich sagen, er ist schon komfortabel. Und markant ist dessen Design. Ach ja, die Schlitze für die Sattelklemmung ist vorne. Und Klingel von Knog ist total unauffällig.

Jetzt die Farbe; Gelb ist nicht einfach gelb. Diesmal ist Pantone 3945 mit viel Perlmuttanteil. Diese Gelb hat ganz leichte Grünstich, wirkt frisch wie Zitrone, die noch niciht ganz reif ist. Durch Perlmutt wirkt die Oberfläche auch recht unterschiedlich, je nach Einfall vom Licht. Dazu, zu allen Ausfallenden hin wird es grünlicher. Das kann man bei bestimmten Lichtverhältnisse kaum bemerken, aber bei anderen Lichsituation deutlich.

In der Sonne wirkt sie sehr hell reflektierend gelblich, im Schatten sieht es matter und grünlicher aus. Es wird nicht langweilig, diese Farbenspiele zu beobachten. Es ist nicht einfach, diese Farbnuancen in Fotos wiederzugeben.


Dieses Rad heißt „bonheur“, also Happiness. Ich hoffe, dass es in der Tat der Bringer des Glücksgefühls werden wird. Gute Fahrt!

PEUGEOT Berceau Damenrad

Früher habe ich viele ältere Räder wieder fit und hübsch gemacht. Das ist etwas weniger geworden. Ich muß auch zugeben, daß ich nicht immer Lust dazu empfinde, um alte Teile, wie Weinmann-Bremsen, Normandy-Naben, Philippe-Lenker o.ä. zu zerlegen und polieren, rostige verchromte Gepäckträger in Oxalsäurebad zu entrosten, Eloxalschicht in Rohrreinigerbad zu entfernen, und wieder polieren, den Lack an Roststellen zu entfernen, mit Phosphorsäure zu behandeln, evtl. mit Lackstift auszubessern, genudelte Schrauben auszutauschen usw. Natürlich gehört es auch dazu, die Lager zu prüfen, sauber machen, evtl. Kugel erneuern, einfetten und wieder einstellen. Wenn man stillecht sein will, müßte man auch Teile vorrätig haben, die im Laufe der Jahrzehnte ausgetauscht wurden, wieder in Originalzustand zurückzuversetzen. Man muß dazu vieles wissen, wie bestimmte Räder damals ausgestattet waren. Das ist mit viel Arbeit verbunden, d.h. es kann nicht preisgünstig abgegeben werden. meisten Menschen haben wenig Verständnis für solche Arbeiten, auch nicht für solche restaurierte Räder, vor allem wenn es um alltägliche Räder geht. „Es ist ja teurer als Neurad!“, würde man sagen,, obwohl das alte nur 5 Gänge, oder nur mäßig wirkende Bremsen hat. Im Supermarkt/Netz gibt es für weniger Geld Fahrrad mit 21-Gänge, 27-Gänge, toll aussehende Scheibenbremsen, Nabendynamo mit LED-Leuchten, Federgabel, Federsattelstüze usw. Und in Privatkleinanzeigen gebe es Fahrräder schon ab 30 Euro. Dann kaufen Sie doch die Räder dort, werde ich sagen. Schlecht sind sie vielleicht auch nicht. Natürlich darf jeder selbst Entscheidung treffen.

Problem liegt woanders. Die Wertminderung vom Fahrrad ist selbstverschuldet durch Fahrradindustrie. 1950 hat ein gutes Fahrrad, mit dem man alltäglich und auch auf Tour fahren konnte, etwa Durchschnittsmonatslohn gekostet. Und es gab kein Billig-Fahrrad. Und ein Fahrrad hatte bleibendes Wert.

Anderseits gibt es extrem teure Fahrräder, oft für sportliche Einsätze und für extreme Touren, für jenseits von 10.000,- Euro. Und dazwischen ein Dschungel vom vielfältigen Angebot. man bekommt den Eindruck, man müßte genau richtiges für jeden zu finden sein.. denn die Industrie bemüht sich so sehr, jedes persönliche Beürfnis zu decken. Ist es wirklich so? Findet man wirklich das richtige? Ohne technische Orientierung und Ungewissheit eigener Bedürfnisse geht man ganz leicht verloren.

Heute gibt es Neurad ab 150,- Euro, überall in Bau- u. Supermarkt. Demnach müssen die gebrauchte Räder noch billiger sein. So wird ältere Fahrräder wertlos gemacht. Dazu kommt die Technik-Inflation. 9-Gang-Schaltung? Zu wenig! Heute haben Stadträder schon oft 10-Gänge, beim Rennrad 11, und sogar 12. Ist mehr besser? Braucht man das? Das fragt man oft nicht. Denn, dann müßte man Gedanken machen, was man wirklich braucht. Das ist anstrengend, und zeitraubend. Gib mir meine meinung und dann tue ich es. Schnell denkt man auch, daß es besser ist, wenn man viel und alles hat. Das führt zum Fahrrad-SUV. Oder denkt man modisch, Singlespeed, Retro, bestimmte Markenname wie Peugeot als Wert-vermittelnde Merkmale. Singlespeed macht Sinn, wenn man gemütlich im Flachland radelt, aber nicht überall und nicht für jeden. Retro-Rad wie in 50er Jahre,, sie sehen so aus, aber die alten Räder aus den 50er waren deutlich besser gebaut als heutige Retro-Räder. Und Peugeot, Motobecane, Batavus, Rixe usw. das sind nur noch Namen, die gehandelt werden. Wer heute Inhaber von solchen Markennamen sind und wo die Räder mit den Markenzeichen hergestellt werden, weiss keiner wirklich, und interessiert sich auch kaum jemand.

So macht es Sinn für mich, gute alte Räder, wenn die Grundkondition in Ordnung ist, aufzuarbeiten oder zu restaurieren, auch wenn das vielen Menschen als zu teuer vorkommt. Ich mache das weiter, wenn das gewünscht wird, und wenn ich Zeit dazu finde. Ich würde mich gerne der Technik-Inflation und der Wert-Deflation entgegensetzen.