Spur vom Frühling

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Der Tag ist länger geworden, temperatur in dieser Woche auch frühlingshaft. So denkt man in der Stadt, der Frühling kommt. Na dann gehe ich mal schauen, ob es so ist,,, So einfach ist es aber nicht. Im Wald liegt noch Schnee im Schatten. Glatteis, hier und da muß ich das Rad schieben. Noch keine Pflanzen treiben aus, nur Vögel zwitschern ab und zu.
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Angekommen auf einer Anhöhe sieht man Havel ganz gut, daß sie noch Eis trägt. Himmel ist etwas diesig. Gänse fliegen in Formation über mich. Rennradfahrer sind unterwegs unten auf der Havelchaussee. Jetzt geht es langsam los, und irgendwann ist es alles wieder grün. Das kommt den Städtern immer sehr plötzlich vor. Es ist aber nicht.
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Ans Ufer untergefahren, sieht Wannsee noch winterlich aus. Die Sonne steht aber bereits höher. In der Luft ist die Spur vom Frühling, wenn man die Augen zu macht.
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rebirth of old MTB, pt. 1 Muddy Fox

Nicht von Araya. sondern britische Muddy Fox. Das war auch ein damals bekanntes MTB. Es muß Ende 80er sein mit Tange-Röhre.
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Zum Glück noch aus gutem Stahl, aber die Geometrie ist typisch von damals mit langem Oberrohr. Hier mußte ich radikale Maßnahme greifen, um aus ihn ein stadttaugliches und komfortables Fahrrad zu machen.
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Dafür ist dieser Vorbau notwendig. Wenn jemand mich fragen würde, ob er schön ist, würde ich sagen, es gibt kaum besseren und das geht gerade noch, und er erfüllt seine Aufgabe. Aber ich mußte ihn unbedingt in Rahmenfarbe lackieren. Anders(original war matt-schwarz) hätte ich ihn nicht ertragen können. Wenn ich jetzt das fertige Fahrrad ansehe, finde ich aber nicht so schlimm. Gewöhnt man sich an alles?
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Damals war Canti-Bremsen dran. Ich habe V-Bremsen eingebaut. 7-Gangschaltung ist für die Stadt fast luxuriös. 1.75″-Reifen vom Fairweather ist super. Sattel ist klar eine Geschmackssache. Ledersattel wie Brooks B17 wird auch gut passen.
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Lackierung ist Zweifarben mit geometrischen Mustern. Von weiten sieht man es aber fast nicht, sehr dezent. Nur Schaltzughülle fällt auf. Das könnte auch grün oder orange sein.
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Das Rad ist erstaunlich komfortabel. Viel besser als ich vorgestellt habe. Und ich habe kein Gefühl, unnötige Masse zu schleppen, wegen seiner Kompaktheit. Es lohnt sich, wenn man ein gutes altes MTB hat, ihn für heutigen Bedarf umzubauen.
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colour check

Es ist nicht leicht, die Farbgebung eines Fahrrades im Kopf vorzustellen. Bei Merhfarbenlackierung vom Rahmen sollte die Kombination recht gut überlegt und abstimmt werden. Im Rechner kann man Farbteilung simulieren. Besser(und vielleicht wichtiger) wäre die Anfertigung von Farbmustern in Rohrform. So läßt sich der Eindruck von Farben konkreter unter verschiedenem Lichtverhältniss prüfen. Das mache ich bei aufwendigen Projekten, um evtl. Missverständnis und Fehleinschätzung zu vermeiden.
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Außer Rahmenfarben gibt es noch weitere Kombinationsmöglichkeiten mit den Teilen wie Lenkerband/Lenkergriff, Reifen, Sattel, Zughüllen, Kleinteilen wie Schraubenköpfe usw.
Je mehr Möglichkeit desto schwieriger wird der Abstimmungsprozess.

Wintermuße, Feilen als Leichtathletik

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Es gibt viele gut gemachte Rahmen. Aber ich denke oft, da könnte noch hübscher werden, wenn man ein wenig selbst Hnad anlegt. Aber allein vom Handlegen wird er nicht hübscher, man muß schon mehr körperlich tätig werden. Feilen, das macht einen warm, also gut im Winter. Im Sommer hat man sowieso etwas anders zu tun.
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Ein 26″ Rennradrahmen, oder eigentlich 650A-Rahmen, sehr klein(470mm c-t, 445mm c-c) aber fein gebaut vom Stan Pikes Sohn Philip Pike so etwa 1981 für den Fahrradshop CC Competition. Stan Pike war in den 70er Jahren einer der besten Rahmenbauer in GB, ist aber leider mit 46 sehr jung verstorben.
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Sauber verarbeitete Muffen wirken fast organisch, Röhren werden fliessend verbunden wie Baumäste, sie werten einen Rahmen nicht nur optisch auf. Und beim Feilen kann ich die Heizung kleiner drehen, ansonsten werde ich schwitzen. Ein leichter Indoor-Sport, was im Winter nicht verkehrt ist.
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Claud Butler Dame International 1948 ,56cm

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Der Entwurf ist sehr modern und vollendet schön. Kein Wunder, daß Claud Butler lange Zeit ganz oben in der britischen Rahmenbauszene bleiben konnte.
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Dieser Rahmen ist komplett mit Fillet Brazing (Versionen mit Muffen/Bilaminates konnte man auch bestellen). Geometrie ist auch modern. Auf dem Katalog wird gleiche Steifigkeit wie bei Herrenmodell gepriesen. Sehr leicht ist der Rahmen auch, natürlich gänzlich aus konifizierten Reynolds 531 Röhre.
CB 1949 Lady International
CB 1948 Lady Lightweight

Diese Rahmen ist in einem sehr guten Zustand. Evtl. ist die Lackierung nicht original. Die Farbe an der Bodenseite ist etwas verblichen. Das bedeutet, dieser Rahemn stand oder hing eine lange Zeit irgendwo, wo nur aus einer Richtung Sonnenlicht einstrahlte. Da es aber auf dem Bodenseite ist, sieht man das bei normaler Lage nicht.

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Ich würde diesen Lack behalten, aber das ist Geschmackssache. Auf alle Fälle wird es eine schnelles und elegantes Damenrad.
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ein Fahrrad im Jahr 1942

Wenn ich einen Rahmen oder Fahrrad aus vergangener Zeit in die Hand nehme, denke ich oft nach, was für eine Zeit es damals war. Wer hat das Rad gefahren, benutzt und wie usw.
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Meine älteste Freundin wird heuer 90. Sie stammt aus Hamburg-Altona. Seit 60 Jahren lebt sie in Bayern, spricht aber immer noch mit norddeutschem Akzent und kein bisschen Bairisch. Das Foto zeigt sie mit ihrem neuen Rad, als sie 15 war, Frühjahr 1942 in Kupfermühle(Bad Oldesloe) bei ihrer Oma. Das Rad hat ihr Onkel aus einem Bausatz(da billiger) zusammengeschraubt. Seit 1940 gab es Luftangriff auf Hamburg. Sirene und Luftschutzbunker war Tagesordnung. Sie fuhr das Rad, um Lebensmittel zu besorgen, wenn sie hörte, irgendwo gibt es irgendetwas. Es war sehr anstrengend, aber nicht komplett trostlos. Für kurzweiligen Spaß fuhr sie auch das Rad.
Möge es ein gutes Jahr für uns alle werden. Könnte es sein, daß die Welt etwas mehr von uns für den Frieden und die Freude bräuchte?

Sonne und Nebel, Raureif, dann Schneefall

Ein kleines Dorf ist Bächlingen im Hohenloher Jagsttal, wo ich wie jedes Jahr mit der Familie Jahresende verbrachte. An Weihnachtstagen war es neblig. Dann kam die Sonne durch. Temperatur war konstant etwa um 2 bis -3 Grad tagsüber. Langsam wuchs der Raureif an schattigen Stellen.
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Das Dorf macht einen Eindruck, von der Zeit vergessen worden zu sein. Aber auch hier ziehen die Städter ein. Bauer hören widerwillig die Landwirtschaft auf. Jungere Generation arbeitet kaum noch als Landwirt, in 20 Jahren vielleicht keiner mehr.

Zum Glück gibt es hier einen zarter Tourismus, auch wegen Jagst-Kocher-Radwege. Historisch wie kulturell eher fränkisch obwohl dieser Gegend Baden-Württenberg gehört. Auch kleine Dörfer haben lange Geschichten.
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Im nächsten Dorf Unterregenbach gibt es z.B. eine Hallenkrypta aus dem Ende 10. Jhdt. Ein Indiz, daß hier damals ein bekannter Wallfahrtsort war. Das ist aber lange her. Es ist sehr ruhig. Einer macht Weine und Prosecco aus Quitten. Ein Zugezogener hat ein schickes Restaurant aufgemacht, nur fürs Wochenende, was mir aber nicht so richtig zusagt. Ich mag Uriges lieber.
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In diesem Gegend gibt es mehrere überdachte Holzbrücken.

Diesmal fande ich öfters Zeit, mich auf den Sattel zu steigen. Zwar nur eine gute Stunde am Tag, aber immerhin. So radelte ich im Nebel, in der Sonne und im Schnee. Es ist kalt, daher nur recht langsam, damit ich nicht zum Schwitzen komme, oder im Schnee nicht ins Schleudern komme. Jedes Wetter ist schön zum Radeln, vom zu starken Wind und vom heftigen Regen abgesehen.
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Die Weisse ist kein Schnee, sondern Raureif. Er wird nicht flächendeckend wie Schnee. Man sieht sehr gut die Strukturen, an den er klebt und wächst.
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Man kann, wenn man will, auch viel bergauf und -ab fahren. Solange die Fahrbahn trocken ist, macht es auch Spaß.
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Einige Tage nach Weihnachten hatten wir richtig sonnig nach früher Nebelauflösung. Dann war es recht mild zum Radeln.
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Dann kam der Schnee. Kinder freuten sich riesig. Auch ich freute mich, ein wenig auf Schnee zu fahren.
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Mein Rad dort hat keinen guten Reifen für Schnee(oder, nicht nur für Schnee schlecht), so mußte ich vorsichtig auf der Reifenspur radeln. Solange der Schnee nicht tief ist, geht es ohne Problem.
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Und ein wenig Slalom probieren, um die Haftungsgrenze zu spüren. Nach einem Ausrutscher wieder brav auf der Reifenspur von Autos folgen, mit mäßigem Tempo.
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Fluß ist vereist, noch dünn, und drauf liegt der Schnee.
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Und zuhause wartete ein warmer Tee. Für den alten Ofen, der mollige Wärme abgibt, hatte ich schon morgen früh Holz gehackt.

Wheeler, 530mm

Ein Lackierversuch, mit 2 Grautöne und 2 Rottöne. Relativ aufwendige Maskierung mit fortlaufendem Muster. Gezielt war etwa wie „knallig-dezent“.
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Mehr oder weniger ist es so geworden wie ich dachte. Etwas mehr helleres Grau und etwas weniger Rot könnte mir evtl. besser gefallen. Balance im voraus richtig zu dosieren, ist gar nicht einfach.
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Meine letzte Arbeit im Jahr 2016. Was wird aus neuem Jahr? Gutes, Nettes und Schönes wünsche ich Euch allen!

Rory O’Brien 580mm, Restoration

Rory O’Brien hatte einen Fahrradladen in London. Später machte er auch in Romford einen Laden auf, der dann sein Hauptgeschäft wurde. Seine Rahmen kamen von Vic Edwards und Wally Green. Auch Les Ephgrave baute für ihn Rahmen, angeblich weil O’Brien Ephgrave, der davor bei Claud Butler als chief frame builder arbeitete, beim Setup seiner eigenen Werkstatt geholfen hat. Dieser Rahmen ist sehr wahrscheinlich von Ephgrave und Baujahr 1950. Wie so meisten British Lightweight komplett aus Reynolds 531 double butted Röhren. Rahmen 1840g, Gabel 785g, sehr leicht und filigran. Muffen sind extrem dünn und schön gefeilt. Die Gabelbeine sind rund und dünn, auch die Kettenstreben wie Sattelstreben, so daß der Rahmen eine komfortable Fahreigenschaft haben muß.
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Der Originallack war nicht mehr gut. Ausserdem gab es an mehreren Stellen Ansätze von Rost. Das mußte beseitigt werden. Originallack war gräulich grün. Ich wollte etwas schönere Farbgebung. Da aber sehr wenige Rahmen von Rory O’Brien aus dieser Zeit in Originalzustand gibt, habe ich mir eine Fantasielackierung erfunden. Zweifarbig, Farbauswahl wie -teilung typisch für diese Zeit.
So wurde der Rahmen entlackt, gestrahlt und entrostet, dann stellenweise phosphorisiert, um weitere Kollosion zu verhindern.
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Es gibt nur wenige Fotos von O’Brien Rädern aus den früheren 50ern. Schriftzug „Rory O’Brien“ auf dem Unterrohr mit Blockschrift fand ich nicht so schön und nicht passend für diesen filigranen Rrahmen. Ich habe dann ein Foto mit älterem Schriftzug gefunden. Er ist wie eine Handschrift, was mir viel besser gefällt. So machte ich aus dem Foto eine Vektorgrafik und dann Maskierfolie hergestellt. Zu 95% stimmt es. Markenlogo am Steuer- und Sattelrohr gibt es fertig zum Kaufen.
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Daraus könnte ein schönes gepflegtes Sonntagsrad werden. Ich bin gespannt, wie es aufgebaut wird.
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Schöne Festtage!

Die Werkstatt bleibt 23. 12. bis 03. 01. zu und ich bin off-line in deisem Zeitraum.
Allen schöne Festtage und ein gutes neues Jahr! Und natürlich, Frohes Radeln!
Workshop will be closed from Dec. 23th to Jan. 3rd. and I’ll be off-line.
Wish you all merry Christmas and a happy new year! And of course, Happy Riding!
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Und für denjenigen, der sich rechtzeitig zum Frühling ein neues Rad wünscht, ist Januar die (höchste) Zeit, um Projekt zu starten.