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Vorgeschichte eines Märchens, und eine Rätzelfrage

Manchmal trifft man jemanden, den man nie vergißt, und solche Begegnung wird ein Ereignis. Die Erinnerung wird zu einem Märchen verklärt. Das ist ein Märchen für Radtourist, über das Bahnfahren und das Leben.

Nach Neuruppin kam ich oft, aus verschiedenen Richtungen, als Ziel meiner Radtouren. Die Garnisonstadt ist hübsch, liegt am See. Oh jetzt erinnere ich mich noch nebenbei, daß ich gleich nach der Wende eine hiesige Brotfabrik retten sollte, dann aber ganz scheiterte. Hier trank ich immer ein Bier, oder ass etwas. An einem schönen Maitag hatte ich einen gebratenen Saibling. Unweit von Neuruppin gibt es Fischzucht Zippelsförde und von dort kommt der Fisch. Nach dem Kaffee, sehr zufrieden und leicht müde fuhr ich nach Berlin zurück, mit der Regionalbahn, die damals ohne Umsteigen bis Berlin fuhr.

Ich radelte zum Bahnhof Neuruppin West, durch den hübschen Tempelgarten. Denn es ist nach 18 Uhr. Im nächsten Bahnhof Neuruppin Rheinsberger Tor wird der Zug oft voll. Ich saß zuerst in einem 4ler-Abteil allein, dann im Rheinsberger Tor stiegen wie gedacht viele in den Zug ein. Zwei Damen fragten mich, ob sie dürfen. Natürlich bitte, sagte ich. Eine war etwa 40, etwas fesch gekleidet, die andere knapp 50, schlicht aber fein gekleidet, beide in schwarz. Die ältere Dame zog mein Interesse, obwohl sie unscheinbar war. Nicht mehr jung und ohne Schminke, aber wirkte irgendwie rein, unverschlissen und ja hübsch. Sie sprachen miteinander, und über die Personen und Dingen, die ich natürlich nicht folgen konnte. Ich versuche, heutige Radtour im Kopf zu rekonstruieren. Die jüngere Dame stieg bald in einem kleinen Bahnhof aus. Die ältere blieb sitzen. Ich habe mich irgendwie gefreut, daß sie weiterfährt, und daß wir allein im Abteil sind.

Sie fing gleich an, mich anzusprechen, oder eher, einfach zu erzählen. Fahren Sie nach Berlin? Ja, ich hab eine Fahrradtour gemacht und fahre zurück nach Berlin. Ach ja, deshalb Ihre Kleidung. Das ist doch,, Ja Knickerbocker. Genau, das meine ich. Das sieht man heute doch selten. Ach ja, ich mag es etwas altmodisch. Sie leben in Berlin,, Ja in Charlottenburg, und Sie? Ich musste erst nach Neuruppin für einen Arzttermin und dann zum Friseur. Und nun fahre ich nach Berlin und dann weiter nach Dresden für eine Hochzeit. Ach, deswegen so ein feines Kleid. Naja, es geht so. Ich lebe ja in einem Dorf, und weiß nicht was so in Großstadt Mode ist,, Ganz dezent und fein, finde ich. Danke sehr, nett von Ihnen. So fing es an und sie war plötzlich recht redselig.

Ja, dann habe ich sie, die gerade ausstieg, in der Stadt zufällig getroffen. Schon über 10 Jahre habe ich sie nicht gesehen. Sie stammt aus meinem Dorf und wir waren in gleicher Brigade, hatten viel Spaß gehabt, wissen Sie? Dorf wo? Ach, Sie kennen das bestimmt nicht, heißt XX und liegt nahe Rheinsberg. XX? Das kenne ich. Sogar bin ich da mal durchgeradelt. Ach was? so ein Ding,, Damit habe ich ja gar nicht gerechnet, daß jemand wie Sie unser Dorf kennt. Sie machen viele Radtouren, nehme ich an. Ja, das ist mein Hobby. Es ist wunderschön in Brandenburg. Nun, das ist mein Dorf, da bin ich groß geworden und geblieben. War verheiratet, aber mein Mann ist vor zwei Jahre gestorben, Herzproblem, wissen Sie? Er war kräftig gebauter Mann, arbeitete im Wald, bei uns gibt es viel Wald, und viel Wasser, aber plötzlich wurde er krank, und so schwach, war für mich unvorstellbar. Na sowat! Das tut mir sehr Leid. Ja, seitdem ist es etwas schwer geworden. Ich habe ein Haus, mit einem großen Grundstück. Das zu pflegen braucht viel Kraft und Zeit. Für eine Frau alleine ist es schon schwer,,

Sie setzte sich fort; Ja, ich habe einen Sohn, der arbeitet im Raum Spandau für ein Lebensmittellogistikunternehmen. Er kommt ja ab und zu und hilft mir, den Garten in Ordnung zu halten. Er ist aber beruflich gut eingespannt, kann nicht so oft kommen, auch wenn Sie meinen, es ist nicht so weit weg vom Dorf, naja. Ich kann ihn auch nicht so oft fragen, weil er eigene Familie hat, wissen Sie? Ja, mit der Familie ist man immer beschäftigt. Haben Sie Familie? Nun bin ich etwas vorsichtig geworden und suche Worte langsam,, ich war verheiratet, aber schon seit einigen Jahren geschieden und lebe allein, habe kein Kind. So kann ich mal und wieder einfach auf den Sattel steigen und irgendwohin radeln. Ja, das finde ich auch gut. Sicher, ganz gut, wenn man das kann, was man möchte. Ich kann das auch, aber manchmal ist es mir langweilig, ehrlicher gesagt einsam,, Oh, sie ist ja sehr offen, dachte ich. Ein Paar Sekunden Schweigen folgte.

Was für ein Landsmann sind Sie? Sie wechselte das Thema, oder auch nicht. Bin Japaner. Wissen Sie für uns ist es schwierig, die asiatische Völker auseinander zu halten. Aber von Japanern hört man ja eigentlich nur was gutes. Ich sagte lachend, hoffentlich sind alle Japaner artig und tugendhaft, wie Sie es vorstellen. Ich sehe schon, Sie sind ein guter Mensch. Wissen Sie, ich bin gläubig, und ich denke ich sehe es. Gläubig? auch in der DDR-Zeit? Ja, ich bin so erzogen worden. meine Familie waren alle sehr gläubig. Sie starrte mich an. Ich dachte kurz, wir sitzen in einem offenen Abteil so daß die Mitreisende im Zugwaggon interessiert unsere Gespräch folgen könnten,, Ich wollte Themenwechsel.

Das ist doch ein Kolonistendorf, nicht wahr? Ihre Vorfahren kamen irgendwoher, vielleicht aus dem Süden? Sie haben ja schönes schwarzes Haar. Das war nicht gut, dachte ich, aber zu spät. Ihre Augen leuchteten auf, ihre Wange bekam die Farbe. Ach was Sie alles wissen! Mein Vorfahren kamen aus der Schweiz, französischer Gegend. Aber woher wissen Sie so etwas?? Nun, mich interessiert die Geschichte von Brandenburg, auch weil ich gerne hier unterwegs bin. Sind Sie doch ein Großstadtmensch, nicht? Sicher, aber Landleben finde ich auch reizvoll. Ich wußte, daß ich was anders sagen sollte. Aber lügen wollte ich auch nicht. Sie war nicht nur hübsch, sie zog mich an. Allmählich fing ich an zu fantasieren, wie ein Dorfleben sein könnte, zwar dort,, Bin ich verhext?

Wir haben viel Wasser und viel Wald, aber nichts sonst. Im Sommer sind eine Menge los, wenn die Sachsen kommen. Sie kommen jedes Jahr, wissen Sie? Auch nach der Wende kommen Sie. Für sie ist es vertraut, im unseren Dorf Urlaub zu machen. Neuerdings haben wir aber eine große Hotelanlage mit Hafen gleich nebenan. Das aber macht mir ein wenig murmiges Gefühl. So viele Fremden kommen und ich fühle mich nicht mehr so sicher deswegen. Oja, ich habe diese Anlage gesehen, riesengroß, und fand, das passt gar nicht zum Ort. Ja, genauso, genauso finde ich das. Sie wirkte unverbraucht. Naiv könnte man auch sagen, aber ich fand sie reizend. Ach ja, wenn Sie diese Anlage kennen, ich wohne kurz davor(sie nannte auch ihre Strasse), direkt an der Brücke. An die Brücke kann ich mich auch erinnern. Dann werde ich bestimmt gleich finden, wo Sie sind. Ja ein altes Haus mit großem Grundstück. Sie sagte noch einmal ihre Adresse. Ich nehme im Sommer auch einige Feriengäste. Aber nur im Sommer, sonst ist es ruhig bei mir.

Oh, wir kommen schon Spandau an. Ich steige hier aus. Mein Sohn holt mich ab und wir fahren morgen zusammen nach Dresden. Sie stand etwas hektisch auf und holte ihre feinsäuberlich zusammengefaltete Jacke aus ihrer großen Handtasche. Ich half sie in die Jacke. Wir waren ganz nah. Sie blickte auf mich zurück, sagte leise noch einmal ihre Strassenname, fürsterte, gleich an der Brücke. Wenn Sie wieder ins Dorf kommen sollten. Ja ich werde es. Unsere Wangen waren nicht mal 5cm auseinander. Aber nein, was denke ich überhaupt,, Ihr Haar roch nach der Sonne. Ich wünschte, die Zeit soll für einen Moment still stehen. Auf Wiedersehen! Das war schön, Sie kennengelernt zu haben, sagte sie. Auf Wiedersehen, gute Weiterreise! Sie ging zur Tür, stieg aus und verschwand.

Und, ob ich wieder ins Dorf gefahren bin und die Dame wieder sah,, huhu das lasse ich hier offen. Das Märchen beginnt eigentlich jetzt. Das vielleicht ein anderes Mal.

Jetzt die Rätzelfrage; wie heißt das Dorf XX? Viele Hinweise sind im Text enthalten. Wenn man Nord-Brandenburg gut kennt, müßte es nicht schwer sein, den Ort zu identifizieren.

Zum Jahresende

Klimawandel, Corona, Kriege, Modal Shift, Energiekrise, Zeitenwende,, Nichts bleibt stehen. Das war immer so und wird weiter so sein. Wir hätten aber gerne daß die Welt eine für uns Menschen günstige Beständigkeit besitzt. Das ist vielleicht so seitdem wir Landwirtschaft betreiben, und dafür alles vorauschaubar und beherrschbar machen wollten. Daraus entstanden die Gesellschaft und die Strukturen. Die Natur lacht drauf. Die Welt geht weiter, auch wenn wir unsere Lebenswelt selbst vermüllen .

Wir sollen lieber über uns selbst lachen können und üben zu begreifen wie klein und kleinlich wir sind. Großenwahn führt uns nie zu einem guten Ende. Das Radeln finde ich nicht schlecht dafür, um das Verhältnis ziwschen selbst und die Natur zu spüren. In dem Sinne viel Freude beim Radeln!

Die Werkstatt bleibt zwischen 24. 12. und 02. 01. geschlossen. Euch allen eine schöne Zeit!

Ausstellung „turn“ der Studenten/Kunstakademie

Als dritte Ausstellung(1. Fotoausstellung von Josef Steiner-Faath, 2. Alte Fahrräder vor 1925) in der Radlerhalle präsentieren 6 Studenten der Kunstakademie Karlsruhe ihre Arbeiten. Ich habe die Arbeiten noch nicht gesehen und bin sehr gespannt. Der Titel läßt sich vermuten, daß sie zum Rad/Fahrrad Bezug herstellen wollen.

Die Ausstellung läuft 05. 11. bis 30. 11. 2022. Zu besichtigen ist sie in den regulären Öffnungszeiten der Radlerhalle, d.h. Di. bis Fr. 12 bis 18 sowie Sa. 12 bis 15 Uhr.

Silver Machine

Von Alfred Jarry gibt es ein Gedicht, „Wie man eine Zeitmaschine konstruiert“. Äh, wer ist dieser Alfred Jarry? Wer Pere Ubu kennt, dann kennt auch Jarry. Als Vorläufer des Dadaismus, ist sein Einfluß auf theater- wie Kunstszene bis heute noch groß.

Er war ein passionierter Radfahrer( z.B. sein Text über „10’000 Meilen Rennen, das inter-mechanisch und inter-national von Paris nach Sibirien und zurückführt und bei dem es um einen Wettstreit zwischen Dampfkraft(Eisenbahn), Muskelkraft(Velofahrer), Chemie(Dopingmittel)und demPhantastischen (Radfahrertölpel)geht.“ Interessant?

Und das o.g. Gedicht ist, zugestehen, ich hab es noch nie gelesen, handelt sich eigentlich darum, „wie man ein Fahrrad baut“. So hat Robert Calvert von brit. Band Hawkwind verstanden und schrieb einen Text für ihren Song „Silver Machine“, als Space Travel, was seinerzeit(Anfang 70er) ganz schön aktuell war, was aber eigentlich um Radfahren ging. In der Tat hatte Robert damals, und auch heute, ein silbernes Rennrad.

„I, I just took a ride in a silver machine. And I’m still feeling mean. Do you want to ride. See yourself going by. The other side of the sky. I’ve got a silver machine. It flies. Sideways through time. It’s an electric line. To your zodiac sign. I’ve got a silver machine.“ usw. usf. (Songtext von Silver Machine © Sony/ATV Music Publishing LLC, Universal Music Publishing Group)

Warum ich überhaupt darauf kam? Z.Zt. baut einer bei mir sein neues Rennrad, mit einem komplett verchromten ital. Rahmen, Alle Teile in silber. Das erinnerte mich an dem Song von Hawkwind, ein schillerndes Stück. Gesungen von Lemmy. Let’s go!

Cyclo Camping

Camping ist nicht mein Metier, muß ich leider sagen. Heute habe ich nicht einmal eine Zelt(früher hatte ich eine und gecampt habe ich auch,,). Ich glaube, hier scheiden sich die Geister. Einer haßt Camping, der andere liebt es. Für mich ist das ein interessantes Feld, was ich persönlich aber nicht praktiziere. Dafür stelle ich hier 2 Blogseiten von Camping-Begeisterten vor.

Sebastian aus Oldenburger land ist ein leidenschaftlicher Camper und schreibt auf seinem Blog sehr nützliche Informationen über Camping, mit dem Rad, Auto usw. Wer schon mal gecampt/gezeltet hat, weiß bescheid, daß man viel Planung/Vorbereitung notwendig ist, um den Aufenthalt komfortabel zu machen. Hier sind die Infos sehr hilfreich.

Noch eine Blogseite aus Japan beschäftigt sich auch mit Camping. Er, Tamura-san, ist ein Profi-Schreiber, der schon lange bei Fahrradzeitschriften mitwirkt und bereits einige Fahrradbücher herausgegeben hat.

Foto:Hiroshi Tamura, Hibiki Publishing

Er probiert auch extreme Situationen oder Equipments, aus professionellem Interesse, und das geniesst er. Konfrontation mit Probleme verlangt oft kreative Lösungen?

Foto: Hiroshi Tamura, Hibiki Publishing

Camping ist oft ein „Learning by Doing“, aber unangenehme Erfahrungen sollte man lieber vermeiden, durch Studium im voraus. Trotzdem, kann man nächstes mal einiges besser machen, mit Sicherheit.

Foto: Hiroshi Tamura, Hibiki Publishing

Vor allem, Camping mit dem Fahrrad ist die Ladung ganz klar eingeschränkt. Die Sachen, die nie benutzt wird, ist nur ein totes Gewicht. Und das mitzuschleppen verbraucht man die Energie. Also, je leichter das Gepäck desto besser, solange man nicht vermisst.

Foto: Hiroshi Tamura, Hibiki Publishing

Und wie man alles packt, um die Fahrt angenehm wie möglich zu machen, gibt es auch Know-Hows. Genauso, mit welchem Fahrrad welche Route fahren will, muß überlegt sein.

Foto: Hiroshi Tamura, Hibiki Publishing
Foto: Hiroshi Tamura, Hibiki Publishing

Lustig, daß die beiden, Sebastian und Tamura-san, auch leidenschaftliche Angler sind. Camping und Angeln,, gehören die beiden irgendwie zusammen?

Foto: Hiroshi Tamura, Hibiki Publishing

Tamura-san hat neulich ein Buch über Fahrrad-Camping herausgegeben. Dieser Link ist Amayon-Seite, für seine Werbung,,

Cyclo Camping ist sicher ein ganz interessantes Ding, probierenswert. Ob man das ncohmals machen wird, entscheidet jeder für sich. Das könnte süchtig machen,,

Foto: Hiroshi Tamura, Hibiki Publishing

Fotoausstellung, 09. März bis 14. April

Nachdem Karl-Drais-Museum geschlossen ist, überlege ich, die Wandfläche ab und an für Ausstellungen zur Verfügung zu stellen. Die erste ist eine Fotoausstellung von Jesef Steiner-Faath, ein in Karlsruhe bekannter Musiker. Die Fotos haben keinen Bezug zum Fahrrad. Das muß auch gar nicht sein. Ich hoffe, daß wir eine lose Serie von Ausstellungen, egal Fotos, Malerei, Objekte, oder vielleicht auch Fahrräder, hinbekommen. Jeder Besuch ist willkommen, in den Werkstattöffnungszeiten.

Die Ausstellungsdauer wird verlängert bis 14. April!

Jahresende

Zum Jahrensende bleibt die Werkstatt 24. 12. bis 06. 01. geschlossen. Ab 07. 01. wird sie wie gewöhnt geöffnet. Euch allen wünsche ich eine gute und geruhsame Zeit. Bleibe gesund(das kann man mehr oder weniger selber steuern), fahre Rad(nun, das ist ja vom Wetter abhängig,,).

Karl Drais Museum zieht zum Jahresende von der Radlerhalle auf Internet um. Weitere Info bitte auf Martins Seite schauen. In Wintermonaten werden wir die Halle ein wenig umbauen, ohne den alltäglichen Betrieb zu stören.

Sommerpause 2021

Ich mache eine Sommerpause. KW 34/35, also 22.08. bis 06. 09., bleibt die Werkstatt geschlossen. Euch alle eine schöne Zeit. Bleibe gesund und fahre Rad.

Via Email bleibe ich erreichbar,, die Antwort könnte aber etwas dauern. Ab Dienstag 07. 09. ist die Werkstatt wieder offen.

Dieses Jahr habe ich Trichterwinden gepflanzt und sie an Kiwi klettern lassen. Leider merkt das aber kaum jemand,,