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Typisch ’73, typisch Italo? „Malizia“

Diese kurze Fahrradszene, auf der eine junge Frau einen Jungen belustigt, der ihr beim Besteigen auf Rad behilflich sein soll, weil sie angeblich nicht fahren kann. Unfair, so kann kein Mann ruhig bleiben bei solcher Situation. Meine Augen sind aber auf die schöne Bremshebel, Lenkergriffe und farbige Zughülle fixiert? Keinesfalls.

Der Film lief 1973 auf der Berlinale, ist typisch aus dieser zeit, verdeutlicht die Verklemmung der Gesellschaft(hauptsächlich bei Männer?) mit sexuellen Fantasien im Alltag und zugleich die Versuche, darüber offen zu werden, vor allem offen zu zeigen.

Daß ein Fahrrad der Erotik dienlich sein kann, finde ich auf alle Fälle nicht schlecht. Das Leben soll doch etwas knistern, oder?

Orakel von Jan Heine, Prognose für 2020er

Manchmal lese ich Blogeinträge von Jan Heine. Ich bin nicht immer gleicher Meinung(z.B. über „low trail“), aber er macht oft interessante Gedanken. Zum Jahresbeginn schreibt er Prognose für die kommende 10 Jahre. Schauen wir mal an:

Wide Tires are here to stay:
Breite Reifen hat dicher Vorteile. Wie Heine sagt, daß breite Reifen mehr Grip und Feedback von der Fahrbahn gibt. Wer aber Rennen fährt, wird nicht so einfach auf deutlich breitere Reifen wechseln. Denn Luftvolumen macht das Fahreigenschaft etwas indirekter, und die Kontrolle des Luftdrucks wird diffiziler. Seritenkraft beim Einlenken könnte je nach Luftdruck unberechnbarer werden. Man könnte auch Gefühl bekommen, daß der Reifen klebt. Breiter bedeutet nicht automatisch besser. Auswahl von passenden Reifen wird auch nicht leichter, weil die Reifen recht unterschiedliche Eigenschaften haben je nach Konstruktion und Gummimischung. Das die Auswahl größer wird, finde ich gut, aber das macht es nicht einfacher, richtige Reifen zu finden.

Gravel Bikes will be replaced by,,,
Gravel Bike, das ist eine grob abgesteckte Definition. Das ist irgendwo zwischen Rennrad und MTB. Hier müßte man aber auch den Begriff Rennrad einmal überdenken, denn viele fahren Rennrad, aber nicht das Rennen. Es wird der englischer Begriff „Road Bike“ besser passen für meisten Menschen. Was früher „Road Race Bike“ war(genauso wie Course Route oder corsa), könnte man heute auf „Road Bike“ oder „Road Race Bike“ teilen. Gegenüber Road Race Bike steht Track Race Bike. Gegenüber Road Bike steht Mountainbike(oder Trail Bike, vielleicht).
„All Road Bike“ oder „Advente Bike“, wie Heine vorschlägt, kommt der Unterschied vom Nutzen, und auf welchem, Weg man mehrheitlich fährt, Asphalt oder unbefestigte Wege. Für die Industrie ist es wichtig, leicht zu verstehende Schlagwörter zu haben als Definition, damit sie ihre Produkte in großen Stückzahlen bauen und verkaufen kann. Für mich ist es gar nicht so wichtig, weil ich individuell für Bedürfnis einzelnem Radfahrer eingehe und passendes Rad baue. Also, solche Bezeichnungen sind eine grobe Orientierung, mehr nicht.

All-Road Bikes will move to 650B wheels
Ich werde, nachdem bereits viele Reifen in verschiedenen Größe auf dem markt sind, Radgröße hauptsächlich nach Körpermaße auswählen. Es ist doch unsinnig, wenn einer mit 1,60 Körpergröße ein 29er fährt. Natürlich spielt die Schwerpunktlage je nach der Radgröße auch eine Rolle. Also, die Radgröße ist eine individuelle Entscheidung, nicht Typen-spezifisch.

Road Bikes will have 38mm tires
Oh, das wird noch schwieriger,, Es ist nicht nur die Breite, welche die Eigenschaft von Reifen ausmacht. 38mm sei flink und stabil genug, das müsste man einzel nachprüfen. Daß der Komfort mit Luftvolumen steigt, ist eine Sache. Andere Sache ist, breitere Reifen sind schwerer. Schauen wir mal: Conti GP5000 wiegt(Herstellerangabe) bei 23mm 205g, 25mm 220g, 28mm 250g und 32mm 295g. Heines Barlow Pass(38mm) wiegt 410g. Hier müsste jeder zwischen Fahreigenschaft, Komfort und Gewicht eine passende Ausgleich finden.

E-Bikes will become commonplace
Das ist anders in den USA. Hier ist E-Bikes bereits Alltag. Oma mit E-Bike überholt mich ganz locker. Da kann ich mich nicht ärgern deswegen. Aber E-Power ist Akku-Power. Ich bin recht suspekt auf Umweltbilanz von E-Bikes und möchte auch kein 25kg oder mehr mitschleppen(z.B. auf Bahnsteig hoch und dann unter). Für bestimmte Situationen sind E-Bikes sinnvoll. Aber das ist nicht mein Beschäftigungsbereich. Das ist für mich kein Fahrrad, sondern eine eigene Kategorie.

STI/Ergo/Double Tap will become obsolete
Naja, tendenziell neigt der Mensch immer fauler und bequemer zu werden. Ich könnte mich(mein Gedanke) mit dem Fahrrad verbinden, damit das Rad sich schaltet, wenn ich will und denke, ohne Finger zu bewegen. So bin ich Eins mit meinem Rad 😉 Zugegeben, es gibt schon Vorteil vom ganz leichten Tipschalter, z.B: wenn man sich bis zur körperlichen Grenze verausgabt hat und die Finger zittern, oder wenn einer mit den Fingerbewegung Probleme hat. Oder wenn das Rad 15-fache Cassette hat, lässt sich wahrscheinlich nur elektrisch schalten, ohne Zug dann, ganz präzis mit Stellmotor.
Für Freund des Unterrohrschalthebels und manuelles Schaltens hoffe ich, daß solche Schalthebel nicht aussterben. Aber bei 10-fache und mehr Schaltung ist die gesamte Bewegungswinkel des Unterrohrschalthebel recht groß, so daß es unpraktisch wird.

Fenders will make a breakthrough
Wenn man daran glaubt, daß der Begriff „Road Bike“ revidiert wird, dann hat Schutzblech eine gute Chance, sich in sportliche Fahrräder auszubreiten. Früher war es Gang und Gebe. man müßte frei vom Vorurteil werden, dass Sportfahrrad mit Schutzblech nicht peinlich ist, sondern sinnvoll. Für Strassenrennen ist Schutzblech aber überflüssig.

Silver Components will become popular again
Ha, das hoffe ich aber schwer. Silbern glänzende Komponente könntet aber etwas teurer werden als schwarze, weil die Oberflächenbehandlung mehr kosten wird. Trotzdem sind silberne Teile in den letzten Jahren mehr geworden, vorwiegend von kleineren und enthusiastischen Herstellern, nicht Shimano o.ä.

Bikes will become more individualized
Bravo Monsieur Heine! Je suis totalment d’accord avec votre Avis. Jeder sollte für eigenen Zweck, Geschmack und Empfinden passendes Fahrrad bekommen und fahren. Großhersteller sind dabei, immer mehr Nischen zu füllen. Aber Ziel ist es, für jeden passendes Fahrrad zu bauen. Dafür arbeite ich schließlich.

Schauen wir mal, was die neue Dekade uns bringen wird und was wir tun werden.

Meral modern, 650B Raizin Works

Sogenannte Rahmenform Meral mag ich sehr. ursprünglich für Damenrennrad gedacht, passt universell für verschiedene Zwecke, Rennrad, Cityrad, MTB, 700c, 650B, 26″, sehr sportlich bis gemütlich komfortabel, kann man mit dieser Rahmenform konstruieren.

Dazu noch mit Standardrohrsatz gemufft, oder Oversized mit Fillet-Brazing, kann diese Rahmenform klassisch bis modern gestaltet werden. Nicht nur für Damen ist es gut, diese praktische Standover Hight mit dem Overrohr, der erst unterfällt wie Mixte, dann aber waagerecht zum Sitzrohr stoßt. Steif und ein ausgesprochener Unisex-Rahmen ist es.

Diesmal ist ein Tourenrad, das auch alltäglich benutzt werden soll. Für die Touren sollen Gepäckträger vorn + hiten montiert bekommen, dafür der Rahmen vorbereitet ist, für den Alltag wie abgebildet mit einem Porteurträger ausgestattet.

Grundgeometrie ist mittelsportlich. Radsatz ist 650B mit 38 bis 42mm breiten Reifen. Für die Standsicherheit ist oberrohr etwas tiefer gesetzt als normal. Normalerweise zielt der Oberrohr etwa das hintere Ausfallende. Bei diesem Rahmen geht er tiefer, um die gewünschte Standover Hight zu realisieren. Rohrsatz ist Kaisei 019/8630, komplett oversized und fillet brazed, Steuersatz 1 1/8 ahead. Nur Gabelkrone, mit 54mm Maulweite für Gilles Berthoud 50mm Schutzblech, hat klassische Form als Akzent.

Antrieb/Transmission ist eine interessante Mischung. Da sie auch Bergtouren macht, hat die Übersetzung eine große Breite. Vorn Sun XCD Kurbel mit TA 5vis Touriste 44/28 Zähne, Hinten Shimano 9-fache cassette mit 11/34 Zähne. Schaltwerk ist Deore XT, Umwerfer Campa Chorus für 3-fach. Hier ist zu achten; Umwerfer hat oft problem, wenn kleine Kettenblatt eingebaut wird, wie hier 44 Zähne. Um den Abstand zu den Zähnen korrekt zu halten, kommt der Umwerfer auch nach unten so daß Ende des Flügels(unten links) mit der Kettenstrebe korridieren können. Umwerfer mit einem kleinen Flügel gibt es selten. Schalthebel ist Shimano Dura Ace 7700 für 9-fach, kombiniert mit Paul-Lenkeradapter.


Bremsen sind Tektro 559 mit langem Schenkelmaß. Sie passt gerade gut für die Bereifung/Schutzblech. Bremshebel ist auch von Tektro, ein simpler Hebel, der eigentlich Reprika von Vorkriegszeit-Bremshebel ist. Bremszughülle sind in grasgrün, Schaltzughülle sind in gelb so daß sie der Farbgebung des Rahmens abgestimmt sind.

Porteur-Lenker ist angenehm-sportlich erlaubt unterschiedliche Griffpositionen. Dafür wurde Lenkerband(Brooks) komplett bis zur Mitte gewickelt. Um die spätere Justierung der Lenkerhöhe zu ermöglichen, ist der Steuersatz mit 30mm Spacer versehen.

Zugführung ist konventionell, nur der Bremszug wurde innenverlegt. Wie so oft bei mir, ohne Abdeck. Dieser Abdeck verursacht oft Rost am Zugeinlaß/-Auslaß weil dort Feuchtigkeit sammelt.

Naben sind von HOPE. Sperrklinken des Freilaufs finde ich etwas laut. das ist auch bei Chris King der Fall. Bei Shimano ist zu leise, fast geräuschlos. Irgendwo dazwischen, mit schönen Klang soll es eigentlich sein.

Streben vom Schutzblech sind vorn Gielles Berthoud, hinten Honjo. Hinten sollen die Darumas das Blech schützen, vorn die abgeflachte Befestigungsart die Kollision mit Fußspitzen verhindern, da der Abstand zwischen Vorderradachse und Tretlagermitte gerade 595mm ist(Tretlagermitte bis Hinterradachse ist 435mm).

Der Porteurträger ist von Pelago. Er ist gut und flexibel konstruiert. Trotzdem hätte ich die Ladefläche ca. 10mm tiefer setzen wollen. Das ging leider nicht. Für 26″ Bereifung wäre der Abstand noch größer. Ich möchte die Ladefläche tief wie möglich haben, für bessere Schwerpunktlage.

Der Sattel ist Gyes G3, City- und Tourensattel. Nach kurzer Probefahrt würde ich sagen, er ist schon komfortabel. Und markant ist dessen Design. Ach ja, die Schlitze für die Sattelklemmung ist vorne. Und Klingel von Knog ist total unauffällig.

Jetzt die Farbe; Gelb ist nicht einfach gelb. Diesmal ist Pantone 3945 mit viel Perlmuttanteil. Diese Gelb hat ganz leichte Grünstich, wirkt frisch wie Zitrone, die noch niciht ganz reif ist. Durch Perlmutt wirkt die Oberfläche auch recht unterschiedlich, je nach Einfall vom Licht. Dazu, zu allen Ausfallenden hin wird es grünlicher. Das kann man bei bestimmten Lichtverhältnisse kaum bemerken, aber bei anderen Lichsituation deutlich.

In der Sonne wirkt sie sehr hell reflektierend gelblich, im Schatten sieht es matter und grünlicher aus. Es wird nicht langweilig, diese Farbenspiele zu beobachten. Es ist nicht einfach, diese Farbnuancen in Fotos wiederzugeben.


Dieses Rad heißt „bonheur“, also Happiness. Ich hoffe, dass es in der Tat der Bringer des Glücksgefühls werden wird. Gute Fahrt!

Diese Welt und Die Zeit

Zeitung Die Zeit hat neulich einen Artikel gebracht, daß fahrräder in kambodscha unter miesen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Das erinnert mich an Skandale der Textilherstellung in Indien, Sri Lanka und Co. Es ist sicher nicht nur Textilien und Fahrräder, die in bestimmten Ländern(Niedriglohnländer sagen wir so) unter der Arbeitsbedingung hergestellt werden, die wir zivilisierte Industrieländer vor 100 Jahre noch selber hatten, und unter solche Bedingungen wir nicht mehr zum Arbeiten bereit sind.

Wer denkt, daß diese Welt einfach so gebaut ist, daß alles von oben nach unten fließt, und das richtig findet, kann so weitermachen. Aber die Informationen fließen nicht mehr von oben nach unten, bzw. oben kann nicht mehr die Informationen enthalten/manupulieren. Informationen sickern, und breitet sich rasant netzförmig aus. Liniale Gesellschaftsform wackelt, ist schon am Kippen. Trotzdem sind wir bequem, vieles wie besher weiter laufen lassen zu neigen. Wir springen ungern ins kalte Wasser. Wir wissen aber nicht, ob das Wasser wirklich so kalt sein wird wie man vermutet/gesagt bekommt.

Zurück zum Fahrrad,, und ich schweife sofort wieder woandershin aus. Mich wundert es z.B., daß es immer noch Formel 1 oder andere Autorennen gibt. Ich meine, man muß so etwas nicht verbieten. Das wird einfach eingehen, wenn Autohersteller sagen würde, „nee das machen wir nicht mehr mit, es gibt was anders interessanteres,,“ Das passiert aber nicht, genauso wenig, daß sie sagen würde, „nee Diesel bauen wir nicht mehr“. Irgendetwas ist doch faul, oder? In Japan gibt es kaum Diesel-PkW. Schon vor 30 Jahren hat man dort gesagt, daß es schnell unmöglich wird, Dieselmotor zu bauen, wenn die Umweltrestriktion stetig strenger wird. Da sind sie erst auf Hybrid umgeschwengt, und längerfristig auf Wasserstoff. E-Antrieb ist umwelttechnisch keine wirkliche Lösung. Das hierzulande Diesel so beliebt wurde, ist sicher staatspolitische Kalkül für Volksberuhigung, und ein kompletter Irrweg.

Nun wirklich zum Fahrrad,, oder auch nicht,, mein damliger Design-Meister Philippe Starck pflegte zu sagen, Dinge, die wir gestalten/entwerfen, sollen dazu fähig sein, mit ihnen die Menschen eine innige und enge Beziehung entwickeln können. Also, Dinge sollen Freunde, Liebhaber werden. Natürlich, da die Menschen recht unterschiedlich sind, gibt es keine Einheitsantwort darauf. Aber Dinge sollen möglichst mit einer positiven Energie beladen sein, denn Menschen verbinden sich auch gerne mit dunkler Energie, -siehe Star Wars 😉

Freund behandelt man nicht brutal, schmeiß man nicht einfach weg, und um Freundschaft zu schliessen braucht man Empathie, Sympathie oder Liebe. Man muß sich selbst fragen, “ mag ich dies und jenes? wenn ja warum, was zieht mich an, und was nicht,,“. Es gibt sicher die Liebe auf erstem Blick, genauso wie eine Freundschaft, die sich langsam entwickelt. Freilich gibt es auch One-Night-Stand wie falsche Liebe. Und nun, fragen Sie sich mal, wie Sie zu Ihrem Fahrrad stehen. Schauen Sie Ihr Fahrrad an ins Auge, das Sie täglich zum Bahnhof und nach Hause bringt, das Ihnen schöne Touren begleitet und wunderbare Erinnerungen beschert. Oder bringt es Ihnen nur Ärger, weil es immer wieder kaputt und defekt wird? Wissen Sie wo und wie er geboren wurde? Wissen Sie dessen Vergangenheit bis es zu Ihnen kam? Wissen Sie wie er gerne behandelt werden möchte?

Ich suche individuelle Einzellösungen, das ist unabhängig vom Preis. Es kann ein altes Rad sein, es kann ein Wunschaufbau sein, kann ein komplette Maßanfertigung sein. Mensch und Fahrrad müssen gut zusammen passen wie Fisch und Fahrrad(also Frau und Mann). Dafür bin ich gern ein Vermittler.

Winterpause

Wir von der Radlerhalle machen Winterpause. Die Halle bleibt 22. 12. bis 16. 01. geschlossen. Radler Martin macht seine Werkstatt ab 10. 01. auf.

Ich bin ab und an in der Werkstatt, da ich noch Auftragsräder fertigstellen muß. Aber ich lasse die Tüer zu. Beim äußersten Not bitte via Mail nachfragen, ob ich was tun kann.

TA 5-vis Cyclotouriste

Es gibt sie noch, TA 5-vis Cyclotouriste Kettenblätter und Kurbel. Für mich ist das ein vollendetes System. Kettenblatt gibt es zwischen 26 bis 68Z. Daher ist es auch für Bahnrad oder Minivelos verwendbar. 1-, 2- oder 3-fache Belegung ist möglich. Man kann beliebig nach Bedarf konfigurieren solange die Kapazität des Schaltwerks/Umwerfers das zuläßt. Z.B. Alex Singer bevorzugte die Blätter gleichmäßig zu verteilen wie 52/42/32, Rene Herse nach Zweck z.B. 52, 46, 32(Sprintgang, Normalgang, Berggang). Das ist bei heutigen Kurbeln schwer realisierbar. Außerdem, der Kurbel hat einen sehr kleinen Q-Factor, hat auch verschiedene Länge zwische 160(es gab früher auch 155) und 180mm. Einzige Einschränkung ist, daß die Zähne bis 9-fach Kette vertragen(eigentlich bis 8-fach. Es geht auch mit 9-fach, aber nicht mehr ganz optimal). Aber das ist kein Problem, denke ich, bei der Möglichkeit, die diesers System bietet. Es gibt passende dazu auch 4-Kant-Innenlager von TA, in hoher Qualität. Sie ist aber recht teuer, so daß sie nicht oft verwendet wird.

Diesmal habe ich Sun XCD Kurbel(167,5mm) genommen wegen Kosten. Er ist aber genauso gut wie TA-Kurbel. Sun XCD hat evtl. größere Festigkeit. Mit 44/26 Zähne, zusammen mit 9-facher Cassette, wird sie überall gut radeln können.

PEUGEOT Berceau Damenrad

Früher habe ich viele ältere Räder wieder fit und hübsch gemacht. Das ist etwas weniger geworden. Ich muß auch zugeben, daß ich nicht immer Lust dazu empfinde, um alte Teile, wie Weinmann-Bremsen, Normandy-Naben, Philippe-Lenker o.ä. zu zerlegen und polieren, rostige verchromte Gepäckträger in Oxalsäurebad zu entrosten, Eloxalschicht in Rohrreinigerbad zu entfernen, und wieder polieren, den Lack an Roststellen zu entfernen, mit Phosphorsäure zu behandeln, evtl. mit Lackstift auszubessern, genudelte Schrauben auszutauschen usw. Natürlich gehört es auch dazu, die Lager zu prüfen, sauber machen, evtl. Kugel erneuern, einfetten und wieder einstellen. Wenn man stillecht sein will, müßte man auch Teile vorrätig haben, die im Laufe der Jahrzehnte ausgetauscht wurden, wieder in Originalzustand zurückzuversetzen. Man muß dazu vieles wissen, wie bestimmte Räder damals ausgestattet waren. Das ist mit viel Arbeit verbunden, d.h. es kann nicht preisgünstig abgegeben werden. meisten Menschen haben wenig Verständnis für solche Arbeiten, auch nicht für solche restaurierte Räder, vor allem wenn es um alltägliche Räder geht. „Es ist ja teurer als Neurad!“, würde man sagen,, obwohl das alte nur 5 Gänge, oder nur mäßig wirkende Bremsen hat. Im Supermarkt/Netz gibt es für weniger Geld Fahrrad mit 21-Gänge, 27-Gänge, toll aussehende Scheibenbremsen, Nabendynamo mit LED-Leuchten, Federgabel, Federsattelstüze usw. Und in Privatkleinanzeigen gebe es Fahrräder schon ab 30 Euro. Dann kaufen Sie doch die Räder dort, werde ich sagen. Schlecht sind sie vielleicht auch nicht. Natürlich darf jeder selbst Entscheidung treffen.

Problem liegt woanders. Die Wertminderung vom Fahrrad ist selbstverschuldet durch Fahrradindustrie. 1950 hat ein gutes Fahrrad, mit dem man alltäglich und auch auf Tour fahren konnte, etwa Durchschnittsmonatslohn gekostet. Und es gab kein Billig-Fahrrad. Und ein Fahrrad hatte bleibendes Wert.

Anderseits gibt es extrem teure Fahrräder, oft für sportliche Einsätze und für extreme Touren, für jenseits von 10.000,- Euro. Und dazwischen ein Dschungel vom vielfältigen Angebot. man bekommt den Eindruck, man müßte genau richtiges für jeden zu finden sein.. denn die Industrie bemüht sich so sehr, jedes persönliche Beürfnis zu decken. Ist es wirklich so? Findet man wirklich das richtige? Ohne technische Orientierung und Ungewissheit eigener Bedürfnisse geht man ganz leicht verloren.

Heute gibt es Neurad ab 150,- Euro, überall in Bau- u. Supermarkt. Demnach müssen die gebrauchte Räder noch billiger sein. So wird ältere Fahrräder wertlos gemacht. Dazu kommt die Technik-Inflation. 9-Gang-Schaltung? Zu wenig! Heute haben Stadträder schon oft 10-Gänge, beim Rennrad 11, und sogar 12. Ist mehr besser? Braucht man das? Das fragt man oft nicht. Denn, dann müßte man Gedanken machen, was man wirklich braucht. Das ist anstrengend, und zeitraubend. Gib mir meine meinung und dann tue ich es. Schnell denkt man auch, daß es besser ist, wenn man viel und alles hat. Das führt zum Fahrrad-SUV. Oder denkt man modisch, Singlespeed, Retro, bestimmte Markenname wie Peugeot als Wert-vermittelnde Merkmale. Singlespeed macht Sinn, wenn man gemütlich im Flachland radelt, aber nicht überall und nicht für jeden. Retro-Rad wie in 50er Jahre,, sie sehen so aus, aber die alten Räder aus den 50er waren deutlich besser gebaut als heutige Retro-Räder. Und Peugeot, Motobecane, Batavus, Rixe usw. das sind nur noch Namen, die gehandelt werden. Wer heute Inhaber von solchen Markennamen sind und wo die Räder mit den Markenzeichen hergestellt werden, weiss keiner wirklich, und interessiert sich auch kaum jemand.

So macht es Sinn für mich, gute alte Räder, wenn die Grundkondition in Ordnung ist, aufzuarbeiten oder zu restaurieren, auch wenn das vielen Menschen als zu teuer vorkommt. Ich mache das weiter, wenn das gewünscht wird, und wenn ich Zeit dazu finde. Ich würde mich gerne der Technik-Inflation und der Wert-Deflation entgegensetzen.

Pantone 3945 m. Perlmutt

Gelb ist offensichtlich eine meiner Lieblingsfarben. Vielleicht nicht nur am Fahrrad,, mein erstes und sogar auch zweites Auto(oh Auto! das ist lange her) habe ich gelb umlackieren lassen. Das hatte ich schon vergessen gehabt. Ich mag eigentlich alle Farbtöne und viele Farbkombinationen, aber greife anscheinend immer wieder auf bestimmte Fraben zurück.

Eine Kunde wünschte sich den Rahmen in gelb. Ich habe Pantone 3945 ausgesucht. Das ist ein klares Gelbton mit ganz leichtem Grünstich. Zum Ausfallenden habe ich mehr grünton mischen lassen, als wäre es eine noch nicht ganz reife Zitrone, frisch lebendig und nicht zu grell, nicht zu einfach durch Zugabe von Perlmutt-Schicht, und die Beschriftung in Metallic-Grüngrau. Das Foto ist leider nicht ganz farbecht wegen gemischten Lampen des Raumes.

Ich muß gestehen, ich mag es, die Farbfächer anzuschauen. Das faszinieren mich, so viel Farben. RAL-Fächer sind noch harmlos. Pantone hat hunderte, Autolackfarben im Laufe der Jahrzehnten eine ganze Menge, und von Farbhersteller wie Akzo unzählig viel Farben. Man wird schon fast schwindelig, wenn man daraus eine Farbe aussuchen muß. Die Natur hat aber noch viel mehr Farben im Angebot, was wir eigentlich tagtäglich anschauen.

Dazu gibt es noch unterschiedliche Flocken, die dem Lack beigemischt oder drüber gesprüht werden können, wie Metallic oder Perlmutt. Es gibt auch Effektlacke mit changierenden Farben je nach Blickwinkel und Umgebung. Zudem ist es möglich, mehrfarbige lackierung auszudenken. So wird es immer komplizierter und schwieriger, um die Entscheidung zu treffen. Viele greifen auf Grau oder Schwarz zurück, um eine Fehlentscheidung zu vermeiden. Das macht die Menschen aber nicht wirlich glücklich,,

Manche werden sagen, die Farben haben mit Funktion des Fahrrades nichts zu tun. Sicher mit mechanischer Funktion nicht. Aber kein Ding wird nur durch dessen Arbeitsweise ausgesucht/bewertet. Viele suchen ein Fahrrad nach Farben aus, das weiss ich. D.h. Farbe ist ein wichtiges Entscheidungsmerkmal, und sie hat offenbar doch eine wichtige und nicht ignorierbare Funktion(oder Wirkung) auf Menschen. Nur Farbe, aber Farbe,,

Wiedergeburt

Das kommt manchmal vor. Eines Tages, als ich zur Werkstatt kam, stand ein Fahrradrahmen vor der Tür. Manchmal bringen die Leute ihre alte Räder oder Fahrradteile mit der Hoffnung, daß ich sie sinnvoll wiederverwenden kann. Hier bedanke ich mich für das Vertrauen. Ich versuche für sie ein neues Leben zu geben. manchmal ist es zu spät oder zu mühevoll, dann landen sie leider auf Schrottplatz. So sollen sie recyclet werden, als Stahl, als Alu. Aber besser ist es, wenn man sie so wiederbeleben kann. Hier haben die gepflegte Räder bessere Chance. Bahnhofsräder, die lange nicht bewegt werden, die landen dann auch zur Versteigerung, oder zur ABM_Werkstatt, wo sie weiteres Leben finden. Auch die Räder, die als Sperrmüll an die Strasse gestellt werden, finden meist einen weiteren Nutzer/Wiederverwerter/Wiederverkäufer. Das ist vielleicht besser als Dornröschenschlaf im Keller/in der Scheune oder sogar draußen ohne Dach. Denn, so ohne Pflege abgestellt wird das Fahrrad nicht besser. Es wird irgendwann ein Biotop, mit Motten, Spinnen, Pflanzen ranken. Irgendwann wird die Rettung unmöglich. Ich gebe Mühe, nicht nur weil ich alte Räder mag, sondern auch sie langlebig sein können(vorausgesetzt, sie sind gut konstruiert, gut gebaut und gut gepflegt).

Dieser Rahmen, von Fa. Brügelmann, d.h. wahrscheinlich made in Italy, war in einem recht gutem Zustand, fast makellos. Ich habe mich schnell entschlossen, mit den vorhandenen Teilen ein neues Fahrrad aufzubauen. Ich denke, nur Schutzblech, Lenkerband und Rücklicht sind Neuteile. Alles andere sind gute gebrauchte Teile aus meinen Kisten.

Etwas knackig ist der Farbkontrast zwischen Schwarz und Gelb. der Rahmen ist aber Schwarz mit goldenen Metallicflocken. Das ist so typisch 90er Jahre, glaube ich.

Mit 3×6-fache, und zuverläßige, Schaltung ist das Rad auch tourentauglich, wenn Gepäckträger angebaut wird. 38mm breite Fairweather-Reifen(made by Panaracer) verspricht einen komfortablen Fahrgenuß. Alles die Technik von vor 20 Jahren? Und sie sind gut, leicht und robust für viele Zwecke. Keine Federgabel, keine 9, 10 oder 11-fache Cassette, kein Ahead-Steuersatz, keine Scheibenbremsen,, Ich frage mich manchmal, wohin geht die Entwicklung von Fahrrad. Hoffe, nicht genauso wie bei Autos, vorbei an Bedürfnis von normalen Menschen. Das wäre eine Sackgasse. Es sei denn, Menschen wollen das, was Industrie verspricht, was bequem ist und was der Industrie Gewinn bringt.