Archiv für den Monat: Oktober 2018

Claud Butler „New Allrounder“ 1954

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Allrounder ist schon ein verdächtiger Begriff. Ist das eine Art VW Golf, mit dem man so ziemlich alles erledigen könnte? Geometrie ist sicher für damaliges Verständnis ein universeller Standard (wahrscheinlich 72°/72°). Es ist eher britisch als kontinental. Muffen sind doch aufwendig ausgeführte Bilaminates. Claud Butler ging 1956 Pleite. Einige Jahre im voraus gingen manche Spitzenrahmenbauer bereits weg, da der Untergang des Imperiums bereits sichtbar war.
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Dieser Rahmen war teilweise rostig wie so oft bei britischen Rahmen, denn es ist feuchter dort. Rost wurde sorgfältig entfernt, Innenraum mit Wachs versiegelt, die Oberfläche Phosphorbehandelt, bevor er grundiert/lackiert wurde.
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Lackierung ist Cremeweiss mit Perlmutt, Rot- und Bronzetöne mit Metallic. Also keine damalige Farbgebung. Trotzdem soll sie traditionell britische Farbgeschmack widerspiegeln.
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Dazu kommen NewBaum Lenkerband in Violette, Bremszughülle in Rotbraun. Insgesamt etwas bunt und leicht kitchig? Ich würde meinen, es sieht britisch aus.
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Briten lassen oft ihren Rahmen umbauen, um ihn mit zeitgemäßen Teilen bestücken zu können. So v erändert sich ein Rahmen durch die Jahrzehnte. Bei diesem Rahmen sind die Anschläge f. hintere Bremszug original, aber ich wollte Bremszughülle durchgehend haben so daß ich sie mit Schellen befestigt habe. Aber die hintere Ausfallenden mit Schaltwerkauge könnten spätere Umbauten sein.
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Auch ich bestücke diesen Rahmen relativ freizügig, ignoriere historische Reinheit. Eine Kombination von Huret Alvit Schaltwerk und Simplex Hebel ist schon ein wenig hart. Dazu ein Sugino Kurbel, SOMA-Pedale, Grandbois Steuersatz, Silk Vorbau, Philippe Lenker, Kerzenstütze von heute, Brooks B17 von heute, Normandie Naben und Super Champion Felgen, Conti GP Classic Reifen, also eine recht bunte Mischung, die einen stimmigen? Eindruck verleihen soll.
Mir ist aber ein ganz klarer „Fehler“ unterlaufen,,, Kenner werden es finden.
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Natürlich ist das Rad nicht fürs Rennen, auch nicht für den Alltag. Eher für Spazierfahrten, wie zur Eisdiele oder Café hin und zurück, oder an die Wand im Wohn-/Arbeitszimmer.

Schreie in der Nacht

Neulich habe ich einen Motorradunfall begegnet. Was passierte, weiss ich nicht genau. Einen dumpfen Geräusch vom Zusammenstoß. Dann laute Schreie von einem, der auf der Fahrbahn lag und sich krummte. Sehr sehr laut. so daß ich auch gedacht habe, „wenn man so laut schreien kann, ist es nicht so schlimm,,“. Ob das so stimmt,, weiss ich nicht. Auf alle Fälle war der Rettungswagen ganz schnell zur Ort. Bin dann weitergeradelt.

Warum ich das schreibe,, es wird schneller dunkel, es wird irgendwann frostig. Radeln im Winter ist gefährlicher hierzulande und verlangt eine erhöhte Aufmerksamkeit. Ich sehe anderseits viele Menschen, die mit Kopfhörern oder Smartphone radeln. Unfallgefahr ist überall. Kleinste Unachtsamkeit könnte einen in Lebensgefahr bringen. Viele radeln auch recht schnell. Auch E-Bikes macht das schnelles Radeln für jeden möglich. Was wir brauchen ist nicht Fahrradautobahn, sondern sichere Wege für Fahrrad und andere Verkehrsteilnehmer. Ich hoffe, jedem ist es bewußt, daß die Gefahr nicht weit weg ist. Mich erinnerten diese Shreie daran.

Gefühlte 100km, faktisch 90km,,

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Wir, Dan, Michael und ich, sind Arbeitskollegen und Freunde. Wir verbringen viele Zeit in der Werkstatt zusammen. Seltsamerweise kamen wir nie zu einer Tour zusammen. Aber jetzt, fuhren wir von der Werkstatt aus Richtung Bernau, Biesenthal und zurück, endlich!
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Wir nahmen nicht den Pankeradweg, denn er ist am Sonntag recht voll mit Spaziergängern und Radlern. Stattdessen meist auf Strassen via Karow, Buch und Bernau.
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Die Luft ist frisch,, die Sonne stark. Bestes Wetter zum Radeln. Dan ist mit dem Rad, was er selbst entworfen hat. Michael mit seinem Singer mit Vollverchromung, die in der Sonne so glitzert. Ich bin auch mit meinem Singer unterwegs.
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Komischerweise quietscht meine Bremse(Mafac Racer mit Originalgummi) heute nicht, wie angenehm. Ich habe an meinem Singer schon Jahre keine Schraube mehr gedreht. Nur habe ich neulich Reifen gewechselt, vom Grandbois auf Conti GP-4 Seasons, damit ich etwas beherzter auf Feldwege fahren kann(mindestens psychologisch). Nach dem Umzug werde ich das Rad walten.
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Wir sind mit einem guten Tempo unterwegs. Am Sonntag ist der Autoverkehr ruhig. Nach Karow beginnt das Land. Je weiter wir uns von Berlin entfernen, wird es schöner. Manche kleinere Strassen sind nur für uns.
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Von Bernau an machen wir etwas Umwege und kommen zu Dans Datchja, wo wir eine Pause einlegen. Wir machen Feuer im Garten. Der Boden im Wald ist feucht und Pilze gedeihen, trotz langem trocknem Sommer. Seine Familie kommen nach. Es wird Kuchen gebacken und Kaffee gekocht(Danke Claudia!). Über uns flogen Kraniche in Formation. Stimmt, ich habe heuer noch keine Kranich-Tour gemacht.OLYMPUS DIGITAL CAMERA
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Wir brechen auf, radelln errst die Radweg nach Biesenthal, Dan führt. Hier ist sein Revier. Wunderbare Strassen mit Alleebäumen, kleine Dörfer wie Melchow, Grünthal, Tempelfelde,, Oja Grünthal; hier war ich ein Jahr nach der Wende, um für eine LPG neue Markenzeichen zu entwerfen. Diesen Betrieb wird es nicht mehr geben. Damals haben sie mir auch Zentral-Schlachthof in Berlin, wo heute Stadler, Supermärkte wie Wohnungen stehen, gezeigt. Es war kurz vor dessen Schließung, aber noch im Betrieb.
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Michaels Singer ist vollverchromt, und es blendet. Dans Tourer ist dunkel matt lackiert und mit schwarzen Teilen bestückt. Kontrastreicher geht es kaum. Beide sind charaktervole Fahrräder.OLYMPUS DIGITAL CAMERA
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Es ist kurz nach 18 Uhr in Bernau. Dann radeln wir in die Stadt zurück. Der Tag ist nicht mehr lang, und wenn die Sonne weg ist, wird die Luft schnell kühl. In Karow wird es dunkel. Strassen hier sind nicht sehr fahrradfreundlich. Wir drücken auf Tempo.
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Angenehm müde, Bier wird, nach warmer Dusche, gut schmecken. Danke liebe Freunde. Ein wunderschöner Herbsttag,

Flohmarkt, Sale, Umzug und Umtrunk, 06. Okt.

Ich veranstalte Flohmarkt in der Werkstatt, zusammen mit Kollegen Dan, Michael und David. Ich werde außer Fahrradteile, auch Rahmen und Räder anbieten, denn ich ziehe nach Karlsruhe und schließe meine Berliner Werkstatt zum Ende Oktober. Mein lieber Freund und Kollege Dan Santucci macht seine Werkstatt weiter. Ich werde in Karlsruhe wieder eine Werkstatt aufmachen. Wenn es soweit ist, melde ich mich auf dieser Stelle. Am 06. stelle ich Kiste Bier und andere Getränke. Wenn Ihr Zeit und Lust findet, vorbeizukommen, würde ich mich sehr freuen. Am Samstag werde ich etwas länger machen.
Sa. 06. 10. ab 13 Uhr bis 21 Uhr oder länger,
So. 07. 10. ab 14 Uhr bis 19 Uhr
Sonntag ist leider gestrichen, da der Raum anderweitig verwendet wird.
Verlosungen für alle wird vorbereitet.

An dieser Stelle bedanke ich mich meinen Kunden herzlich für das Vertrauen, lieben Kollegen für freundliche Zusammenarbeit, die ich nach Möglichkeit gerne fortsetzen würde, und vor allem meinem Werkstattkollegen und Freund Dan für die ausgezeichnete Kooperation.

Und besonderen Dank gilt dem magischen Ort Berlin, die(Berlin ist weiblich,,), als ich zu ihr kam, eine geteilte Stadt durch kalten Krieg war, und den lieben Freunde und Freundinnen, die stets gut zu mir waren. Ich habe die Berliner Luft, die mich motiviert wie inspiriert hat, gern geatmet und die frech berlinernde Mädels geliebt.

Oktober werde ich zwar sehr oft in der Werkstatt sein, um aufzuräumen, aber nicht immer für Kunde Zeit nehmen können. Dafür bitte ich um Verständnis. Aufträge werde ich weiter annehmen, die Realisierung aber könnte länger dauern. Wir sehen uns spätestens zur Messe im Frühling wieder. Bis dahin schöne Tage, frohes Schaffen und viel Freude(natürlich beim Radeln)!

Opas Peugeot

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Großvater von Axel war ein beständiger Radler. Er radelte täglich seitdem er Rentner wurde. Er radelte bei Sonne und bei Regen, kam zum Essen zurück, und schlief. Das war sein Tagesablauf. Sein Peugeot, PX10, begleitete ihn lange Jahre(davon hatte er 2 Stück. Eins ist leider verschollen). In der Erinnerung von Axel ist sein Opa und Peugeot eine untrennbare Einheit.
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Vor 25 Jahren, lange nach dem Opa gestorben war, wurde der Originallack zum Opfer des zeitgemäßen Designbewußtseins. Der Rahmen wurde in matten grau lackiert, dazu noch nicht genügend(oder gar keinen) Härter reingemischt so daß der Lack nie fest wurde. Nach diesem Desaster verschwand das Rad ins Keller und fiel in langen Dornröschenschlaf.
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Wäre das Rad in ewige Vergessenheit versunken, wenn nicht seine Schwester sich daran erinnerte, daß Opa ihr das Rad vermachtet hatte. Nun, mußte Axel schnell ins Keller und das Rad ins Tageslicht bringen. Der Lack hat sich mittlerweile auch ohne Härter gehärtet, aber wie Elefantenhaut mit vielen Falten. So kann man das Rad nicht seiner Schwester übergeben,, Nu, es soll in die Schönheits-/Verjüngungskur geschickt werden.
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Es war ursprünglich weiß, das wußte Axel noch genau. Da es nicht aallzuviel kosten darf, schicken wir den Rahmen zum Pulvern. Verkehrsweiss, ziemlich das weisseste in RAL-Farben. Dazu schöne Aufkleber drauf, auch Head Badge, was längst verlorenging. Steuerrohrmuffen, die eigentlich schwarz gewesen sein müßte, lasse ich weiss. Ich muß Zeit und Kosten sparen. Aufkleber drauf, sieht der Rahmen sofort nach Peugeot aus. Peugeot-Grafik ist wirklich markant und gut. Das motiviert mich auch, das Rad aufzubauen.
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Natürlich sollen möglichst viele Originalteile eingebaut werden. Ein Erinnerungsstück soll es bleiben, was einige Geschichten vom Großvater erzählen würde. Aber problemlos fahrtüchtig soll es werden, denn eine Großenkelin soll das Rad fahren, bald, wenn sie noch ein wenig größer wird. Nun überlege ich, was bleiben und was ersetzt werden soll.
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Radsatz von und hinten sind unterschiedlich. Das zeigt eine lange Geschichte dieses Rades und das bleibt so und wird nur gerichtet. Innenlager hatte Spiel. Vorsichtshalber wird er ersetzt durch NECO-Lager mit französischer Schale(das ist ein Glück für Französen-Fans, daß so etwas gibt). Schutzblech SKS in Champagner Farbe ist ziemlich verbogen. Das wird ersetzt durch Bluemels Classic in Schwarz/Silber. Alu-Trainingsbügel machte etwas müden Eindruck, so daß er durch ähnlichen Velo Orange Lenker ersetzt wird. Für junges Mädchen ist Weinmannbremshebel zu groß. Er wird durch damengerechten Teatro Inverse-Hebel ersetzt. Lenkerendschalthebel wandert deswegen zum Unterrohr. Kerzensattelstütze wird durch einfacher zu handhabende ersetzt. Die einseitige Campagnolo Rennpedale(Opa war ein richtiger Radler) wird durch Leotard Promenade-Pedale ersetzt. Natürlich werde die Reifen ersetzt, diesmal kostengünstige und gut aussehende HALO. Original-Schläuche waren noch dicht, so sie bleiben. Lenkerband wird NewBaum, was zweifach gewickelt wird, um den Komfort für Hände zu erhöhen. Zughülle wäre natürlich schwarz. Aber für ein Mädchen nehme ich hellgrau und versuche, den Gesamteindruck ein wenig heller zu machen.
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Mit dem Polieren von Teilen war ich zurückhaltend. Ich habe sie gereinigt, und mäßig poliert so daß sie nicht allzu neu aussehen. Opas Brooks-Sattel ist der Zeuge der Zeit, als er täglich geradelt hat, bei Sonne und bei Regen. Ich hoffe daß die Großenkelin, die weder Großopa noch sein Rad kennengelernt hatte, das Rad mögen wird.
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Eine Restaurierung nach persönlicher Geschichte und Erinnerung, techinikhistorisch nicht korrekt.