Archiv für den Monat: Januar 2018

Komfort-Meral 26″

Die Rahmenform, die als Typ Meral genannt wird, war für sportliches Damenrad entworfen. Es war eine ausgewogene Mixtur von sportlicher Steifigkeit und damengerechter Ein-/Abstiegsmöglichkeit. Moderne Interpretationen, die heute von versch. Anbietern gibt, sind meist komfortabler ausgelegt. Das ist einerseits Trend heute, daß man bequemer radeln möchte. Damen, die heute sportlich fahren wollen, greifen meist auf Herrenrahmen zurück.

Geometrie dieses Rahmentyps kann man relativ variabel auslegen so daß man bequem bis sportlich recht unterschiedlich gestalten kann. Für eine Dame mit 155cm Körpergröße habe ich einen Rahmen in der Form entworfen, der eine sehr bequeme und aufrechte Körperhaltung ermöglicht. Meral für 26″ Radsatz gab es noch nicht(ich kenne das nicht). Das ist klarer Vorteil von Einzelanfertigung.

ILLU Meral 26inch A4

Allerdings weist Ihr 35km langer Arbeitsweg stellenweise heftige Steigungen bis fast 20%. Normalerweise würde ich sagen, daß sie diesen Abschnitt mit der S-Bahn erledigen sollte. Sie will aber die Strecke oft radeln, und nur ab und zu das Rad in den Zug mitnehmen. Dafür muß das Rad 2 Dinge erfüllen, Leichtgewicht und Leichtgängigkeit. Ich bin gespannt, wie das Endergebnis aussehen wird. Im April will sie damit losradeln.

E-Bike könnte die Welt verändern.

Na, was für eine Aussage?! Und das erst jetzt? Nun, ich möchte die Folge der Weiterentwicklung des E-Bikes weit ausdehnen versuchen. Da ich lesefaul bin, kenne ich keine Literatur, die sich nicht mit den E-Bike an sich, sondern sich mit dem Einfluß des E-Bikes auf weiteren gesellschaftlichen Ebenen beschäftigt. Ich werde einfach und naiv drauf loslegen.

Unterstützung durch E-Motor verändert das Fahrrad gewaltig. Das Prinzip, Fahrrad sollte möglichst leicht sein, gilt hier nicht mehr. Das ermöglicht den E-Bikes weitere Entwicklung(Mutation?) und Erschließung zu. Cargo-Bikes wird für viel mehr Menschen interessant, können mehr Zuladung(größer und schwerer) vertragen. Tandems würden Renaissance erleben. E-Bikes für mehrere Personen(Passagiere) wären gut denkbar(wenn Gesetzgebung geändert wird). E-Bikes mit Wetterschutz(Dach, Windschutz usw.) würden möglich, sogar welche mit leichter Karosserie(z.B. steif gefaltete Alufolien) wären denkbar. Komfortsteigerung wie Heizung/Kühlung würde auch denkbar. Steuerung für die Stabilisierung des Fahrzeuges könnte man einbauen. Lenkung by Wire(d.h. ohne mechanische Verbindung zwischen Lenker und das Rad) würde auch möglich. Dann würden solche fahrzeuge ziemlich anders aussehen als herkömmliches Fahrrad.

Berliner Velotaxi(City Cruiser) wiegt knapp 100kg samt Motor und Akkus. Damit können alle Berliner Steigungen(ausgenommen Teufelsberg o.ä.) samt Passagiere gefahren werden. Ursprünglich gab es Plan, Velotaxifahrzeug in großem Stil als Lastenrad einzusetzen, wie für Post, Hermes usw.

Wohin führt solche Gedanken? Ja, E-Bikes werden in manche Stammbereiche des Automobils eindringen und Autos verdrängen. Solange Muskelkraft mit im Spiel ist, sind sie kein Automobil. Sie sind für mich auch kein Fahrrad mehr. Sie sind dann etwas neues, für die auch neue Bezeichnungen gefunden werden müssen. Automobilhersteller würden Absatzzahlen reduzieren müssen, und vielleicht selbst ins E-Bike-Geschäft einsteigen. Motorradhersteller, deren Absatz seit langem stagniert, könnten ihre Know-Hows in die neue Bereiche einsetzen. Yamaha z.B. baut schon lange Fahrräder mit Elektromotorunterstützung. Es könnte unterschiedliche Kategorien entstehen. Führerscheine wie Eignungstests könnte notwendig werden. Kennzeichnung vom Motorisierungsgrad würde eingeführt.

Nicht nur in den Städten,, auch auf dem Land würde E-Bike das Leben ändern. Es gibt viele Orte, in den kein Ladengeschäft ist und zum Einkaufen 20km Fahrt notwendig ist. Hier ist das leben heute ohne Automobil unvorstellbar. Mit komfortable E-Bikes würde es anders. Zwang des Automobils, was heute das Leben noch als Selbstverständlichkeit beherrscht, würde aufgelockert und aufgelöst. Die Bequemlichkeit der Autoindustrie und der Politik würde wachgerüttert.

Für sie braucht man andere Strassenordnung, gesetzlich wie baulich. Dann könnte städtischer Verkehr ziemlich anders aussehen. Hier kann heutige Dominanz des Automobiles stark reduziert werden. Politik wird gefordert, Basis zu schaffen, um solche Zukunftsvision zu realisieren. Wir haben bereits ein gutes Beispiel. Als Berliner Velotaxi entwickelt wurde, war das größte Problem die Gestzgebung und die Haltung der Verkehrspolizei. Da auf Velotaxi mehr als eine Person mit befördert wird, ist es im Sinne der Gesetzgebung kein Fahrrad. Nur durch eine Sondergenehmigung von berliner Senat und damit der Polizei konnte es in Betrieb genommen werden. Senat hat damal in Velotaxi eine Chance für Berlin(touristisch und als Innovationsbetrieb) gesehen. Die Möglichkeit von E-Bike könnte wichtige städtebauliche Vorgabe werden. Parkpülatzverordnung könnte auch anders aussehen. Auch Wohnungsbau würde stärker die E-Bikes einbeziehen müssen.

Es macht Laune, solche Städte vorzustellen, wo viele Verkehrsaufgaben mit solchen Fahrzeuge erledigt werden und deutlich weniger Autos fahren. Städte könnten wieder Stadtmauer(unsichtbar!) und Tore bekommen, wo die Autos von aussen gepoolt/geparkt würden und im Inennstadtbereich Fahrrad und Strassenbahn den Hauptverkehr übernehmen würden. Vor 120 Jahren hat Carl Benz das Fahrrad(Dreirad) motorisiert. Er war selbst ein begeisterter Radfahrer. Nun ist die Zeit, der Entwicklung eine neue Richtung zu geben.

Konventionelle Fahrräder werden ohne Problem weiterleben. Markt dafür würde nicht viel kleiner werden. Ich habe keine Bedenken. Denn für viele Zwecke werden Fahrräder ohne Motorhilfe ideales Mittel bleiben. Nur unnötige Entwicklungen werden nicht mehr als gegeben akzeptiert. Fahrräder werden sich auch weiter entwickeln.

Domenica d’agusto, Ein Sonntag im August

Domenica 3
Der Sommer ist noch weit weg, 1950 ist auch bereits sehr weit weg von uns. Aber dieser Film ist schön, voll bepackt mit alltäglicher Freude der Nachkriegszeit. Rom im typisch chaotischen Rausch an einem Sonntag. Fast alle wollen zum Strand. Das könnte aber auch in Berlin oder Tokio ganz ähnlich gewesen sein. Der ganze Film wirkt sehr lebendig und realistisch, als hätte man spontan aus der Hand gefilmt.
domenica 1
Und, was uns Fahrradliebhabern interessiert, sind Szenen mit Rennrad fahrenden Jugentlichen. Da sieht man Trikot von Cinelli oder Olmo, man sieht auch Details wie 4-Gang Cambio Corsa Schaltung. Und wie man Rennrad fährt, viel öfter am Unterlenker greifend. Auch daher ist die Sattelüberhohung damals viel kleiner als heute. Sehenswert.
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Gutes Neues!

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Das neue Jahr beginnt, womöglich wenn Tag wieder länger wird. Das heißt aber, im südlichen Kugelhälfte beginnt das neue Jahr Ende Juni,, Aber auch dort ist jetzt das Neujahr. Viele haben Plastiktannenbaum aufgestellt und unter der grellen Sonne Weihnachten gefeiert. Warum!? 25. 12. ist sowieso kein Geburtsdatum Jesus. Na egal,,
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Statt Feuerwerk habe ich diesmal Feuer vorbereitet, mit Altholz, wovon die Scheune voll ist, Turm gebaut, alte Tannenzweige und andere Kleinholz angehängt, so daß Flammen von unten schnell nach oben hochklettern kann. Geplant habe ich sorgfältig wie die Vorbereitung von Ariane, bin aber gar nicht sicher gewesen, ob das wirklich so zünden wird. Das nasse Wetter hatte Einsicht, es klärte sich auf, und es zündete. Ganz schnell stieg das Feuer hoch. Trockene Tannenblätter brannten mit Knistern, flogen herum wie Glühwürmchen. Nach 20 Minuten war der Turm ausgebrannt, dann haben wir Gartenstühle um das Feuer gestellt, und Sekt getrunken.

Das Wetter um diese Tage war aber extrem feucht, und nicht kalt. Fluß war voll, die Felder wie Seen, vom Hänge fielen das Wasser unter. Manche Strassen am Fluß waren gesperrt. Kinder waren damit beschäftigt, die Fisch auf dem Feld zurück zum Fluß zu bringen. Eine ganz normale Wintervariation von heute,,
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Trotzdem konnte ich mehrmals radeln, jedesmal so um 2 Stunden. Ich habe Wege im Hänge gesucht, die von Strassen abgehen für die Landwirtschaft oder für Jäger. Manche Wege sind gut zum Radeln, manche verschwinden mittendrin. Oft muß man kleine steile Abschnitte bewältigen, dann ist der Ausblick recht schön.
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Euch allen ein gutes neues Jahr! Hoffe, hinter dem Regenwolken scheint die Sonne, hinter heftiger Bergauf öffnet sich ein grandiöser Ausblick.
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Fahrradgeschichten

„Ich glaube, daß die Benutzung von Fahrrädern dabei ist, unsere Sitten tiefgreifender zu verändern, als man sich allgemein noch im Zweifel ist. All diese jungen Frauen, all die jungen Mädchen, die losfahren und den Raum erobern, hängen einen Großteil des häuslichen Lebens, des Familienlebens an den Nagel. (Sarah Bernhardt 1896)

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Prompt nachdem ich gesagt habe, Medienfaulheit ablegen zu wollen, habe ich zu Weihnachten Bücher geschenkt bekommen. Beide über die Entwicklungsgeschichte Fahrrades, vom gleichen Autor, Hans-Erhard Lessing. Er ist ein führender Forscher der Fahrradhistorie und hat bereits viele Bücher darüber geschrieben. „Das Fahrrad“ vom Klett-Cotta ist mehr über die Entwicklungsgeschichte, im „Ich fahre so gerne Rad…“ vom dtv sind die glücksbringende Geschichten mit dem Fahrrad von verschiedenen Autoren zusammengestellt. Diese beiden Bücher sind irgendwie ähnlich, voll mit positiver Strahlung des Fahrrades, für den Körper wie für die Seele. Beide empfehlenswert, Mir gefiel „Ich fahre,,,“ etwas besser.

Ich sehe nicht ein, warum ein Fahrrad nicht ebensogute Gesellschaft leisten kann wie die meisten Ehemänner nach zwei Jahren. Mir wäre es genauso lieb, zu dem einen wie zu dem anderen leblosen Gegenüber zu sprechen. Und sehr viel lieber mit einem, der nicht antworten kann statt nicht antworten zu wollen. Ich kann mir eine sympathische Rückantwort von einem spiegelnden Lenker eher vorstellen als die Gewißheit, daß es von einem stirnrunzelnden Mann(der gähnt oder zu gähnen anfängt, wenn ich ihn etwas frage) keinen geben kann,,, (Ann Strong 1895)