Kategorie-Archiv: Radtour

mit einem Cargobike nach Germersheim

Samstags von der Radlerhalle in Karlsruhe mit einem Cargobike von Sebastian nach Germersheim, um es dort auf der Spezi-Messe auszustellen. 30km mit einem Cargobike in einem Stück bin ich noch nie gefahren. Da bin ich echt gespannt.
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Verschiedene Routen gibt es. Ich wollte die einfachste, und die angenehmste mit einem Cargobike. So wählte ich eine Route, möglichst ohne Landstrasse und Ortsquerung, erst nach Norden durch Wald(über 10km ganz gerader Waldweg), streift man Leopoldshafen zur Fährstelle Leinersheim, dann am Rhein bis Germersheim auf Radweg.
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Es ist ja recht hübsch hier, hinter leopoldshafen, denke ich, mit vielen Seitenarme und Kanäle. Sogar eine alte kleine Hebebrücke fahre ich über. Das Rad fährt sich gut. Es regnet nur tropfenweise. Alles überschaubar.
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Aber ich gehe hier verloren. Irgendwie merke ich, daß ich vom richtigen Weg abgekommen bin und nicht mehr weiss wo ich bin, obwohl ich eine Karte habe. Es ist dicht bewölkt, die Sonne läßt sich nicht mal ahnen. Ach schiit. Ich fahre ein Stückchen zurück, nirgendwo ein Schild, kein Mensch in Sicht. Ich warte ein Weilchen. Dann kommt ein Opa auf Rad angeradelt, so ein Glück. Er ist so nett, führt mich etwa 15 Minuten lang und so weit durch den Wald damit ich sicher die Fährstelle finden kann. Tausend Dank!
Ich weiss aber heute noch nicht, wo ich war. Und diese hübsche Brücke ist nicht auf der Karte zu finden, auch nicht auf Komoot. Na sowas, das passiert selten.

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Als ich zur Fährstelle ankam, waren nur 3 Radler auf dem Fhärschiff. Einer ist mit einem aerodynamisch verkelidetem Liegerennrad(Vollcarbon).
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Der Radweg ist sehr gut ausgebaut. Ich komme zügig voran. Die Verspätung durch Irrfahrt muß ich zurückholen.
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Angekommen, Germersheim ist eine Festungsstadt und wird von militärischen Großbauten dominiert.
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Am Sonntag zurück mit demselben Rad nach Karlsruhe. Einer fragt auf dem Messestand, warum Cargobike nicht in den Zug mitnehmen darf, wenn Anhänger mitgenommen werden darf. Oh, das ist eine Grauzone. Ich werde dieses Rad nicht in die Bahn mit. Es ist zu groß und wird anderen Passagiere stören. Ausserdem kann ich es nicht Treppen hoch und unterschieben.
Es ist sonnig geworden. So ist es schön zum Radeln. Ich fahre direkt am Rheinufer.
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Dann komme ich wieder hinter dem Deich. Grüne Farben leuchten wunderbar. Ich gebe nun etwas Gas. Ich muß unbedingt die letzte Fähre erwischen.
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In der Ferne sieht man Pfälzer Wald. Ich fange an zu schwitzen. Die Luft ist so um 12 Grad.
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Eine rennradfahrerin überholt mich, ganz locker. Mit einem Rastenrad kann ich nicht schnell fahren. Es ist schwer, und hat mehr Luftwiderstand. Mir fehlt Power. Zum Glück hat das Rad recht gute Fahreigenschaft. Ich murmle den Mantra, ich denke nicht an Motor, ich denke nicht an Motr,,, und komme ich zur Fhärstelle an, rechtzeitig.
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Ich bin allein auf der Fähre, mit der Rennradfahrerin, die Triathletin ist. Dann kommt noch ein Rad, ein Paralleltandem. Dieses Pärchen kenne ich. Fähre setzt sich dann in Bewegung.
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Nun muß ich mich nicht mehr hetzen. Ich drossel den tempo und radle ich den Weg, den ich nun kenne, zurück nach Karlsruhe. Paralleltandem ist, wie ich geahnt habe, schneller als ich und verschwand weit vorne aus meiner Sicht. Hinfahrt hatte ich gut 2 1/2 Std. gebraucht wegen Irrfahrt. Rückfahrt war knapp über 2 Stunden, also Schnitt 15kmh ungefähr.
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Wagbachniederung, Vogelbeobachtung

Freunde kamen aus Düsseldorf. Sie sind Ornithologen und wollten nach Waghäusel, um die Vögel zu beobachten. Wir starteten vom S-Bahnhof Bad Schönborn Süd. Hinfahrt ist nur 15km. Radeln im Wald ist angenehm. Im Schatten blüht Bärlauch immer noch. Kukucks und Nachtigale begrüsesn uns.
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Durch Ortschaft von Kirrlach, Waghäusel, dann zur Wagbachniederung. Hier ist der Brutplatz vieler Vogelarten. Hier ist das Gewässer großflächig verschilfft.
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Gleich trifft man einige Vogelbeobachter mit langen Objektiven mit unauffällig getarnter Kleidung. Auch Biber und Schildkröten sind zu sehen.
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Mit blossen Augen nicht leicht auszumachen, aber Purpurreiher sind da, mindestens 6. Ich habe sie zum ersten Mal gesehen. Gutes Fernglas ist unverzichtbar für Vogelbeobachtung. Mit meiner Billigkleinkamera ist es schwer zu fangen.
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Bin kein Vogelkenner, weiss nicht einmal den Unterschied zwischen Grau- und Kanadagänse,,
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OLYMPUS DIGITAL CAMERADurch Wald und Felder radeln wir zurüch nach Weingarten, wo meine Freunde einen netten Unterkunft fanden. Es war ein schöner sonniger Tag, zwischen kühlen und regnerischen Tagen.
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Pfalz schnuppern, südliche Weinstrasse

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Rheinland-Pfalz ist das Weinland Deutschlands. „Mehr als 65% des deutschen Weines werden in den Rheinland-Pfälzischen Weinbaugebieten hergestellt.“ Ich habe keine Ahnung vom Wein, aber wer in die Pfalz fährt, muß klar damit rechnen, daß man ständig mit Wein zu tun bekommt.

Tourplanung meiner Freundin sah so aus; von Karlsruhe mit Regiobahn nach Edesheim(etwas nörlich von Landau), von dort querdurch mehrere Weindörfer anfahren, dann von Neustadt Heimfahrt treten. Die Route sah ungefähr so aus wie das Bild. Wie wir wirklich gefahren sind, weiss ich nicht richtig. Meine Unsicherheit beruht sich nicht auf zuviel Wein, den wir unterwegs zu sich genommen hätten, sondern einfach weil wir nicht oft auf die Karte geschaut haben. Feldweg/Landwirtschaftsweg ist schöner zum Fahren als Radweg direkt neben Strasse.
00 Route Edesheim Neustadt
Weinstrasse liegt, wie die Karte zeigt, am Rande der Rheinebene, kurz vor dem Pfälzer wald, der eine völlig andere, bergige Landschaft hat.

Mein erster Eindruck, das Dorf besteht aus Weingut und Weinlokal, punkt. Und um Dorf herum Weinfelder bis zum nächsten Dorf. Und das nächste Dorf sieht auch ähnlich aus, egal ob es Edenkoben oder Maikammer heisst. Richtig langweilig wird es aber nicht, denn jedes Dorf ist doch anders, mal reizender, mal kommerzieller. Für Weinliebhaber wird es eine Freude sein, vom Gut zum Gut, Wein testend zu wandern. Manche Dörfer bestehen überwiegend aus alten Fachwerkhäusern, z.T. aus dem 16. Jhdt. Weinstrasse sieht aus wie die Romantische Strasse, aber fast ohne Stadtmauer. Mildes Klima in der Pfalz erlaubt mediterrane Pflanzen wie Feigen oder Zypressen wachsen.
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Überall sieht man Radfahrer(mehrheitlich e-Bikes) und hört man Motorräder wie teure Autos mit lautem Auspuffgeräusch(Sound?). In der Tat ist es an manchen Stellen das Anfahren ohne Motor nicht leicht. Aber uns macht es Spaß, hier zu radeln in einer hügeligen offenen Landschaft.
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Am Strassenrand stehen oft Kreuz und Marienfigur, was mich Südbayern und Österreich erinnern. Am Rande des Dorfes Weyher gibt es eine Mariengrotte.
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Man sieht sporadisch rosafarbene Mandelblüte. Aber Kirschbäume gibt es mehr, glaube ich. Persönlich ziehe ich die blassrosane oder weisse Blüte vor stark rosafarbene. Aber die ganze Mischung von Mandel, Kirsch und Schlee gefallen mir, die hier gleichzeitig blühen.
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Es ist diesig auf der Ebene. Das ist die Frühlingsluft, mild und etwas feucht. Es kann aber auch Pollen der Blüte in der Luft sein. Allergiker müssen Augentropfen bei sich haben.
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Hier gibt es einfachen Weinbauer bis zum ganz bekannten Weingut. Jeder findet für seinen Geschmack was passendes, denke ich. Ich probiere aber nicht, denn ich radle. Aussedem bin ich eher Biertrinker. Häuser haben großen Torbogen. Innenhöfe sehen oft recht romantisch aus.
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Zum Mittag erreichen wir Rodt, ein bekanntes Winzerdorf. Hier sind 80% der Häuser Denkmalgeschützt. Es ist auch recht belebt mit Touristen/Besuchern.
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Und gegessen haben wir in einem einfachen Weinlokal etwas pfälzisches, Saumagen, Leberknödel und Bratwurst mit Kraut. Dazu ein großes Dornfelder-Schorle.
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Wir radeln mal hoch, mal unter. Diese Abwechselungsreiche Fahrt ist freudig. Überall die Blüte, und Burgen und Schlösser(die wir diesmal alle links liegen lassen).
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In Edenkoben angekommen merken wir, daß die Luft etwas aus ist. Vielleicht war der Wein zuviel, oder die Dörfer zu ähnlich? Meine Freundin entscheidet, schnell raus, und auch Maikammer links liegen lassen, fahren wir durch Weinfelder nach St. Martin. Als langjähriger Brandenburgfahrer kenne ich nicht so viele belebte Dörfer hintereinander. Das macht mich vielleicht etwas müde?
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Winzerdorf St. Martin schmiegt sich hübsch am Hang. Dieses Dorf ist auch etwas kompakter und wirkt auf mich etwas uriger. Cafe und Eisdiele sind sehr gut besucht bei diesem warmen Tag.
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Auch das bekannte Schloß Hambach lassen wir links liegen, fahren durch Dorf Hambach in die Neustadt. Stadtkern hat viele alte Häuser, manche aus der Zeit Renaissance, einige Mittelalter. Auch wenn diese Häuser meist gastronomisch benutzt werden, sehen die Gassen nett aus. Von Neustadt nach Karlsruhe ist mit dem Regionalexpress 45 Minuten. Wir werden uns weiter und intensiv mit der Pfalz beschäftigen.
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Lauterbourg

Von Karlsruhe aus ist der nächste Ort in Frankreich Lauterbourg. Von meiner Wohnung ist es 20km. Wenn man von der Rheinbrücke(Maximilianau) startet, dann 15 oder 17km, je nach Routen. Am schönen Sonntag sind wir von Max-Au gestartet. Schon viele Radler sind unterwegs. Die Route, am Rhein entlang, ist gut geeignet für Rennradfahrer. Hier könnte man Tempo machen.
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Es gibt mehrere Kiesgruben, die im Betrieb sind. Ich sehe ein Bahngleis mit Seilwinde, um Güterwaggons zum Beladen zu ziehen. Schätzungsweise gibt es heute nicht mehr so viele Kiesgrube mit Bahnanschluß.Am Sonntag ist es ruhig hier. Aber werkstags könnte es viel Betrieb/Verkehr sein.
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Man kann schnell oder gemütlich radeln. Am Fluß gibt es kaum auf und ab.
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Direkt am Wasser gibt es Spazierweg. Aber Radler sollten Radweg benutzen. Schiffe, die flußaufwärts fahren, sind langsam, langsamer als gemütlich fahrende Radler.
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An der Lautermündung liegt ein Restaurantschiff „Lautermuschel“ mit angeschlossenem Schiffahrtmuseum. Das scheint den Radlern ein beliebtes Lokal zu sein.
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Danach kommt die Fährstelle zwischen Neuburg und Neuburgweier. Ach ja, wir sind hier auf dieser (rechten) Uferseite in der Pfalz unterwegs.
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Dann kommt die Stelle, wo Alte Lauter in den Rhein mündet. Diese Alte Lauter ist das Grenzflußchen zwischen Deutschland und Frankreich. Für mich Japaner ist es jedes Mal etwas seltsam, so eine Grenze zu sehen und macht mich nachdenklich, was diese Grenze bedeutet. Gleich hinter dem Flußchen gibt es ein Schild über Rheinradweg in Französisch. Ab hier ist man in Frankreich. Die Landschaft ändert sich aber nicht. Dieses Unbehagen an Landgrenzen, dachte ich, wäre typisch für Inselvölker. Aber in Japan wie Großbritanien gab und gibt es inländische Grenzen, was ich im Alltag gar nicht wahrnehme. Mein Unbehagen beruht sich eher auf Konstruktion heutiger Staatlichkeit, vielleicht. Na gut,,
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Dann ist der Hafen von Lauterbourg ganz nah. Hier ist etwas Industrie. Am Hafen gibt es ein Restaurant, das nicht so schlecht zu sein scheint, nicht nur für Hafenarbeiter und Schiffer.
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Wir radeln Bahnhof vorbei, wo natürlich französische und deutsche Züge halten. Dann hören wir in der Stadt laute Technomusik läuft. Ortskern ist gesperrt, und verkleidete Menschen laufen. Ach, irgendetwas mit dem Fasching müßte sein. Aber laute Musik mag meine Freundin nicht. Wir fahren Ortskern um. Es gibt am Rande Siedlung wie ich aus Japan kenne, mit 50er/60er Jahre Bauten, déjà vu Gefühl.
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Landauer Tor ist heute verschlossen, wegen der Veranstaltung im Ortskern. Wir fliehen von der lauten Technomusik, fahren raus auf der rue du Général Mittelhauser und biegen in die Hagenbacher Strasse ein. Gerade an dieser Ecke ist das ehm. Zollhäuschen, das nun als Museum und Imbiß benutzt wird.
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Der Radweg führt zum nächsten Kleinort Berg, das tatsächlich auf einem Hügel steht. Durch diesen „Berg“ verlief römische Rheinuferstrasse. Dorf ist fast 900 Jahre alt. Es gibt einige Häuse aus dem 18. Jhdt.
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Radweg verläuft jetzt Lauter entlang. Es gibt die Stelle, wo die Bahn Schutzdeich durchbricht. Hier gibt es stählenen Dammtor für den Fall eines Flutes.
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Verschilffte Auenlandschaft ist schön. Und bald ist man in Neuburg und wieder an der Fährstelle. Schwäne, Gänse wie Möwen sonnen unter dem warmen Licht genüßlich.
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Auf der anderen Seite ist Mörsch die nächste S-bahnstation. Wir fahren aber Deich hoch und peilen uns an Forchheim Hauptstrasse.
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Ein Radfahrer zieht ein Pferd mit. Er muß ab und zu anhalten und dem Pferd füttern aus seinem Ortliebtasche. Das ist ein netter Anblick.
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Bad Herrenalb

Bei 15 Grad und Sonennschein im Februar, wer kann ruhig zuhause bleiben? Wir fahren los, Alb entlang bis Bad Herrenalb. Im Schwarzwald gibt es anscheinend viele Thermalbäder. Davon sind nur einige wirkliche Thermalbäder. Bad Herrenalb ist kein, ist ein „heilklimatischer Kurort“ mit Mineralheilbad. Auf alle Fälle ist dieser Ort ein beliebtes Ziel für Karlsruher Radler incl. Rennradfahrer.

Bis Ettlingen gemütlich geradelt, dann haben wir die Route neben Herrenalbstrasse genommen. Das war nicht so schön mit dichtem Autoverkehr.
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Nach Busenbach geht der Radweg leicht abseits in den Wald. Es ist schon etwas besser, aber es ist immer noch nah an Autostrasse und Bahntrasse.
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Meine Freundin mag mehr ruhige Wald- und Feldwege. Im Neurod wechseln wir auf die andere Seite des Albs. Treffer! Ein autofreier Waldweg entlang Alb. Wir hätten von Ettlingen aus diese Seite radeln sollen. Für Rennrad wäre dieser Weg nicht so gut, aber befahrbar, wenn man gute Reifen mit 28mm Breite oder mehr hätte.
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Der Weg geht leicht auf und ab, aber recht gut zum Fahren. Boden ist meistens fest.
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In Marxzell ist ein Technikmuseum, oder Fahrzeugmuseum. Ich drücke meine Nase auf die Glasscheibe. Hätte gerne reingeschaut, wenn es offen gewesen wäre. Nächstes Mal.
Kurz nach Marxzell machen wir eine Pause. Wir finden ein sonniges Plätzchen direkt an der Alb. Das Wasser plätschert, die Luft ist freundlich. Tee und Kekse stärken uns, aber vor allem die Sonne wirkt entspannend nach langen grauen Wintertagen.
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Vor Kloster Frauenalb gibt es ein ziemlich steiles Stückchen. Man kann noch hochklettern, muß aber nicht. Schieben gehört auch dazu.
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Die Klosterruine scheint in einem guten Zustand zu sein. Es sieht gepflegt aus. Das ist eine komische Beschreibung für eine Ruine. Aber ich habe so einen Eindruck. Und hier gibt es ein Hotel/Restaurant namens „König von Preussen“. Dieser Name macht mich stutzig. Was macht der Preussenkönig im tiefen Baden? War irgendeiner Preussenkönig mal hier gewesen? Um adlige Schwester im Kloster zu besuchen? Dieses Lokal war bereits 1835 nachweislich so genannt. Das wäre die Zeit von Friedrich Wilhelm III. Hat es etwas mit dem Rheinbund, dem Deutschen Bund, oder Befreiungskrieg zu tun? Ich weiss nicht, und kann nicht mal ansatzweise irgendeine Antwort vorstellen. Kennt jemand die Rätzels Lösung?
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Dann ist Bad Herrenalb nicht mehr weit. Wir passieren die Grenzlinie zwischen Baden und Württenberg. Die Grenzlinie ist verwirrend kompliziert. Demnach ist Kloster Frauenalb Baden, Kloster Herrenalb Württenberg. Die beiden Kloster sind älter als diese Grenze.
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Nun sind wir in Württenberg und gleich in Bad Herrenalb, ein kleiner Kurort. Einige hübsche Häuser aus dem 19. Jhdt. und prächtiger Bahnhof der Albtalbahn. Wir schauen um ein Café, das uns anlocken möchte. Das finden wir nicht und fahren mit dem Zug nach Karlsruhe zurück. Eine nette Tour. Das könnte eine Stammstrecke werden.
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Ettlingen

Wenn ich 10 Minuten südwärts fahre, dann bin ich schon außerhalb der Stadt. Nur 10km ist Ettlingen entfernt, also ein Katzensprung. Der Weg, der mehr oder weniger entlang Alb, ein kleiner Flußchen, verläuft, ist nicht schlecht. Völlig ohne Anstrengung ist man schnell da.
Ettlingen Luft
Ettlingen hat ein relativ großer Industriegebiet und Vorstadt rundum die Altstadt. Ich wußte nicht, daß Schneidersöhne, ein Papiergroßhandel, von dem ich früher immer schöne Papier bezog, in Ettlingen saß. Und hier gibt es Remise der Ulmer Eisenbahnfreunde, die im Sommer im Albtalbahn Dampffahrten veranstaltet. Altstadt ist klein, aber fein. Es gibt Feinschmeckerlokal, feine Konditorei. Stadt sieht barock aus, auch der Schloß, ist aber viel älter. Mittendurch fließt Alb recht friedlich.
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Im Sommer kann man hierher radeln, um Bierchen zu trinken, oder zum Esssen. Und von hier beginnt der Weg zum Nordschwarzwald. Nächster Ziel ist Bad Herrenalb.

erste Kaffeefahrt nach Rüppurr

Sonntag, sonnig und mildes Wetter. Endlich eine Kaffeefahrt unternehmen, die erste, seit dem Umzug nach Karlsruhe. Tag vorher habe ich und meine Freundin mehrere nette radfahrende Karlsruher auf einer Vernissage kennengelernt. Sie erzählten von einem Radweg entlang des Flüßchen Alp, der sehr hübsch sei. Gehört, getan, aber nur nach Rüppurr, das ist nur 5km von unserer Wohnung. Ich merke, Karlsruhe ist nicht so groß wie Berlin, zwar recht städtisch, aber kompakt. Karlsruhe sei kleiner als Berliner Bezirk Charlottenburg, wo ich lange gelebt habe,, In Berlin wäre es recht normal, 15km zur Arbeit radelt, innerhalb der Stadt.
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In 15 Minuten sind wir schon in Dammerstock, wo eine Bauhaussiedlung, recht hübsch und in einem guten Zustand, steht.
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Nach Dammerstock wird es schnell ländlich. Im Süden sieht man Schwarzwald, d.h. Bergen für Berliner.
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Rüppurr ist ein Vorort, oder ein eigenständiges Städtchen dörflicher Ursprung. Kurz den Ortskern und die Gartenstadt angeschaut, kehren wir schnell in ein Lokal. Von Ferne haben wir Cafe Rieberg gesehen. Irgendwie sagte es mir nicht zu wegen zu steriles Aussehens, warum weiss ich nicht. Dann sahen wir Kofflers Heuriger. Da war meine Freundin dagegen, wegen des etwas kitchigen Aussehens. Aber ich wollte lieber hier rein. Und es war ok. Von einem Rüppurrer erfuhren wir später, daß Rieberg gute Kuchen macht. Dann nächstes Mal.
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Wir radeln wieder Alp entlang zurück. Nächstes Mal nach Ettlingen, und bis Bad Herrenalb(oder dorthin mit der Bahn und von dort zurückradeln).
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Kraniche, die Glücksbringer?

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Vor dem Umzug nach Süddeutschland habe ich einen Tag Zeit genommen, um Kraniche schauen zu gehen. Die meisten Kraniche machen in Darß an der Ostsee und im Umland Berlins Rast. Sie ziehen dann auf engen Koridor(von ca. 30km Breite) gen Süden, nach Champagne und dann Spanien. Woanders in Deutschland sind sie selten anzutreffen.
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Bis Nauen mit der Regiozug. Dann das Städtchen verlassen und in Feldweg einbiegen. Ich höre gleich von allen Richtungen Kraniche. Es sind viel. Und ich sehe gleich erste Paare auf dem Feld. Heute ist es diesig, neblig und ganz ohne Sonne. Das hat auch eigene Atmosphäre.
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Hier kommt kein Auto, hächstens Trekker fahren die Wege, das auch nur so selten. Pappelalleen sind wunderschön. Sie sind aber keine Allee, sondern eher Windschutz.
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Überall auf den Felder sind sie. Manchmal zu nah dran(100m Abstand ist nicht genug), so daß sie wegen mir unruhig werden. Ich mache mich möglichst klein und still, aber sie riechen den Menschen, je nach der Windlage, vom Weiten. Dann fliegen sie ab. Das sollte nicht sein, denn sie verbrauchen unnötig Energie. Ich sage ganz leise, „Bleibe ruhig und friss weiter“, aber sie haben große Angst vor Menschen, komischerweise gar nicht vor trekker oder Züge. Ich sage wieder leise „Sorry!“, aber schaue ich wie sie fliegen.
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Viele Böume sind noch grün. Es war bisher recht warm. Um die schöne Fraben zu bekommen, brauchen die Blätter einen knackigen Temperaturstürz.
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Immer wieder treffe ich die Kraniche auf Felder. Manche fliegen knapp über mich. Ihre Gesänge hallen trotz neblig feuchter Luft.
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Ich schaue Dorf Kohhorst an, wie immer. Hier steht eine Sammlung von Landwirtschaftsfeldbahn, die früher(d.h. bis 60er Jahre) für die morastige Gegende hier die Hauptverkehrsmittel war. Damit wurden Güter transportiert, Kinder zur Dchule gefahren, Erwachsene zum Einkauf zu den größeren Orte. Betriebe wie Ställe hatten Gleisanschluß.
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In Linum, Haupttouristenort für die Kranichbeobachtung, gehe ich zum Rixmann’s und kaufe einen kleinen Kürbis, “ Sorte Butter Cup“, der wie Marone schmecken, und stecke in den Rucksack rein. Dann im „kleinen Haus“ Kaffe und Kuchen(natürlich Kürbistorte).
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Ich radle bis Nauen zurück, fast gleiche Wege. Nur ganz sandige Anschnitt wird gemieden. Es war ein extrem trockener Sommer. Dementsprechend ist der Sand tiefer als normal. Das raubt Energie. So fahre ich auch ein wenig auf der Strasse. Asphalt ist auch mal willkommen.
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Auch auf dem Rückweg sehe ich viele Kraniche. Gänse sind auch dabei. Je nach der Windlage, kann man sie noch 2 Wochen antreffen. Diese Vögel machen mich irgendwie glücklich, ich weiss nicht warum.
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Über diese marode und für Fahrzeuge gesperrte Brücke bin ich zurück zur normalen Alltagswelt. Dahinter ist ein magischer Ort, für mich.
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Gefühlte 100km, faktisch 90km,,

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Wir, Dan, Michael und ich, sind Arbeitskollegen und Freunde. Wir verbringen viele Zeit in der Werkstatt zusammen. Seltsamerweise kamen wir nie zu einer Tour zusammen. Aber jetzt, fuhren wir von der Werkstatt aus Richtung Bernau, Biesenthal und zurück, endlich!
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Wir nahmen nicht den Pankeradweg, denn er ist am Sonntag recht voll mit Spaziergängern und Radlern. Stattdessen meist auf Strassen via Karow, Buch und Bernau.
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Die Luft ist frisch,, die Sonne stark. Bestes Wetter zum Radeln. Dan ist mit dem Rad, was er selbst entworfen hat. Michael mit seinem Singer mit Vollverchromung, die in der Sonne so glitzert. Ich bin auch mit meinem Singer unterwegs.
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Komischerweise quietscht meine Bremse(Mafac Racer mit Originalgummi) heute nicht, wie angenehm. Ich habe an meinem Singer schon Jahre keine Schraube mehr gedreht. Nur habe ich neulich Reifen gewechselt, vom Grandbois auf Conti GP-4 Seasons, damit ich etwas beherzter auf Feldwege fahren kann(mindestens psychologisch). Nach dem Umzug werde ich das Rad walten.
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Wir sind mit einem guten Tempo unterwegs. Am Sonntag ist der Autoverkehr ruhig. Nach Karow beginnt das Land. Je weiter wir uns von Berlin entfernen, wird es schöner. Manche kleinere Strassen sind nur für uns.
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Von Bernau an machen wir etwas Umwege und kommen zu Dans Datchja, wo wir eine Pause einlegen. Wir machen Feuer im Garten. Der Boden im Wald ist feucht und Pilze gedeihen, trotz langem trocknem Sommer. Seine Familie kommen nach. Es wird Kuchen gebacken und Kaffee gekocht(Danke Claudia!). Über uns flogen Kraniche in Formation. Stimmt, ich habe heuer noch keine Kranich-Tour gemacht.OLYMPUS DIGITAL CAMERA
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Wir brechen auf, radelln errst die Radweg nach Biesenthal, Dan führt. Hier ist sein Revier. Wunderbare Strassen mit Alleebäumen, kleine Dörfer wie Melchow, Grünthal, Tempelfelde,, Oja Grünthal; hier war ich ein Jahr nach der Wende, um für eine LPG neue Markenzeichen zu entwerfen. Diesen Betrieb wird es nicht mehr geben. Damals haben sie mir auch Zentral-Schlachthof in Berlin, wo heute Stadler, Supermärkte wie Wohnungen stehen, gezeigt. Es war kurz vor dessen Schließung, aber noch im Betrieb.
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Michaels Singer ist vollverchromt, und es blendet. Dans Tourer ist dunkel matt lackiert und mit schwarzen Teilen bestückt. Kontrastreicher geht es kaum. Beide sind charaktervole Fahrräder.OLYMPUS DIGITAL CAMERA
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Es ist kurz nach 18 Uhr in Bernau. Dann radeln wir in die Stadt zurück. Der Tag ist nicht mehr lang, und wenn die Sonne weg ist, wird die Luft schnell kühl. In Karow wird es dunkel. Strassen hier sind nicht sehr fahrradfreundlich. Wir drücken auf Tempo.
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Angenehm müde, Bier wird, nach warmer Dusche, gut schmecken. Danke liebe Freunde. Ein wunderschöner Herbsttag,

ein Buch, Oderbruch und Immigrant Song

Ich habe ein Buch geschenkt bekommen, „Die Gleichung des Lebens“ von Norman Ohler. Es geht um die Melioration des Oderbruchs, angetrieben durch alten Fritz, der machtbewußte Aufklärer. Für die Stabilität und den Wachstum des aufstrebenden Preussens, der gerade Schlesien eroberte, landwirtschaftliche Leistungssteigerung vorantreiben wollte.
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Ich habe gerade erste 1/3 gelesen. Es ist spannend, hier im Oderbruch prallen unterschiedliche Parteien und Ansichten, Aufklärung gegen Tradition, Staatsmacht gegen kleine Volksgruppe, Rationale Aufklärung gegen die Natur, Ehrlichkeit gegen Intrigue, Vernunft gegen Leidenschaft. Oh, es klingt nach einer Kinowerbung o.ä. Aber während ich es lese, wurde mein Verlangen schnell groß, Oderbruch wieder anzuschauen, wo ich einige Jahre nicht mehr war. Eine hauptsächlich von Menschenhand geformte Landschaft, mit nur noch ganz wenig gebliebener sümpfigen Wasserwelt entlang Alten Oder, vor allem im Bereich des NSG Niederoderbruch. Wie bewertet man dieses Großprojekt Preussens aus heutiger Sicht? War das eine kluge Staatsführung, oder eine vom machtbesessenen Kalkül getriebene Umweltzerstörung? Hier habe ich keine Antwort. Aber der Schicksal Oderbruchs finde ich kinofilmreif.

Berlin-Lichtenberg 7:27. Der NEB-Zug RB26 kommt aus Küstrin. Menschen, meist Polnisch sprechend, strömen aus dem vollen Zug. Sie alle arbeiten in Berlin. 7:39 fährt der Zug wieder ab, ist halbvoll. Die meisten Fahrgäste steigen in Müncheberg aus. Danach fährt der Zug ziemlich leer durch Oderbruch nach Küstrin. Ich steige in Golzow aus, um ein wenig Landstrasse/Feldwege zu fahren. Nur Oder-Radweg wäre etwas eintönig. Golzow, bekannt geworden durch die Langzeitverfilmung „Kinder von Golzow“. Die habe ich nach der Maueröffnung im Historischen Museum gesehen(letzte 2 Teile müßte ich noch nachholen).
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Es ist weit und flach hier. Im heutigen Oderbruch kann man sich kaum die ursprüngliche Sumpflandschaft vorstellen, außer wenige Stellen an der Alten Oder. Die Melioration ist gut gelungen. Es ist aber, wenn ich so sagen darf, ein ödes Land, kaum Wald, keine Erhebungen bis zum Moränenrand(wie Oderberg, Oderinsel, Bad Freienwalde, Wrietzen, u.a.). Die Kornkammer Preussens, und der DDR, und nun wird beherrscht durch landwirtschaftliche Großbetriebe mit gigantischen Traktoren, um irgendwann kommende Lebensmittelkrise zu überstehen?
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An der Oder ist es hübsch mit großflächigen Auen, viel Schilfinseln. Drüben ist Polen. Dort weiden die Kühe genauso wie diesseits. Gleiche Landschaft. Hier taucht mir immer die Fragen,, was ist eigentlich die Staatsgrenze?
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Ich sehe Oderbruch aber nicht negativ. Ich werde sogar sagen, daß diese Landschaft gewisse Charme besitzt. Diese mit viel Anstrengung gewonnenew Fläche von ca. 20x80km ist ein ausgesprochenes Immigrantenland. Es ist sozusagen Amerika Deutshlands und gab sicher viele Menschendramen und bewegte Schicksale. Wie haben die Menschen in den neu aufgebauten Kolonistendörfer gelebt, die z.T. von sehr weit hierher kamen, um dort ein neues und hoffentlich ein besseres Leben zu beginnen? Allein das ist spannend.
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Im Neulietzegöricke, das erste Kollonistendorf im Oderbruch, stehen die Häuser fast wie damals. Es ist kurz vor Mittag, ganz still. Nur ein Mini-Kaufladen des Dorfs ist offen, und hat einige Kunden, die im Vorgarten was Kühles trinken, offesichtlich Dorfbewohner. Ich kaufe mir ein Eis, Fürst-Pückler-Eis. Ich mag das, aus Nostalgie. Denn ich hatte als Kind gerne dieses Eis gegessen, auch in Japan, dieses 3-farbige Eis im Waffel. Es ist heiß unter der Sonne. Zum Glück gibt es ein wenig Wind. Ich geniesse das einfache und altmodische Eis.
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_Ich erinnere mich, es war etwa vor 10 Jahren, im Oderbruch irgendwo in einem kleinen Kolonistenangerdorf. Es war auch ein heißer Tag. Ganzes Dorf riecht nach frisch geerntetem Heu. Mein Wasservorrat war bereits leer. Natürlich kein Ladengeschäft weit und breit, wahrscheinlich nächste 15km gar nichts. Niemand ist da zu sehen. Ich muß irgendwo klopfen/klingeln und um Wasser bitten. Ich zögere, denn es herrscht eine Totenstille, will niemanden aus dem Mittagsschlaf reissen. Ich schiebe mein Rad, komme gleich zum Dorfrand. Dann, höre ich ganz leise Musik laufen von einem Innenhof am Dorfrand. Immigrant Song, von Led Zeppelin. Ich bin erleichtert, nicht alle Häuser klingeln zu müssen, und gehe mein Rad schiebend in den offenen Hof hinein, die Musik folgend. Das Haus im Kolonistenstil und die Scheune aus Backstein sind nicht in einem gepflegten Zustand. Dann sehe ich eine Frau auf einem Liegestuhl, unter einem Lindenbaum, neben ihr ein Radio, aus dem die Musik kommt. Ich nehme meine Mütze ab und sage, „Guten Tag, ich bin ein Radwaderer. Ist es möglich, etwas Wasser zu bekommen? Ist mein Vorrat seit 1 Stunde alle.“ Sie hebt ihren Cowboyhut und schaut mich an. Fixierender Blick, eine Frau so knapp 40,, Etwas verlegen warte ich auf ihre Antwort, vielleicht war es nur ein Paar Sekunden. Sie sagt “ klar, da ist ein Wasserhahn, bediene Dich einfach. Erst etwas laufen lassen, Das Wasser kann jetzt sehr warm sein.“ Sie zeigt mit ihrer Hand die Richtung. „Oja, vielen Dank. Und entschuldige bitte für die Störung.“ „Kein Ding.“ Sie steht auf, ist nicht so groß, aber erweckt mir einen Eindruck, sie wäre ein Modell von Helmut Newton, irgendwie. „Du hast Glück. Bin hier erst seit 2 Tagen, wieder,,“ „Na sowas, ja ich bin wirklich froh. Mit so einem heißen Wetter habe ich nicht gerechnet. Diese Musik hat mich gerettet, Immigrant Song, was?“ „Du kennst das Stück? Schön, so ein Zufall.“ Zufall? Ich ahne nicht was sie damit meinte. Das schien mir kein Zufall zu sein, Immigrant Song in einem Kolonistendorf zu hören. Ich sage aber, „Allerdings, ich fand es auch,, Ein seltsamer Zufall. Sind Sie im Urlaub gewesen?“ Sie lacht, „Urlaub? So könnte man es auch sagen,, ich war für 10 Jahre weg, und nun wieder hier, zuhause.“ „Waren Sie in Berlin? Oder wo waren Sie, wenn ich fragen darf,,“ „Berlin? Das interessiert micht nicht sehr. Ich bin in die USA ausgewandert. Hier wars mir zu eng gewesen.“ „Zu eng? Das klingt ja lustig. Mir kommt es sehr weit vor, dieses Oderbruch.“ „Ha, Du kommst aus Berlin, nehme ich an. Bin hier geboren, genauso wie meine Ururgroßeltern und noch weiter zurück. Irgendwann wird alles zu klein und eng.“ Sie dutzt mich, na dann,, „Wenn Du das meinst, kann ich auch nachvollziehen. Und, wo in USA?“ „Hmm. Neil Young,, sagt Dir was?“ „Äh,, Ohio?“ Sie steht plötzlich direkt vor mir. „Huh, bist Gut!“ grinst Sie,,,_
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Ich wollte an der Zollbrücke Mittag machen. Aber nach dem Eis fühle ich mich wieder erfrischt. Man kann im „Zollbrücke“ gut essen, aber ich möchte mich nicht vollstopfen.So fuhr ich weiter auf dem Deich. Ich habe auch 2 Butterbrot und Nußriegel eingepackt. Proviant ist sehr wichtig, wenn man an Wochentage unterwegs ist. Viele Lokale machen nur am Wochenende auf.
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Ab Neuglietzen wird es etwas langweiliger. Der Radweg auch etwas schlechter. Vor Hohensaaten wird es wieder besser. Aber vorher biege ich links ab, radle entlang Wrietzener Alten Oder. Oderberg ist eine alte Stadt. Im Sommer sind viele Urlauber hier. Jetzt ist die Stadt aber ruhig. Cafe „Hier und Jetzt“, wo ich einkehren wollte, war zu(wird nur an Wochenenden aufgemacht). So gönne ich mir 3 Kugeln Eis a 80 Cent in einer Eisdiele, der ziemlich als einzige in der Stadt offen ist. Diese Stadt entwickelt sich leider sehr langsam, und recht unterschiedlich.
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Eberswalder Chaussee direkt hinter der Stadt ist gesperrt wegen Bauarbeiten so daß man einen Umweg um einen Berg machen muß. Die Strasse von Oderberg zum nächsten Ort Liepe ist soweiso etwas ganz anders als Oderradweg, mit einem bergigen Charakter, was für den Radfahrer Spaß bereitet. Hier befindet man sich an Moränenkanten, die teils bis über 120m hoch sind.

In Liepe, mehr touristisch orientiert?, überquere ich die Wrietzener Alten Oder, und fahre die Feldwege. Strasse nach Schiffshebewerk ist mehr für Motorrad. Ich nehme den Weg neben Finowkanal, um den Baufotschritt des neuen Schiffshebewerk anzuschauen.
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Mensch, es ist aber häßlich diese Betonkiste!! Unnötig dekorativ und bunt auch noch, was bereits jetzt veraltet aussieht. Mir kommt die Frage auf, ob dieses neue Hebewerk überhaupt notwendig ist, oder nur ein Beamtenprojekt, um Projekt zu machen und zu betreuen, ist. Ich bin recht suspekt. Dagegen hat das alte Hebewerk nichts unnötige an sich, hat mehr Bestand und Berechtigung. Ich würde das neue in Betrieb nehmen, um das alte komplett zu sanieren, und danach das neue wieder abreissen.
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Der Feldweg, den ich von Niederfinow Richtung Falkeberg genommen habe, war zuerst Panzerplatten, dann aber wird deutlich schlechter, mit groben Schottern. Irgendwo verschwindet der Weg, aber zum Glück kommt man doch noch zu einem Feldweg entlang Kanal. Gar nicht zum Empfehlen! Ich bekam Platten auf dem Schotterweg, fuhr dummerweise 100m weiter. Schlauch war durchlöchert. Das konnte ich nicht mehr reparieren. Neuen Schlauch hatte ich blöderweise auch nicht. So habe ich das Rad bis zum Bahnhof Falkenberg geschoben und endete die Tour dort. Eigentlich wollte ich bis Wrietzen radeln,,, nächstes Mal(mit Ersatzschlauch). Trotzdem, eine nette Tour. Überall singen Kukucks jetzt. Im Sumpf unzäglige Frösche und viele Libellen. Einige Ritterfalter auch. Ich werde das Buch zu Ende lesen. Dann werde ich wieder hierherkommen.

Route des Tages, 90km. Die Bahnstrecke zwischen Frankfurt Oder und Eberswalde wird Wrietzen-Eberswald in Stundentakt, Wrietzen-Frankfurt in 2-Stundentakt bedient. Ich nahm den Zug nach Frankfurt, dann vor dort direkt nach Charlottenburg, damit ich nicht oft umsteigen mußte, mit meinem platten Rad.
Route Golzow Falkenberg