Kategorie-Archiv: Historie

Clubleben, 50er in Frankreich

50er Jahre in Frankreich, das war eine der Höchblüten in der Fahrradgeschichte. Es geht wieder aufwärts, das Leben macht wieder Spaß. Clubs florieren, Viele machen Fahrradurlaub. Viele Fahrradmacher wetteifern mit der Innovation.
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Zufällig bekam ich viele wunderbare Fotos von Radclubleben damals. Der Großvater von meinem Freund Christian, Louis Mathis, war Franzose und ein Mitglied der UVA (Union Véocipédique Argenteuillaise). Argenteuil ist ein Banlieuebezirk im Nordwesten von Paris. Er fuhr auch Paris-Brest-Paris, Raid Pyrénéen u.a., also ein aktiver Sportler. 1951 fuhr er Paris-Brest-Paris, in 88H42(409, MATHIS, Louis, Union Vélo. Argenteuil). Sein Bruder Gaston Mathis führte damals diesen Verein 1951 bis 57. UVA wurde 21. September 1931 gegründet und als 36. Club beim französischen Radsportverband FFCT (Fédération française de cyclotourisme) registriert. Bei der FFCT sind mittlerweile 3.100 Clubs registriert.
Dieser Verein stand damals näher zu René Herse. Wahrscheinlich weil Alex Singer, der geografisch auch ganz in der Nähe stand(und immer noch steht) einen quasi eigenen Verein ACBO führte(und noch führt).
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Und Clubleben beschränkte sich nicht auf Radfahren. Es gab ständig Grunde zum Feiern, oder Ball, Exkursion, Wandern usw. Clubs hatten für starke soziale Bindung gesorgt.
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Ich werde diese wunderbare Fotos einfach kommentarlos zeigen. Sie duften regelrecht nach 50er Jahre. Viele schöne Räder wie interessante Details sind zu sehen. Ach ja, auf irgendeinem Foto ist René Herse auch dabei. Und wie die Amateure sich damals kleideten, ist auch interessant. Trikot mit Sponsoren-Logos trugen nur Profis.
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Oben ein wunderschönes Herse-Tandem, unten eine Kontrollkarte beim Brevet, von Gaston Mathis.
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Diese Fotos aus Golden Age stammen von der Enkelin Gaston Mathis und von Catherine Deheeger. Ihr Vater Jean Deheeger und ihre Mutter Arlette, die Tochter von Gaston Mathis, waren ebenfalls Mitglied der UVA. Herzlichen Dank an Christian, der mir die Fotos zur Verfügung gestellt hat, und selbst ein guter Rennradfahrer ist. Er sagt „Bereits in dieser Epoche stand in Frankreich der Wunsch, Radfahren im Geist von Geselligkeit und Solidarität zu praktizieren, im Vordergrund. Ich habe einige der Radfahrfreunde meiner Großeltern kennen gelernt und kann das nur bestätigen.“

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Mittlerweile ist es vielen bekannt geworden, daß manche Japaner francophil sind, nicht nur bezüglich Kunst oder Cuisine, sondern auch beim Fahrrad. Warum eigentlich?

préhistoire:
Nachdem Japan das Land öffnete, entstand relativ rasch eigene Fahrradindustrie zum Ende des 19. Jhdt., bekannt ist die Stadt Sakai, wo bereits lange Zeit Waffenschmiede gearbeitet haben. Parallel zu St. Etienne ist deutlich. Miyata, auch ehm. Waffenschmied, begann in Raum Tokyo Copy von Rudge zu bauen. Rudge ist der Erfinder vom Roadsters. Rasch wurde Fahrrad ein wichtiger Exportartikel für japanische Wirtschaft(im asiatischen Raum)

Britischer Einfluss dauerte lange, bis in die 50er Jahre. Fahrräder in Japan waren alles im britischen Stil. Roadster ist der Prototyp von heutigen Mama-Chari(Muttis Rad, Billigfahrrad schlechthin). Und sportliches Fahrrad wurde dort Club Model genannt. Eigentliche Bedeutung dieser Bezeichnung ist unbekannt. In Großbritannien gab es öfters ein Club Model in Rahmenbauers Catalogues. Das war ein Einsteigermodell ins Lightweight und oft stand als Radclub-Bestand für Mitglieder zur Verfügung. Japaner machten Touren mit diesem Club Model. Es war mit schmalen Reifen bestückt, Singlespeed oder mit Schaltnabe, und obendrauf schwer. Die Strassen in Japan waren schlecht, kaum geteert, und die Topografie recht bergig. Sportrad im britischen Stil passte eigentlich gar nicht zu japanischen Gegebenheiten.

Alps in Tokyo war ein Vorreiter des Radreisens. Gegründet 1918, als Sportfahrradfachgeschäft ab 1946, entwickelte Alps eigene Modelle. Anfangs war jene Club Model dominierend, später Camping, Pass Hunter. Alps war ein Laden für Radreisende, baute weltreisetaugliche Räder wie leichte Gipfelstürmer. Leider wurde das Geschäft 2007 geschlossen. Der Grund dafür war, „es gibt für unsere Räder keine passende Teile mehr“,,
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premier impact:
Nach dem 2. Weltkrieg wollte der Industrieministerium Fahrradindustrie wieder in Form bringen, um den Export wieder zu aktivieren. Einige Experten wurden nach Europa geschickt, für die Recherche dortiger Fahrradindustrie. Einer davon ist Shinich Toriyama, vom Haus aus Mediziner, aber enthusiastischer Fahrradfreund.
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1953 fuhr er durch Europa, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien, um dortige Fahrradindustrie und Fahrradkultur zu recherchieren. Er fand heraus, daß französische Fahrräder zweckentsprechend systematische Modellvielfalt besitzen, daß die Strassensituation eine Ähnlichkeit besaß mit japanischer, und daß viele kleine Fahrradmanufakture hochwertige Sporträder anboten. Er bestellte bei René Herse ein Cyclotourisme und Tandem. Sie wurden im Jahr drauf geliefert und wurden sofort bei Maruto-Bicycles, Tokio zerlegt und analysiert. Chefkonstrukteur vom Maruto-Bicycles, Umeji Uchiho, machte sich selbständig und gründete 1955 Toeisha, wo Fahrräder vom Anfang an nach französischen Vorbildern gebaut wurden.
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TOEI warb sich schon früh als Bewahrer der französischen Fahrradkultur, wie „Herse im Westen, TOEI im Osten“.

Toriyama schrieb viele Bücher über Fahrrad und Radfahren. Sein stetiges Anliegen war die Verbindung von Freude und Gesundheit durch Radeln, denn er ist ein Arzt. Sein Verdienst ist systematische Entwicklung von Sporträdern wie Verbreitung von Radsport(nicht Rennen).
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Gleich danach, 1956, eröffnete ein Schwager von Toriyama, Osamu Itakura, Tokyo cycling Center, der sich auf Maßanfertigung von Tourenrädern spezialisiert.
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Tokyo Cycling Center ließ bei Toi u.a. Tourenradrahmen unter eigenen Markennamen „Zephyr“ bauen, schoß die Tür aber 2008 für immer. (Das war schlimme Zeit für Randonneure in Japan, 1990 bis 2010. MTB-Schock war sehr groß. Junge Radfahrer wollten auf MTB reisen. Viele dachten, Rando-Kultur wird verschwinden. TOEI ging auch recht schlecht und musste sich verkleinern. Viele Liebhaber haben mit ihren Bestellungen TOEI im Leben gehalten, denn TOEI macht keinen Keirin-NJS Rahmen. Wartezeit wurde bis 2 Monate schlumpfen, was heute wieder über 1 1/2 Jahr beträgt.

deuxième impact:
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Ein Schuler Toriyamas, Tsutomu Numa, reiste 1968 nach Paris, bestellte ein Herse. Toriyamas Herse waren muffenlos(aus dem Grund, daß man so besser in damaligen Japan reparieren könnte). Das hat Numa nicht gefallen und bestellte sein Rad mit typischen Muffen. Das kam auf den Titelseite des renommierten Tourenradmagazins „New Cycling“. Das schlug wie Atombombe ein. Alle wollten Fahrrad wie das, und bestellte TOEI oder bei anderen Rahmenbauer. Randonneur wurde ein felsenfester Begriff in der japanischen Cycling-Szene. Herse wurde eine Sehensucht, TOEI ein vielleicht realisierbarer Traum. Und, Herr Numa stieg bei Miyata ein, um die Entwicklung von Sporträdern anzutreiben. Er versuchte eine systematische Typenvielfalt à la Herse zu installieren, was aber als Massenprodukt scheiterte.
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Auf dieser Web-site kann man viele schöne TOEI-Räder anschauen. Es kann eine Warnung vorkommen, daß diese Verbindug unsicher sei. Ich schaue diese Seite schon seit Jahren an. Aber bitte entscheide selbst, ob man den Link aufmacht oder nicht.
Dieser Blogschreiber, ist selbst leidenschaftlicher TOEI-Fan und Cyclo Tourist. Diese Seite scheint komischerweise nicht unsicher zu sein, obwohl das im gleichen Blog ist.

aujourd’hui:
Granbois, Kyoto wird vom enthusiastischen Cyclotourist Tsuchiya-san geführt, mit dem Ziel, Randonneures-Kultur zu erhalten und publik zu machen. Grandios beginnt eigene Teile zu produzieren, die für Randonneures unerlässlich sind. Teile für Radsätzem(700c wie 650B)m Reifen, Felgen und Naben. Dann Lenker, Bremsen. Ohne Grandios gebe heutige Wiederauferleben der Rando-Kultur undenkbar.

Ein im genialen Timing erschienene Magazin „Cyclo Tourist“ trug dazu bei, ältere Rando-Generation zu ermuntern, wieder auf Rando auf die Reise zu gehen, und zugleich daß die junge MTB_Generation sich an Randonneures zu interessieren. Es gibt ein sehr schönes Buch von dessen Redaktion über TOEI-Räder, was evtl. noch kaufen kann. Interessenten bitte bei Maxi anfragen.
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In der Redaktion einer anderen Zeitschrift „Bicycle Club“ gibt es auch Rando-Freaks, die im losen Abstand Randonneur-Bücher publizieren. Neulich machte er eine Reportage, wie es heute ist, bei TOEI einen Rahmen zu bestellen.

So sahen typische Cyclotourist in Japan damals aus(das bin ich nicht).
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Kimono Radeln

Ich denke, japanische Kimonos sind denkbar ungeeignet zum Radeln. Trotzdem, gab es früher und jetzt wieder Leute, die in Kimonos geradelt haben und radeln.
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Erste Fahrrad kam nach Japan etwa um 1870, mitgebracht von westlichen Geschäftsleuten, die in Japan niederlassen haben und waren sehr wahrscheinlich Typ Ordinary und Tricycles. Japaner interessieren sich schnell an das neue Maschine. Es gibt Fotos wie Zeichnungen, die Japaner auf Ordinary zeigen.
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Männer hatten es leichter. Zum Radfahren mußten sie nur westliche Kleidung anziehen, was viele sowieso schon taten. Dagegen hatten die Frauen recht schwer, denn weder westliche Kleidung noch Kimonos sind zum Radfahren unmöglich geeignet gewesen. Ordinary fahren ist sowieso schwierig. Sie mußten noch eine Weile warten bis der Typ Safety kam.

Für Frauen war es extrem schwer, sich auf Fahrrad zu zeigen. denn die Gesellschaft verachtete solche Frauen, sozusagen als Satansweib. Eine Opernsängerin Tamaki Miura(bekannt durch Puccini-Auftritte in Europa) hat damals in Tokio ersten Frauenfahrradclub gegründet. Das war so um 1900 und damals war ein Fahrrad so teuer wie ein gutes Mittelklasseauto heute. Natürlich konnten nur Damen aus gutem Haus so etwas leisten. Und manche Studentinnen beginnen mit dem Rad zur Schule zu fahren. Das wurde auch bald in der intellektueller Szene als modisch, modern und schön bewundert.
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Und nun gibt es wieder Menschen dort, öfters Kimono tragen wollen. Das bringt wieder das alte Problem beim Radeln. Es gibt zaghafte Versuchung, für Kimonoträgern ein passendes Rad anzubieten wie das.
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Tiefer Einstieg ist selbsverständlich. Aber das Prinzip des rotierenden Kurbels ist etwas gegen Kimono-Ästhetik, finde ich, auch aus praktischem Grund. Hier könnte das Hebelprinzip vielleicht helfen, mit kleineren Beinbewegungen vorwärtszukommen. Historisch gab es eine ganze Reihe von Hebelräder, die allsamt wegen deutlich zu spürenden Totpunkten gescheitert sind.
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Tiefer Einstieg, Hebelprinzip, gepaart mit gescheiter elktronischer Steuerung des Hilfsmotors, könnte Totpunkte ausgeglichen werden. Dann wäre ein Kimono-Fahrrad fertig. oder ist es mehr eine fahrende Omas Nähmaschine?

Solche sexy Radlerinnen werde ich dann vermissen,,
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beach & mountain, California 1980

Über die Erfindung? und Entwicklung von Mountainbikes gibt es viele Websites. Hier werde ich nur belanglose Nebensächlichkeiten schreiben, vielleicht etwas durcheinander, und beginne diesen Eintrag mit diesem Foto.

From Repack to Rwanda: The Origins, Evolution, and Global Reach of the Mountain Bike. Presented by SFO Museum

From Repack to Rwanda: The Origins, Evolution, and Global Reach of the Mountain Bike. Presented by SFO Museum

Hier inspizieren die Herren von der Fa. Suntour ein Fahrrad sehr interessiert. Der zweite von links ist der Chef von Suntour, Junzo Kawai, am Rad der Entwicklungschef Nobuo Ozaki, der leidenschaftlicher Ingenieur. Hinten am Auto der Erbauer dees Rades Charlie Cunningham. Diese Cross Country Maschine ist mit einer Fülle von Neuigkeiten bepackt. Der Rahmen wurde geschweißt, bestehend aus temperierten Aluröhren. Hat das Rad nicht die Ähnlichkeit mit den Gravel-Bikes von heute?
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Damals war Suntour stark vertreten auf dem US-Markt. Die Firma engagierte sich auch auf BMX-Markt. Der Sohn von Kawai-san war Chefvertreter in den USA und hatte gute und direkte Verbindung mit der neuesten Entwicklung dort. So war die Reaktion auf die neue Mountainbikes recht schnell. Hier hat Shimano verschlafen, bzw. hat sich auf Renngeschehen in Europa konzentriert und hatte keine Kapazität frei.

Apropos Suntour,, dieser Markenname gehörte einer anderen Firma in Tokio, Iwai-Manufacturer Co., die Schaltwerke gebaut hat. Suntour, damals Maeda Iron Works Co., stellt damals Ritzelpakete her und kooperierte mit Iwai(ab ca. 1954).
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Iwai ging aber 1958 pleite, und Maeda mußte verbliebene Schulden auf sich tragen. Dabei ging Maeda fast pleite. Es blieb nur der Markenname Suntour für Maeda übrig. Aber die Firmenbezeichnung blieb bis zu ihrem Ende Maeda Industries Co. und Suntour blieb Markenname.

Jetzige SR Suntour ist faktisch eine Weiterentwicklung von SR Sakae Ringyo Co.. Maeda beakm Problem, hauptsächlich nach dem Losbindung des Yens vom USD 1985 und wurde 1993 zusammengeschlossen mit SR Sakae. Fabrikation wurde nach Taiwan verlagert und Hauptprodukte von Maeda wie Schaltkomponente aufgegeben. SR Suntour wird heute noch von ehm. Chefs der Fa. SR Sakae geleitet, also ist sie ein taiwanesisches Unternehmen mit japanischer Leitung.

Zurück zu California um 1980. Ich frage mich, warum damals und dort Mountainbikes entstanden sind. Ich schaue mal ein bisschen rum in das Leben in Kalifornien damals. Dort war schon lange Bicology angesagt. Jeder fuhr entweder Rennrad aus Europa(neuerdings auch aus Japan), oder gestrippte alte Beach Cruisers von Schwinn. Schwinn, übrigens dessen Gründer deutschstämmig war, hat auch die alten Beach Cruisers wieder aufgelegt, weil der Markt dafür recht groß wurde. 70er Jahre, das ist der Schlüssel. Es liegt Gefühl von Freiheit oder Verlangen nach Freiheit, nachdem Vietnamkrieg zu Ende ging und fast zeitgleich Hippiebewegung langsam verschwand. Für mich war die Dekade 70er Jahre lange stark verbunden mit einem denkbar schlechten Geschmack. Aber hier muß ich einmal überdenken, was dahinter stand. Es könnte Ausdruck gegen Establishment und guten Geschmack sein, es könnte auch unbeholfene Versuche sein, sich selbst freizügig auszudrücken. Auf alle Fälle ist diese Dekade auch dafür sehr wichtig, zu begreifen, warum die Welt jetzt so aussieht, denke ich.
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Deutlicher als beim Fahrrad ist der Boom von Roller Skating und Roller Disco. Sonnenschein und blauer Himmel, freie Bewegung, Körperkult, Klammoten ohne Konvention, alles scheint die Freiheit zu zielen. AIDS ist noch nicht angekommen. Unbekümmert frei bis freizügig ist das Leben zu geniessen.
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Dieses Foto zeigt den Alltag im Venice Beach, Stadtteil von Los Angels. Spaß ist der wichtigste Faktor hier. Jeden Tag gibt es Parties. Das Leben ist eine Party.
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Kommt dieser Mann irgendwie bekannt vor? Ja, er ist Hugh Hefner vom „Playboy“-Magazin. Das Foto enstand bei seiner Roller Disco Party, vielleicht ein Promotionvideo. Neben ihm ist sicher irgendeine Playmate.

Spaß pur am Strand. Und was ist mit Mountains? Naturfreunde? Vielleicht teilweise ja. Mit konventionellen Radnennen waren sie nicht zufrieden oder hatten sie nichts am Hut. Hier auf den Bergen waren sie frei. MOuntainbiking war eine etwas andere Art und Weise, um Freiheitsgefühl zu erleben als am Beach. Und auch die Entwicklung von Mountainbikes lief ziemlich frei, ohne Regelments von UCI, die Radrennen streng regelmentierte(und immer noch regelmentiert). Sie nahmen die Technik aus anderen Bereich, z.B. vom Motorrad, entwickelten Fahrrad, wie sie es brauchten, vieles durch eigenes Probieren. Das sieht man heute noch bei den Rahmenbauer an der Westküste. Sie fahren, haben Spaß daran und bauen/verbessern den Rahmen wie das Fahrrad durch eigene Erfahrungen. Dabei ist Kategorie relatv egal, denn sie sind keine Großunternehmen. Persönliche Bedürfnisse stehen im Vordergrund und sie lassen neuartige Fahrräder entstehen. Etwa vergleichbar, scheint mir so, was momentan in Deutschland mit Cargobikes passiert.
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Ich schweife wieder etwas aus, nachdem ich diese Werbung von damals gefunden habe. Für das Freiheitsgefühl spielte die Markteinführung von „Walkman“ auch eine sehr große Rolle. Nun konnte man unterwegs problemlos Musik hören. Mensch wurde ein Stückchen mobiler, und damit freier?. Eigentlich eine Erfindung von einem Deutschen, Andreas Pavel, der 1977 körpergebundenes Musikabspielgerät patentieren ließ. Sony und Philips hatte er bereits 1976 seine Idee präsentiert aber die beiden Konzerne zeigten kein Interesse daran. Nachdem Sony 1980 Walkman herausbrachte, gab es langen Rechtsstreit, in dem er finaziell in den Ruin getrieben wurde, aber letztenendlich von Sony eine Entschädigung bekam(erst 2004!). So sind Großkonzerne, nicht immer, aber oft genug.
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Freizügigkeit wurde sehr bald durch AIDS gestoppt. Freiheitsgefühl durch Wirtschaftskrise,,

La donna del fiume, 1954(IT)

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Ein italienischer Film mit Sofia Loren. Ich erinnere mich immer noch deutlich, wenn ich Foto von ihr sehe oder ihren Namen höre: Ich war vielleicht 10 oder 11. Auf einer Zeitschrift, die meine Eltern Abo hatten, sah ich sie zum ersten Mal, und ich war sofort tot, erschlagen von ihrem Sex Appeal, sozusagen. Ich kannte keine andere Filmstars damals. Schock war unheilbar groß. Auch wenn es sich schnell relativiert wurde, ist sie für mich als Ikon oder Prototyp geblieben. Anders als meisten coolen Beauty-Stars wirkte sie wild, powerful, leidenschaftlich und streng wie antike Göttin(na, ist das nicht toll?). Das wurde wieder bestiätigt als ich diesen Film sah, in mieser Bildqualität auf Youtube(das ist wirklich nicht gut für die Augen).
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In diesem Film, produziert von Carlo Ponti, fährt sie dauernd Fahrrad. Es ist auffällig, daß meiste Menschen auf diesem Film neue Fahrräder fahren. Es ist 1954. Die wirtschaft in Italien prosperiert vielleicht. Aber sicher wurden sie von einem Herstellern gestellt/gesponsert. Ich erkenne leider die Marke nicht. Was sie fährt ist ein hübsches cremfarbines Damenrad, was auch heute in ähnlicher Form angeboten wird.
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Die Geschichte ist ein Drama mit hartem Schicksal(mit Hoffnungsschimmer am Ende), eine tragische Liebesgeschichte, in der Übergangszeit vom Ende der chaotischen Nachkriegszeit zur neu geordneten Gesellschaft. In dieser Epoche gab es in Italien, und auch anderswo, sehr viele interessante Kinofilme.
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Es gibt zwei Szenen, wo sie mit Schwung in ein winziges Fährboot drauffährt. Ich dachte, oho, sie fährt ja lebhaft! Später habe ich ein Foto gefunden, das zeigt, daß sie beim Dreh besagter Szene ins Wasser fiel. Oder ist das ein Double/Stunt?
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Es gibt interessante Details, wie Fhahrradständer in der Fabrik, wo sie arbeitet, oder wie sie ihre Gepäck an Rädern festmachen, und natürlich auch Sofias modische, aber auch körperbetonte Kleidung. (alle Fotos aus diesem Film)
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Szenen in der Stadt wurde in Comacchio, eine Lagunenstadt nah am Po-Delta, gedreht. Scheinbar eine fotogene Kleinstadt(manche sagen, sie sei eine kleine Schwester von Venedig), die oft als Filmklisse diente.
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Ich glaube, in machen Sachen entwickelt man sich nicht weiter oder ändert sich nicht, ganz offensichtlich.

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Revolution um 1900


Das zeigt eine öffentliche Veranstaltung von Damenfahrradclubs in London 1899. Wenn man die Geschichte nicht kennt, sieht es vielleicht nur amüsant aus. Bis die „Safety“-Räder entwickelt wurde (das ist so ungefhär 1885), war das Radfahren auf Hochrad für Frauen fast unmöglich. Damit fuhren nur Artistinnen und ganz wenige Einzelpersonen, die keine Angst vor schlechten Ruf hatten.
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Das änderte sich schlagartig, als „Safety“-Räder mit pneumatischen Reifen auf den Markt kamen. Mit dem Herrenrahmen(Diamantrahmen) hatten die Damen Probleme, denn ihre Kleidung damals war ausgesprochen ungeeignet zum Radeln.
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Hosen tragen war undenkbar. Viel Beine zeigen war auch unmöglich. Gesellschaftliche Konvention waren sehr streng. Wenn man eigenen Ruf als Dame nicht ruinieren wollte, mußte man auf Radfahren verzichten. Bloomers mit Wollstrumpfe, die manche progressive Frauen trugen, wurde von der Gesellschaft nie richtig akzeptiert. Nur die Frauen, die Rennen fuhren, hatten sozusagen Kniebundhosen mit Wollstrünpfe an, weil sie Räder mit Herrenrahmen fuhren. Aber bald kam das Aus für Damennradrennen in vielen Ländern(auch in Deutschland), ausgerechnet weil die Radfahrerverbände Damenrennen verboten haben.
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Da kam aber Fahrradindustrie zuvor und stellte Damenrad vor. Das konnte man auch mit langem Rock fahren. Damit wurde der Damm gebrochen. Plötzlich wollten alle Frauen, nicht nur jung, Fahrrad fahren. Der innere Wünsche mußten sehr groß gewesen sein.
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Nun mußten die Frauen sich von Korsett befreien. Das Teil ist genauso schlimm wie Burka oder Fußbinde. Als Walzer und Galopp en vogue war, sind die Frauen beim Tanzen reihenweise ohnmächtig geworden, wegen Korsett! Das Zeug machte tiefes Atmen unmöglich. Ironischerweise wollten meisten Frauen selbst von dieser Kleidung nicht trennen. Es war Zeichen weiblicher Eleganz, die sie so aktiv betrieben hat(um Männer zu gefallen, einfach gesagt). Kompromisslösung wurde gesucht, um Konvention nicht allzuviel zu strapazieren, aber trotzdem praktischer und fahrtüchtig zu machen. Es hat einige zeit gedauert, bis die Frauen sich von Korsett gänzlich befreit haben.
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Damenfaahrrdclubs wurden gegründet. Innerhalb 10 Jahren bis 1900 ist das Radfahren bei Frauen so populär und fast selbstverständlich geworden. Das war eine Revolution. Dazu einige Zitaten:

„Das blitzschnelle Dahinfliegen durch eigene Kraft bietet ja besonderes der Anfängerin einen wunderbaren, fast zauberischen Reiz. Wer von uns hätte sich nicht schon gefreut, wenn es ihm gelang, einige gemächlich dahintrollende Sportskameraden „abzusägen“ und dann vergebliche Versuche derselben, der schneidige Fahrerin zu folgen abzuschütteln.“ (Amalie Rother, 1897)
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Tillie Anderson Shoberg wears a costume worn by women cyclists in the early 1890s. Shoberg was known as "Tillie the Terrible Swede." An immigrant from Sweden, Tillie was known as the best female bicyclist in the late 1800s. She competed until 1902 when the League of American Wheelmen banned women from racing. Photo circa Aug. 27, 1935. (Chicago Tribune historical photo) ....OUTSIDE TRIBUNE CO.- NO MAGS,  NO SALES, NO INTERNET, NO TV, CHICAGO OUT, NO DIGITAL MANIPULATION...

Tillie Anderson Shoberg wears a costume worn by women cyclists in the early 1890s. Shoberg was known as „Tillie the Terrible Swede.“ An immigrant from Sweden, Tillie was known as the best female bicyclist in the late 1800s. She competed until 1902 when the League of American Wheelmen banned women from racing.

„Das Bicyle hat zur Emanzipation der Frau…. mehr beigetragen als alle Bestrebungen der Frauenbewegung zusammen.“ (Rosa Mayreder,österreichische Frauenrechtlerin, 1905)
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„Ich glaube, daß die Benutzung von Fahrrädern dabei ist, unsere Sitten tiefgreifender zu verändern, als man sich allgemein noch im Zweifel ist. Alle diese junge Frauen, all die jungen Mädchen, die losfahren und den Raum erobern, hängen einen Großteil des häuslichen Lebens, des Familienlebens an den Nagel.“ (Sarah Bernhardt, 1896)
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„Wenn irgend etwas den deutschen Charakter ändern kann, so ist es die deutsche Frau. Sie selbst ist dabei, sich sehr rasch zu verändern – fortschrittlich zu werden, wie wir sagen. Noch vor zehn Jahren hätte keine Frau, die ihren guten Ruf hütet und noch auf einen Ehemann hofft, ein Fahrrad bestiegen. Heute sausen sie zu tausenden durch die Lande. Die alten Leute schütteln die Köpfe über sie; aber die jungen Männer, stelle ich fest, holen sie ein und fahren an ihrer Seite.“ (Jerome K. Jerome, 1899)
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„Offenbar lernt jede Frau in London, Fahrrad zu fahren. Die Straßen und Parks hallen von den Schreien wieder,,“ (Jerome K. Jerome, 1895)

Pierre et Marie Curie devant leur maison de Sceaux en 1895 /photo Boyer-Viollet /sc

Pierre et Marie Curie devant leur maison de Sceaux en 1895 /photo Boyer-Viollet /sc


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„Ihm verdankt unsere Frauenwelt die freiere Stellung, die sie heute in der Öffentlichkeit wahrnimmt. Das Fahrrad holte die Haustöchter vom Strickstrumpf und hinter dem Kochtopf weg und führte sie mit Bruder und Freund hinaus in die freie Natur, machte unsere Mädels frei von der ständigen Aufsicht der Mütter und Tanten und erzog sie zu selbständigem Handeln. Unsere Frauen sollten daher dem Fahrrad ein Denkmal setzen, denn es hat gerade für sie so viele alte, hemmende und hindernde Vorurteile, so vieles, was sich, Gott weiß aus welchen Gründen, nicht schickte, vom alten wurmstichigen Thron gestoßen, hat unseren Mädchen die Möglichkeit gegeben, sich außerhalb des Hauses frei zu bewegen und hat damit auch den Boden für die freie Berufstätiggkeit der Frau geebnet.“ (Georg Hermann, 1901)
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Alle Zitaten hier habe ich aus den Büchern von Herrn Lessing entnommen, alle Fotos/Bilder aus dem Netz.

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Freilich war Radfahren erst nur für gut situierte Damen(und natürlich Herren) vorbehalten(wie viele Fotos das deutlich zeigen). Fahrrad war teuer. Aber es wurde rapid preisgünstiger so daß 1910 fast jeder in Deutschland Fahrrad leisten konnte. Das vergrößerte den Kreis radfahrenden Frauen sehr schnell.
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Und, merkt man, daß diese Art Damenräder seit 120 Jahren kaum geändert heute noch angeboten werden?

Es gibt auf dem Netz einige Sites, di sich auch mit der Geschichte des Damenradfahrens beschäftigen:
http://www.oldbike.eu/emancipation/?page_id=1474
https://cyclehistory.wordpress.com/2015/01/30/women-on-the-move-cycling-and-the-rational-dress-movement/
http://www.sheilahanlon.com/