Kategorie-Archiv: Medien

200 & Long Riders

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Wer Brevets fährt liest vielleicht 200, ein franz. Magazin für Langstreckenfahrer. Leicht poetisch, verklärend, wie so oft bei den Französen, mit schönen Fotos.
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In Japna liest man Long Riders, eine Publikation von Brevet-Freunde, also keine kommerzielle Zeitschrift. Titelbild ist immer komicmäßig, mit hübschen Mädels auf Rad. Das ist der Geschmack des Herausgebers Akibax, und einigen Japanern(hoffentlich nicht von allen Japanern), was mir ziemlich fragwürdig vorkommt. Inhaltlich ist Long Riders, abgesehen von Comic-Zeichnungen mit radelnden Mädels, recht nüchtern, meist Brevet-Berichte, Fleche-Berichte bis 1400km LEL(London-Edinburgh-London, was wegen noch geringer Teilnehmerzahl interessanter sein könnten als PBP), mit Schwerpunkt Essen,,
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Hier ist 200 deutlich interessanter, auch wenn einige Seiten recht kommerziell sind.

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Auch in Japan gab es schönere Zeitschrift für Radler, „Jitennsha-jin„(sinngemäß Fahrradmensch). Herausgeber war Verlag für Bergsteiger. Sind die Bergsteiger romantischer als Radfahrer? Vielleicht. Austausch mit der Natur/Umwelt ist direkter, tiefer, und durch die Haut. Dagegen sind wir Radfahrer ein wenig wie Autofahrer? Hmm,, Sie wurde viermal im Jahr herausgegeben und 2014 ihre Publikation beendet. Recht schade.

Karlsruhe, fahrradfreundliche Stadt

Nach dem neuersten ADFCs Fahrradklima-Test ist Karlsruhe die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands. Viele Bürger erledigen fast alles mit dem Rad. Nicht nur die langjährige Verkehrspolitik/-planung, sondern auch die Größe der Stadt trägt auch dazu bei, sicher auch das milde Klima hier. Fahrradstrassen erlauben den Radler, sich zügig und relativ sicher zu bewegen. Autofahrer sind meist rücksichtsvoll. Wenn ein Auto Radfahrer blockiert oder hetzt, ist es oft ein Fremder.

Aus dem Alltag weiss ich aber auch, daß es noch lange nicht optimal ist. Es gibt recht häufig Unfälle, Radfahrer gegen Radfahrer, Radfahrer gegen Fußgänger, auch Radfahrer gegen Autos. Viele Radfahrer sind schnell unterwegs, oft zu schnell, denke ich. Auch auf belebten Geschäftsstrassen, wo viele Fußgänger querdurch laufen, drossel die Radfahrer ihrem Tempo nicht. Hier wäre Schrittempo angemessen, oder sogar absteigen. Wenn Radfahrer dem Fußgängern Angst einjagen, ist was falsch. Radfahrer haben nicht automatisch Vorfahrt. Ein wenig mehr Respekt auf Fußgänger wäre wünschenswert.

Viele sagen, es wird soviele Räder geklaut. Wenn genügend sichere Stellplätze geben würde, verteilt in ganzer Stadt, wird Diebstahl zurückgehen(ausser Profis, die alles klauen können). Auch für Cargo-Bikes sind die Stellplätze an Strassen/Plätze notwendig. Hier wäre städteplanerische Ideen gefragt. Oft wird ein großer Fahrradhaufen an einem hübschen Platz als häßlich empfunden(Bahnhofsvorplatz z.B.). Wenn die Hälfte aller Karlsruher(das wäre 150000) täglich radelnd in der Stadt unterwegs sind, braucht man entsprechend viel temporäre Stellplätze, nicht nur Radstrassen.

Gute Weiterfahrt für Karlsruher Radler, auch für Karlsruher Verkehrplanner und Politiker. Nun wird gefragt, wegweisend zu sein.
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Freiheit und Gelassenheit

Im Kinofilm trifft man oft Szenen mit Fahrrad, die Freiheit, Gelassenheit, Hoffnung wie Freude symbolisieren. Das beasgt auch den Charakter dees Fahrrades bzw. was das Fahrrad den Menschen bewirken. Hier nur als Beispiel;

Später Frühling/Banshun von Yasujiro Ozu, Japan 1949:
Die Tochter eines professors möchte beim verwitweten Vater bleiben, auch wenn sie eigene Chance zum heiraten verpasst. Inneres Gefühl zum Vaters Asssistenten, das nicht einmal ausgesprochen wird, wird bei einer Fahrradszene deutlich.
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Zwei Banditen/Butch Cassidy and the Sundance Kid, von George Roy Hill, USA 1969:
Butch weiss, daß die schöne Etta, die er heimlich liebt, seinen Kumpel Sundance Kid liebt. Er verbirgt sein Gefühl, spielt einen Crown und geniesst den kurzen schönen Moment mit ihr auf dem Fahrrad, was natürlich auch sie merkt.
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Jules und Jim/Jules et Jimm von François Truffaut, Frankreich 1962:
Komplizierte Charaktere, komplizierte Beziehungen, Sie sagten: „Ich liebe dich!“ und ich sagte: „Bleib!“ Ich sagte fast: „Nimm mich!“ aber du hast gesagt ‚Geh weg!‘ In diesem Film wirkt die Fahrradszene aber heiter und frei, obwohl,,
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La donna del fiume, 1954(IT)

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Ein italienischer Film mit Sofia Loren. Ich erinnere mich immer noch deutlich, wenn ich Foto von ihr sehe oder ihren Namen höre: Ich war vielleicht 10 oder 11. Auf einer Zeitschrift, die meine Eltern Abo hatten, sah ich sie zum ersten Mal, und ich war sofort tot, erschlagen von ihrem Sex Appeal, sozusagen. Ich kannte keine andere Filmstars damals. Schock war unheilbar groß. Auch wenn es sich schnell relativiert wurde, ist sie für mich als Ikon oder Prototyp geblieben. Anders als meisten coolen Beauty-Stars wirkte sie wild, powerful, leidenschaftlich und streng wie antike Göttin(na, ist das nicht toll?). Das wurde wieder bestiätigt als ich diesen Film sah, in mieser Bildqualität auf Youtube(das ist wirklich nicht gut für die Augen).
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In diesem Film, produziert von Carlo Ponti, fährt sie dauernd Fahrrad. Es ist auffällig, daß meiste Menschen auf diesem Film neue Fahrräder fahren. Es ist 1954. Die wirtschaft in Italien prosperiert vielleicht. Aber sicher wurden sie von einem Herstellern gestellt/gesponsert. Ich erkenne leider die Marke nicht. Was sie fährt ist ein hübsches cremfarbines Damenrad, was auch heute in ähnlicher Form angeboten wird.
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Die Geschichte ist ein Drama mit hartem Schicksal(mit Hoffnungsschimmer am Ende), eine tragische Liebesgeschichte, in der Übergangszeit vom Ende der chaotischen Nachkriegszeit zur neu geordneten Gesellschaft. In dieser Epoche gab es in Italien, und auch anderswo, sehr viele interessante Kinofilme.
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Es gibt zwei Szenen, wo sie mit Schwung in ein winziges Fährboot drauffährt. Ich dachte, oho, sie fährt ja lebhaft! Später habe ich ein Foto gefunden, das zeigt, daß sie beim Dreh besagter Szene ins Wasser fiel. Oder ist das ein Double/Stunt?
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Es gibt interessante Details, wie Fhahrradständer in der Fabrik, wo sie arbeitet, oder wie sie ihre Gepäck an Rädern festmachen, und natürlich auch Sofias modische, aber auch körperbetonte Kleidung. (alle Fotos aus diesem Film)
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Szenen in der Stadt wurde in Comacchio, eine Lagunenstadt nah am Po-Delta, gedreht. Scheinbar eine fotogene Kleinstadt(manche sagen, sie sei eine kleine Schwester von Venedig), die oft als Filmklisse diente.
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Ich glaube, in machen Sachen entwickelt man sich nicht weiter oder ändert sich nicht, ganz offensichtlich.

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Pane, Amore e Fantasia, 1953 IT

1950er in Italien, dort fuhr jeder Fahrrad. In Kinofilme aus dieser Zeit, vor allem wenn es volksnah sein sollte, spielte Fahrrad oft eine wichtige Nebenrolle. Hier in diesem Film auch. Hauptfigur(Vittorio De Sica), der aus der Stadt versetzte Polizeichef, fährt ein Fahrrad mit Hilfsmotor, weil es sich in einem bergischen Dorf(gedreht in Castel San Pietro Romano) spielt. Über dieses Fahrrad komme ich später zurück,, In den 60er spielt das Fahrrad seltener eine Rolle in Kinofilme. Statt dessen wurde Automobil und Motorrad als wichtige Liquisite herangenommen.
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Der Polizeichef versucht bei einer attraktiven Hebamme Annarella, ihr Interesse zu gewinnen, was schließlich auch gelingt. Dafür bewirkt sein Fahrrad ganz aktiv mit. Ohne Fahrrad wird dieser Film gar nicht funktionieren. Die Szenen, in den er Annarella von ihr zur Geburtenhilfe und zurück auf seinem Rad fährt, sind knisternd erotisch(vielleicht heute nicht mehr, aber in den 50ern bestimmt sehr), auch wenn sie sich seinem Interesse lange widersetzt. Auf youtube habe ich nur Fragmente gefunden. Es gibt DVD in Deutsch unter „Brot, Liebe und Fantasie“.
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Fast 40 Jahre später gibt es eine nachahmende Szene auf „Stanley & Iris“ zu zweit auf einem Rad. Natürlich kommt man näher.

Und sein Fahrrad, vielleicht ein Legnano, hat einen Hilfsmotor, Mosquito von Fa. Garelli, oder ähnliches(bin nicht sicher). Dieser Hilfsmotor war nachträglich einzubauen, wurde an sehr vielen Rädern eingebaut, wie Bianchi, Legnano u.a. Er hatte lange Produktionsdauer, ab 1938 bis 1992 in mehreren Variationen. Er war simpel, leicht und sparsam, und hat die Kraft durch eine Reibrolle an Hinterrad übertragen, wie später auch beim Solex (allerdings an Vorderrad) angewendet wurde. Auch Soichiro Honda hat damit angefangen, Fahrrad mit Hilfsmotor zu bauen. Nun sollte die Entwicklung in eine andere Richtung gehen.
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Es kann ein Vorbild für heutige E-Bikes sein. Nur Abgaswerte waren schlecht. E-Bikes müssen deutlich besser sein als Fahrrad mit Mosquito-Motor. Mit altem Mosquito ausgestatetes Fahrrad in einem guten Zustand ist heute begehrtes Sammlerobjekt.
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Totò al Giro D’Italia, 1948

Name Totò ist sicher bekannt. Der italienische Komiker/Schauspieler/Drehbuchautor und Aristokrat war sehr populär, aber von Filmkritikern eher geringgeschätzt.
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In diesem Film wird Giro D’Italia gespielt, mit vielen Special Guests sozusagen, die sogar im Film nicht nur Rennszenen fahren, sondern auch schauspielen versuchen, Coppi, Bartali, Bobet, Schotte, Kubler, Magni, Ortelli, Cottur, Ricci, Conte, also All Stars von damals. Toto, der einen Proffesor spielt und seine Seele an Teufel vverkauft, um Giro zu gewinnen, fährt allen Superfahrer davon. Zum Schluß wird der Teufel ausgelistet und Toto kann weiter leben, glücklich mit seiner Lieben.
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Benotto ist mit Sicherheit der Hauptsponsor für den Film? und oft frontal in Szene gesetzt.
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Ist es heute noch vorstellbar, solchen ulkigen Film zu machen, mit Froome, Bardet, Kittel, usw.? Sagan wird vielleicht mitmachen. Ich glaube, er hat schon mal gesagt, daß er nach Radprofi-Karriere Schauspieler werden wolle. Aber solange er Radprofi bleibt, wird der Sponsor von heute nicht erlauben, auch der Veranstalter des Rennen hätte dagegen, solchem Film behilflich zu sein,, sehr wahrscheinlich.
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Sorry für die schlechte Bildqualität. Ich habe sie aus Youtube. Es gibt aber DVD von diesem Film.

„Therese And Isabelle“ F/USA 1968

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Das ist ein Film mit dem Thema Mädchenliebe in einem Internat,, Eine romantisch-erotische Männerfantasie vielleicht? Es gibt ja unzählige solche Filme. Diesen Film finde ich aber ganz akzeptabel. Plot ist simple, aber die Regie, Kameraführung sowie Schnitt sind gar nicht banal so daß man den Film durchaus anschauen kann. Und ich finde, dieser Film riecht sehr nach 60er Jahre, ist trotzdem ein wenig zeitlos.
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Vor allem eine Fahrradszene, die leider nur einmal für ein Paar Minuten im Film vorkommt, ist so liebreizend schön. Auf einer langen Allee fahren 2 Mädchen unbeschwert vergnügt und frei die Räder(ein weisses Peugeot und das andere ist vielleicht ein Mercier). Ich bekomme Lust, diese Szene nachzudrehen. Einfach wundervoll!
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Im Netz ist der Film nur in recht schlechter Bildqualität zu finden. Es gab DVD davon, aber nicht mehr zu finden. Wäre schön, wenn arte o.ä. diesen Film mal rausbringen würde.
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Domenica d’agusto, Ein Sonntag im August

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Der Sommer ist noch weit weg, 1950 ist auch bereits sehr weit weg von uns. Aber dieser Film ist schön, voll bepackt mit alltäglicher Freude der Nachkriegszeit. Rom im typisch chaotischen Rausch an einem Sonntag. Fast alle wollen zum Strand. Das könnte aber auch in Berlin oder Tokio ganz ähnlich gewesen sein. Der ganze Film wirkt sehr lebendig und realistisch, als hätte man spontan aus der Hand gefilmt.
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Und, was uns Fahrradliebhabern interessiert, sind Szenen mit Rennrad fahrenden Jugentlichen. Da sieht man Trikot von Cinelli oder Olmo, man sieht auch Details wie 4-Gang Cambio Corsa Schaltung. Und wie man Rennrad fährt, viel öfter am Unterlenker greifend. Auch daher ist die Sattelüberhohung damals viel kleiner als heute. Sehenswert.
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Fahrradgeschichten

„Ich glaube, daß die Benutzung von Fahrrädern dabei ist, unsere Sitten tiefgreifender zu verändern, als man sich allgemein noch im Zweifel ist. All diese jungen Frauen, all die jungen Mädchen, die losfahren und den Raum erobern, hängen einen Großteil des häuslichen Lebens, des Familienlebens an den Nagel. (Sarah Bernhardt 1896)

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Prompt nachdem ich gesagt habe, Medienfaulheit ablegen zu wollen, habe ich zu Weihnachten Bücher geschenkt bekommen. Beide über die Entwicklungsgeschichte Fahrrades, vom gleichen Autor, Hans-Erhard Lessing. Er ist ein führender Forscher der Fahrradhistorie und hat bereits viele Bücher darüber geschrieben. „Das Fahrrad“ vom Klett-Cotta ist mehr über die Entwicklungsgeschichte, im „Ich fahre so gerne Rad…“ vom dtv sind die glücksbringende Geschichten mit dem Fahrrad von verschiedenen Autoren zusammengestellt. Diese beiden Bücher sind irgendwie ähnlich, voll mit positiver Strahlung des Fahrrades, für den Körper wie für die Seele. Beide empfehlenswert, Mir gefiel „Ich fahre,,,“ etwas besser.

Ich sehe nicht ein, warum ein Fahrrad nicht ebensogute Gesellschaft leisten kann wie die meisten Ehemänner nach zwei Jahren. Mir wäre es genauso lieb, zu dem einen wie zu dem anderen leblosen Gegenüber zu sprechen. Und sehr viel lieber mit einem, der nicht antworten kann statt nicht antworten zu wollen. Ich kann mir eine sympathische Rückantwort von einem spiegelnden Lenker eher vorstellen als die Gewißheit, daß es von einem stirnrunzelnden Mann(der gähnt oder zu gähnen anfängt, wenn ich ihn etwas frage) keinen geben kann,,, (Ann Strong 1895)