Kategorie-Archiv: Allgemein

Cycling the Frame, 1988 mit Tilda Swinton


Sie fährt mit dem Rad an Berliner Mauer entlang. Meine Stimmung ist momentan etwas melancholisch, und die Mauerzeit wirkt leicht verklärt. Schön kann man diese Zeit in West-Berlin nicht unbedingt nennen, aber sehr seltsam und besonders schon. Erkennet Ihr, welche Wewge sie fährt? Vieles hat sich geändert, aber manches blieb.
Mein Freund Mark, so wie viele Briten ein Liebhaber der geteilten Stadt Berlin und der DDR, drehte ein Musikvideo auf dem Glienicker Brücke, wo die Austausch von Ost-/Westspionen stattfand.

Wir waren öfters in Ost-Berlin, und schnupperten die sozialistische Luft der Hauptstadt. An manchen Tage wehten unzählige rote Fahnen über die Strassenzüge, die wirklich beeindrückend waren. In der Boxhagener Strasse gab es Propaganda-Shop der SED, wo man diese besagte rote Fahnen und Postkarten mit sozialistischen Motiven kaufen konnte.
Und sein späteres Büro vom MFS Berlin, befand sich direkt hinter Reichstag in der heutigen Deutschen Parlamentalischen Gesellschaft. Ach ja, als wir zum 40en Jahrestag rüber wollten, wurden wir einfach am Checkpoint-Charlie abgewiesen, natürlich ohne Begründung.

Clubleben, 50er in Frankreich

50er Jahre in Frankreich, das war eine der Höchblüten in der Fahrradgeschichte. Es geht wieder aufwärts, das Leben macht wieder Spaß. Clubs florieren, Viele machen Fahrradurlaub. Viele Fahrradmacher wetteifern mit der Innovation.
UVA-023 Kopie
Zufällig bekam ich viele wunderbare Fotos von Radclubleben damals. Der Großvater von meinem Freund Christian, Louis Mathis, war Franzose und ein Mitglied der UVA (Union Véocipédique Argenteuillaise). Argenteuil ist ein Banlieuebezirk im Nordwesten von Paris. Er fuhr auch Paris-Brest-Paris, Raid Pyrénéen u.a., also ein aktiver Sportler. 1951 fuhr er Paris-Brest-Paris, in 88H42(409, MATHIS, Louis, Union Vélo. Argenteuil). Sein Bruder Gaston Mathis führte damals diesen Verein 1951 bis 57. UVA wurde 21. September 1931 gegründet und als 36. Club beim französischen Radsportverband FFCT (Fédération française de cyclotourisme) registriert. Bei der FFCT sind mittlerweile 3.100 Clubs registriert.
Dieser Verein stand damals näher zu René Herse. Wahrscheinlich weil Alex Singer, der geografisch auch ganz in der Nähe stand(und immer noch steht) einen quasi eigenen Verein ACBO führte(und noch führt).
UVA-003-2 Kopie
UVA-019 Kopie
UVA-020 Kopie
Und Clubleben beschränkte sich nicht auf Radfahren. Es gab ständig Grunde zum Feiern, oder Ball, Exkursion, Wandern usw. Clubs hatten für starke soziale Bindung gesorgt.
UVA-002-2 Kopie
UVA-010 Kopie
UVA-032 Kopie
UVA-049_M&P Kopie
UVA-056 Kopie
UVA-Fàte-champàtre-3 Kopie
Ich werde diese wunderbare Fotos einfach kommentarlos zeigen. Sie duften regelrecht nach 50er Jahre. Viele schöne Räder wie interessante Details sind zu sehen. Ach ja, auf irgendeinem Foto ist René Herse auch dabei. Und wie die Amateure sich damals kleideten, ist auch interessant. Trikot mit Sponsoren-Logos trugen nur Profis.
UVA-009 Kopie
UVA-011 Kopie
UVA-012 Kopie
UVA-021 Kopie
UVA-024 Kopie
UVA-025 Kopie
UVA-026 Kopie
UVA-027 Kopie
UVA-033 Kopie
UVA-034 Kopie
UVA-035 Kopie
UVA-040 Kopie
UVA-042
UVA-047 Kopie
UVA-048_P Kopie
UVA-051 Kopie
UVA-053 Kopie
UVA-055 Kopie
UVA-057 Kopie
Oben ein wunderschönes Herse-Tandem, unten eine Kontrollkarte beim Brevet, von Gaston Mathis.
UVA-Mathis Kopie
Diese Fotos aus Golden Age stammen von der Enkelin Gaston Mathis und von Catherine Deheeger. Ihr Vater Jean Deheeger und ihre Mutter Arlette, die Tochter von Gaston Mathis, waren ebenfalls Mitglied der UVA. Herzlichen Dank an Christian, der mir die Fotos zur Verfügung gestellt hat, und selbst ein guter Rennradfahrer ist. Er sagt „Bereits in dieser Epoche stand in Frankreich der Wunsch, Radfahren im Geist von Geselligkeit und Solidarität zu praktizieren, im Vordergrund. Ich habe einige der Radfahrfreunde meiner Großeltern kennen gelernt und kann das nur bestätigen.“

Wien auf Rad

01
02
03
04
Wiener Neujahrskonzert kommt jedes Jahr, auch im TV übertragen. Es gibt immer Pausenfilm in der Mitte. 2018 war eine Radtour im Wien. (25:30 bis 59:50) Eine junge Frau fährt auf Peugeot-Mixte(gut daß es kein Puch ist) und schaut Bauwerke von Otto Wagner u.a. an.
05
06
11
Dabei gibt eine miteingebaute Zufallsbekanntschaft, die jedem irgendwie bekannt vorkommen wird, eine prickelnde Würze.
14
18
Ein netter Film mit beschwingter Begleitmusik wie Perpetuum Mobile (als Lebensthema?) von Johann Strauß. Man bekommt Lust, dort zu radeln, Strauß pfeifend.
08
09
13

Radeln wie Musizieren

Wenn ich so etwas sage, würden viele meinen, daß ich wieder weit hergeholt rede. Sicher, aber der Vergleich kommt mir persönlich nah. Mir kommt es öfters vor, Radeln ist wie Musizieren. Es hat Rythmus, was durch Topografie laufend verändert wird, Melodien macht der Wind, und die Landschaft die Colorierung/Orchestrierung. Beim Radeln entsteht sogar Musik in mir, und ein wenig Rausch. Lächerlich?

Fahrrad ist für mich wie ein Musikinstrument. Es muß mir passen, ich muß es beherrschen können, ich muß das Fahrrad blind spielen können, je nach dem, variieren können, wie die Landschaft und das Wetter es mir erlaubt/zwingt. Wenn ich in guter Form bin, dann kann ich aus dem Fahrrad das höchst mögliche auskitzeln. Gelingt mir das gar nicht,, dann habe ich eine schlechte Kondition, schlechte Laune, schlechte Konzentration, wenig Lockerheit. Gutes Rad möchte gespielt werden. Oh, ich bin mit meinem Rad eine Einheit,, das wäre das höchster Glück und in mir klingt wonnige? Musik.

Um Stockhausen zu klauen;
„Ein Treten lebt wie Du, wie ich, wie sie, wie es.
Bewegt sich, dehnt sich aus und schrumpft zusammen
Verwandelt sich, gebiert, zeugt, stirbt, wird wiedergeboren.
Sucht, nicht findet, verliert, verbindet sich.
liebt, wartet, eilt, kommt und geht.“

Ach ja, dann bin ich ein Instrumentenbauer. Wenn das Rad fidel klingt ist meine Freude groß.

Ferienzeit

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Mein Kollege Dan macht Urlaub in KW 29, 30, 31. In diesem Zeitraum bin ich zwar in der Werkstatt, aber nicht sehr geregelt. So bitte ich Interessenten und Kunden, mich im voraus via Email zu kontaktieren, damit Ihr nicht vor geschlossener Tür stehet.

Für diejenige, die Urlaub machen, wünsche ich eine schöne Zeit und gute Erholung! Wenn ich selbst dazu kommen sollte,, werde ich das rechtzeitig hier bekanntmachen. Berlin ist bereits ruhiger geworden, Strassen auch leerer, angenehm zu radeln. So könnte es ganzes Jahr durch bleiben.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Stadtverkehr

Vor einer Woche gab es vor dem Verkehrsministerium eine Versammlung, auf die ich zufällig zustieß, die einen sichereren Radverkehr in der Stadt verlangte. Ein Tag davor war ein seltsamer Tag, Irgendwie kam es mir vor, Verkehrsteilnehmer hätten nicht gut geschlafen oder wären auf Drogen, Autofahrer, Radler wie Fußgänger. Viele machten seltsame Sachen, waren unachtsam. Ich habe mehere Beinah-Unfälle gesehen, blockierten Fahrwege von anderen. Irgendwelche seltsame Sternkonstellation? Auch deshalb schien mir diese Versammlung richtig und ich blieb dort.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ich fahre 4 bis 5 Mal Woche 2x12km mit dem Rad in der Stadt, und sehe öfter als genug gefährliche Szenen und erlebe auch selbst brenzlige Situationen. Manchmal sind Radfahrer unter sich daran schuld. Oft aber sind Autofahrer, die vielleicht am Steuer schlafen/Augen zu haben oder Denken ausgeschaltet haben. Außerdem gibt es ganz klar gefährliche Stellen, die so nicht sein sollten und mit relativ einfachen Mitteln sicherer gemacht werden könnten. Warum das nicht passiert, ist mir ein Rätzel. Bevor man über Fahrradautobahn spricht, sollte man solche Dinge verbessern. Und Tempo von Automobile an bestimmten Stellen drosseln lassen. Man könnte theoretisch die Fahrgeschwindigkeit durch Telemetrie drosseln, wenn die Autofahrer das nicht selbst tun und die Autos dafür ausgerüstet werden(eine Art Zwangsautopilot). Aber in erster Stelle steht; Umsichtigeres und rücksichtsvolleres Fahren. Das wird einiges angenehmer machen. Ich weiß auch, daß manche Autofahrer sehr umsichtig fahren. Und viele Radfahrer wie Fußgänger sind ja auch Autofahrer. Vielleicht ist ein geheime Software in manchen Autos eingebaut, was menschliches Verständnis ausschaltet? Vielleicht auch an manchen Fahrrädern?

Großstadt hat ein komplexes Strassensystem mit unterschiedlichen Strassencharaktere wie Durchgangsstrassen, Kietzstrassen usw. Die Rollen der einzelnen Strassen sollen wir vielleicht neu verteilen und umgestalten für zukunftsgerechten Stadtverkehr. Hier spielt Interessen von Immobilienbesitzern, auch Ladengeschäftsbetreibern oder Anwohnern. Wir alle sollen darüber reden. Projekt wie Karl-Marx-Allee(Vorzeigeprojekt der Senatsverwaltung?) ist nur eine Mögliche Maßnahme. Es gibt sicher einfachere und kostengünstigere Maßnahmen, die sich organisch in Gesamtkonzept integrieren lassen. So wie jetzt ist, ist Berlin noch meilenweit von einer wirklich fahrradfreundlichen Stadt entfernt(besser als Stuttgart ist sie schon,,). Und mir scheint die Stadtverwaltung ideenlos, machtlos und/oder mittellos zu sein. Arm und gar nicht sexy sind die Berliner Strassen.

Kimono Radeln

Ich denke, japanische Kimonos sind denkbar ungeeignet zum Radeln. Trotzdem, gab es früher und jetzt wieder Leute, die in Kimonos geradelt haben und radeln.
kimono ride 1
Kimono rider 19
Kimono ride 001

Erste Fahrrad kam nach Japan etwa um 1870, mitgebracht von westlichen Geschäftsleuten, die in Japan niederlassen haben und waren sehr wahrscheinlich Typ Ordinary und Tricycles. Japaner interessieren sich schnell an das neue Maschine. Es gibt Fotos wie Zeichnungen, die Japaner auf Ordinary zeigen.
Kimono ride 12
Kimono ride 13
Männer hatten es leichter. Zum Radfahren mußten sie nur westliche Kleidung anziehen, was viele sowieso schon taten. Dagegen hatten die Frauen recht schwer, denn weder westliche Kleidung noch Kimonos sind zum Radfahren unmöglich geeignet gewesen. Ordinary fahren ist sowieso schwierig. Sie mußten noch eine Weile warten bis der Typ Safety kam.

Für Frauen war es extrem schwer, sich auf Fahrrad zu zeigen. denn die Gesellschaft verachtete solche Frauen, sozusagen als Satansweib. Eine Opernsängerin Tamaki Miura(bekannt durch Puccini-Auftritte in Europa) hat damals in Tokio ersten Frauenfahrradclub gegründet. Das war so um 1900 und damals war ein Fahrrad so teuer wie ein gutes Mittelklasseauto heute. Natürlich konnten nur Damen aus gutem Haus so etwas leisten. Und manche Studentinnen beginnen mit dem Rad zur Schule zu fahren. Das wurde auch bald in der intellektueller Szene als modisch, modern und schön bewundert.
Kimono ride 36
Kimono ride 15
Kimono ride 3
Kimono ride 6
Kimono ride 8
はいから3

Und nun gibt es wieder Menschen dort, öfters Kimono tragen wollen. Das bringt wieder das alte Problem beim Radeln. Es gibt zaghafte Versuchung, für Kimonoträgern ein passendes Rad anzubieten wie das.
Kimono rider 21
Kimono rider 23

Tiefer Einstieg ist selbsverständlich. Aber das Prinzip des rotierenden Kurbels ist etwas gegen Kimono-Ästhetik, finde ich, auch aus praktischem Grund. Hier könnte das Hebelprinzip vielleicht helfen, mit kleineren Beinbewegungen vorwärtszukommen. Historisch gab es eine ganze Reihe von Hebelräder, die allsamt wegen deutlich zu spürenden Totpunkten gescheitert sind.
Mergamobile
Terrot
Jaray
alenax 2
transbar
Tiefer Einstieg, Hebelprinzip, gepaart mit gescheiter elktronischer Steuerung des Hilfsmotors, könnte Totpunkte ausgeglichen werden. Dann wäre ein Kimono-Fahrrad fertig. oder ist es mehr eine fahrende Omas Nähmaschine?

Solche sexy Radlerinnen werde ich dann vermissen,,
Kimono ride 29
Kimono ride 33
Kimono rider 25

beach & mountain, California 1980

Über die Erfindung? und Entwicklung von Mountainbikes gibt es viele Websites. Hier werde ich nur belanglose Nebensächlichkeiten schreiben, vielleicht etwas durcheinander, und beginne diesen Eintrag mit diesem Foto.

From Repack to Rwanda: The Origins, Evolution, and Global Reach of the Mountain Bike. Presented by SFO Museum

From Repack to Rwanda: The Origins, Evolution, and Global Reach of the Mountain Bike. Presented by SFO Museum

Hier inspizieren die Herren von der Fa. Suntour ein Fahrrad sehr interessiert. Der zweite von links ist der Chef von Suntour, Junzo Kawai, am Rad der Entwicklungschef Nobuo Ozaki, der leidenschaftlicher Ingenieur. Hinten am Auto der Erbauer dees Rades Charlie Cunningham. Diese Cross Country Maschine ist mit einer Fülle von Neuigkeiten bepackt. Der Rahmen wurde geschweißt, bestehend aus temperierten Aluröhren. Hat das Rad nicht die Ähnlichkeit mit den Gravel-Bikes von heute?
Cunningsham CCPROTO
Damals war Suntour stark vertreten auf dem US-Markt. Die Firma engagierte sich auch auf BMX-Markt. Der Sohn von Kawai-san war Chefvertreter in den USA und hatte gute und direkte Verbindung mit der neuesten Entwicklung dort. So war die Reaktion auf die neue Mountainbikes recht schnell. Hier hat Shimano verschlafen, bzw. hat sich auf Renngeschehen in Europa konzentriert und hatte keine Kapazität frei.

Apropos Suntour,, dieser Markenname gehörte einer anderen Firma in Tokio, Iwai-Manufacturer Co., die Schaltwerke gebaut hat. Suntour, damals Maeda Iron Works Co., stellt damals Ritzelpakete her und kooperierte mit Iwai(ab ca. 1954).
SUN tour Schaltwerk
Iwai ging aber 1958 pleite, und Maeda mußte verbliebene Schulden auf sich tragen. Dabei ging Maeda fast pleite. Es blieb nur der Markenname Suntour für Maeda übrig. Aber die Firmenbezeichnung blieb bis zu ihrem Ende Maeda Industries Co. und Suntour blieb Markenname.

Jetzige SR Suntour ist faktisch eine Weiterentwicklung von SR Sakae Ringyo Co.. Maeda beakm Problem, hauptsächlich nach dem Losbindung des Yens vom USD 1985 und wurde 1993 zusammengeschlossen mit SR Sakae. Fabrikation wurde nach Taiwan verlagert und Hauptprodukte von Maeda wie Schaltkomponente aufgegeben. SR Suntour wird heute noch von ehm. Chefs der Fa. SR Sakae geleitet, also ist sie ein taiwanesisches Unternehmen mit japanischer Leitung.

Zurück zu California um 1980. Ich frage mich, warum damals und dort Mountainbikes entstanden sind. Ich schaue mal ein bisschen rum in das Leben in Kalifornien damals. Dort war schon lange Bicology angesagt. Jeder fuhr entweder Rennrad aus Europa(neuerdings auch aus Japan), oder gestrippte alte Beach Cruisers von Schwinn. Schwinn, übrigens dessen Gründer deutschstämmig war, hat auch die alten Beach Cruisers wieder aufgelegt, weil der Markt dafür recht groß wurde. 70er Jahre, das ist der Schlüssel. Es liegt Gefühl von Freiheit oder Verlangen nach Freiheit, nachdem Vietnamkrieg zu Ende ging und fast zeitgleich Hippiebewegung langsam verschwand. Für mich war die Dekade 70er Jahre lange stark verbunden mit einem denkbar schlechten Geschmack. Aber hier muß ich einmal überdenken, was dahinter stand. Es könnte Ausdruck gegen Establishment und guten Geschmack sein, es könnte auch unbeholfene Versuche sein, sich selbst freizügig auszudrücken. Auf alle Fälle ist diese Dekade auch dafür sehr wichtig, zu begreifen, warum die Welt jetzt so aussieht, denke ich.
beach bikers 7
beach bikers
beach police
beach riders 3

Deutlicher als beim Fahrrad ist der Boom von Roller Skating und Roller Disco. Sonnenschein und blauer Himmel, freie Bewegung, Körperkult, Klammoten ohne Konvention, alles scheint die Freiheit zu zielen. AIDS ist noch nicht angekommen. Unbekümmert frei bis freizügig ist das Leben zu geniessen.
skaters 8
Dieses Foto zeigt den Alltag im Venice Beach, Stadtteil von Los Angels. Spaß ist der wichtigste Faktor hier. Jeden Tag gibt es Parties. Das Leben ist eine Party.
roller-11
Kommt dieser Mann irgendwie bekannt vor? Ja, er ist Hugh Hefner vom „Playboy“-Magazin. Das Foto enstand bei seiner Roller Disco Party, vielleicht ein Promotionvideo. Neben ihm ist sicher irgendeine Playmate.

Spaß pur am Strand. Und was ist mit Mountains? Naturfreunde? Vielleicht teilweise ja. Mit konventionellen Radnennen waren sie nicht zufrieden oder hatten sie nichts am Hut. Hier auf den Bergen waren sie frei. MOuntainbiking war eine etwas andere Art und Weise, um Freiheitsgefühl zu erleben als am Beach. Und auch die Entwicklung von Mountainbikes lief ziemlich frei, ohne Regelments von UCI, die Radrennen streng regelmentierte(und immer noch regelmentiert). Sie nahmen die Technik aus anderen Bereich, z.B. vom Motorrad, entwickelten Fahrrad, wie sie es brauchten, vieles durch eigenes Probieren. Das sieht man heute noch bei den Rahmenbauer an der Westküste. Sie fahren, haben Spaß daran und bauen/verbessern den Rahmen wie das Fahrrad durch eigene Erfahrungen. Dabei ist Kategorie relatv egal, denn sie sind keine Großunternehmen. Persönliche Bedürfnisse stehen im Vordergrund und sie lassen neuartige Fahrräder entstehen. Etwa vergleichbar, scheint mir so, was momentan in Deutschland mit Cargobikes passiert.
Cunningham in action
Koski Brueder
FourBikes1979

Ich schweife wieder etwas aus, nachdem ich diese Werbung von damals gefunden habe. Für das Freiheitsgefühl spielte die Markteinführung von „Walkman“ auch eine sehr große Rolle. Nun konnte man unterwegs problemlos Musik hören. Mensch wurde ein Stückchen mobiler, und damit freier?. Eigentlich eine Erfindung von einem Deutschen, Andreas Pavel, der 1977 körpergebundenes Musikabspielgerät patentieren ließ. Sony und Philips hatte er bereits 1976 seine Idee präsentiert aber die beiden Konzerne zeigten kein Interesse daran. Nachdem Sony 1980 Walkman herausbrachte, gab es langen Rechtsstreit, in dem er finaziell in den Ruin getrieben wurde, aber letztenendlich von Sony eine Entschädigung bekam(erst 2004!). So sind Großkonzerne, nicht immer, aber oft genug.
walkman

Freizügigkeit wurde sehr bald durch AIDS gestoppt. Freiheitsgefühl durch Wirtschaftskrise,,

ein Buch, Oderbruch und Immigrant Song

Ich habe ein Buch geschenkt bekommen, „Die Gleichung des Lebens“ von Norman Ohler. Es geht um die Melioration des Oderbruchs, angetrieben durch alten Fritz, der machtbewußte Aufklärer. Für die Stabilität und den Wachstum des aufstrebenden Preussens, der gerade Schlesien eroberte, landwirtschaftliche Leistungssteigerung vorantreiben wollte.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Ich habe gerade erste 1/3 gelesen. Es ist spannend, hier im Oderbruch prallen unterschiedliche Parteien und Ansichten, Aufklärung gegen Tradition, Staatsmacht gegen kleine Volksgruppe, Rationale Aufklärung gegen die Natur, Ehrlichkeit gegen Intrigue, Vernunft gegen Leidenschaft. Oh, es klingt nach einer Kinowerbung o.ä. Aber während ich es lese, wurde mein Verlangen schnell groß, Oderbruch wieder anzuschauen, wo ich einige Jahre nicht mehr war. Eine hauptsächlich von Menschenhand geformte Landschaft, mit nur noch ganz wenig gebliebener sümpfigen Wasserwelt entlang Alten Oder, vor allem im Bereich des NSG Niederoderbruch. Wie bewertet man dieses Großprojekt Preussens aus heutiger Sicht? War das eine kluge Staatsführung, oder eine vom machtbesessenen Kalkül getriebene Umweltzerstörung? Hier habe ich keine Antwort. Aber der Schicksal Oderbruchs finde ich kinofilmreif.

Berlin-Lichtenberg 7:27. Der NEB-Zug RB26 kommt aus Küstrin. Menschen, meist Polnisch sprechend, strömen aus dem vollen Zug. Sie alle arbeiten in Berlin. 7:39 fährt der Zug wieder ab, ist halbvoll. Die meisten Fahrgäste steigen in Müncheberg aus. Danach fährt der Zug ziemlich leer durch Oderbruch nach Küstrin. Ich steige in Golzow aus, um ein wenig Landstrasse/Feldwege zu fahren. Nur Oder-Radweg wäre etwas eintönig. Golzow, bekannt geworden durch die Langzeitverfilmung „Kinder von Golzow“. Die habe ich nach der Maueröffnung im Historischen Museum gesehen(letzte 2 Teile müßte ich noch nachholen).
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Es ist weit und flach hier. Im heutigen Oderbruch kann man sich kaum die ursprüngliche Sumpflandschaft vorstellen, außer wenige Stellen an der Alten Oder. Die Melioration ist gut gelungen. Es ist aber, wenn ich so sagen darf, ein ödes Land, kaum Wald, keine Erhebungen bis zum Moränenrand(wie Oderberg, Oderinsel, Bad Freienwalde, Wrietzen, u.a.). Die Kornkammer Preussens, und der DDR, und nun wird beherrscht durch landwirtschaftliche Großbetriebe mit gigantischen Traktoren, um irgendwann kommende Lebensmittelkrise zu überstehen?
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
OLYMPUS DIGITAL CAMERA

An der Oder ist es hübsch mit großflächigen Auen, viel Schilfinseln. Drüben ist Polen. Dort weiden die Kühe genauso wie diesseits. Gleiche Landschaft. Hier taucht mir immer die Fragen,, was ist eigentlich die Staatsgrenze?
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ich sehe Oderbruch aber nicht negativ. Ich werde sogar sagen, daß diese Landschaft gewisse Charme besitzt. Diese mit viel Anstrengung gewonnenew Fläche von ca. 20x80km ist ein ausgesprochenes Immigrantenland. Es ist sozusagen Amerika Deutshlands und gab sicher viele Menschendramen und bewegte Schicksale. Wie haben die Menschen in den neu aufgebauten Kolonistendörfer gelebt, die z.T. von sehr weit hierher kamen, um dort ein neues und hoffentlich ein besseres Leben zu beginnen? Allein das ist spannend.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Im Neulietzegöricke, das erste Kollonistendorf im Oderbruch, stehen die Häuser fast wie damals. Es ist kurz vor Mittag, ganz still. Nur ein Mini-Kaufladen des Dorfs ist offen, und hat einige Kunden, die im Vorgarten was Kühles trinken, offesichtlich Dorfbewohner. Ich kaufe mir ein Eis, Fürst-Pückler-Eis. Ich mag das, aus Nostalgie. Denn ich hatte als Kind gerne dieses Eis gegessen, auch in Japan, dieses 3-farbige Eis im Waffel. Es ist heiß unter der Sonne. Zum Glück gibt es ein wenig Wind. Ich geniesse das einfache und altmodische Eis.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA

_Ich erinnere mich, es war etwa vor 10 Jahren, im Oderbruch irgendwo in einem kleinen Kolonistenangerdorf. Es war auch ein heißer Tag. Ganzes Dorf riecht nach frisch geerntetem Heu. Mein Wasservorrat war bereits leer. Natürlich kein Ladengeschäft weit und breit, wahrscheinlich nächste 15km gar nichts. Niemand ist da zu sehen. Ich muß irgendwo klopfen/klingeln und um Wasser bitten. Ich zögere, denn es herrscht eine Totenstille, will niemanden aus dem Mittagsschlaf reissen. Ich schiebe mein Rad, komme gleich zum Dorfrand. Dann, höre ich ganz leise Musik laufen von einem Innenhof am Dorfrand. Immigrant Song, von Led Zeppelin. Ich bin erleichtert, nicht alle Häuser klingeln zu müssen, und gehe mein Rad schiebend in den offenen Hof hinein, die Musik folgend. Das Haus im Kolonistenstil und die Scheune aus Backstein sind nicht in einem gepflegten Zustand. Dann sehe ich eine Frau auf einem Liegestuhl, unter einem Lindenbaum, neben ihr ein Radio, aus dem die Musik kommt. Ich nehme meine Mütze ab und sage, „Guten Tag, ich bin ein Radwaderer. Ist es möglich, etwas Wasser zu bekommen? Ist mein Vorrat seit 1 Stunde alle.“ Sie hebt ihren Cowboyhut und schaut mich an. Fixierender Blick, eine Frau so knapp 40,, Etwas verlegen warte ich auf ihre Antwort, vielleicht war es nur ein Paar Sekunden. Sie sagt “ klar, da ist ein Wasserhahn, bediene Dich einfach. Erst etwas laufen lassen, Das Wasser kann jetzt sehr warm sein.“ Sie zeigt mit ihrer Hand die Richtung. „Oja, vielen Dank. Und entschuldige bitte für die Störung.“ „Kein Ding.“ Sie steht auf, ist nicht so groß, aber erweckt mir einen Eindruck, sie wäre ein Modell von Helmut Newton, irgendwie. „Du hast Glück. Bin hier erst seit 2 Tagen, wieder,,“ „Na sowas, ja ich bin wirklich froh. Mit so einem heißen Wetter habe ich nicht gerechnet. Diese Musik hat mich gerettet, Immigrant Song, was?“ „Du kennst das Stück? Schön, so ein Zufall.“ Zufall? Ich ahne nicht was sie damit meinte. Das schien mir kein Zufall zu sein, Immigrant Song in einem Kolonistendorf zu hören. Ich sage aber, „Allerdings, ich fand es auch,, Ein seltsamer Zufall. Sind Sie im Urlaub gewesen?“ Sie lacht, „Urlaub? So könnte man es auch sagen,, ich war für 10 Jahre weg, und nun wieder hier, zuhause.“ „Waren Sie in Berlin? Oder wo waren Sie, wenn ich fragen darf,,“ „Berlin? Das interessiert micht nicht sehr. Ich bin in die USA ausgewandert. Hier wars mir zu eng gewesen.“ „Zu eng? Das klingt ja lustig. Mir kommt es sehr weit vor, dieses Oderbruch.“ „Ha, Du kommst aus Berlin, nehme ich an. Bin hier geboren, genauso wie meine Ururgroßeltern und noch weiter zurück. Irgendwann wird alles zu klein und eng.“ Sie dutzt mich, na dann,, „Wenn Du das meinst, kann ich auch nachvollziehen. Und, wo in USA?“ „Hmm. Neil Young,, sagt Dir was?“ „Äh,, Ohio?“ Sie steht plötzlich direkt vor mir. „Huh, bist Gut!“ grinst Sie,,,_
OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ich wollte an der Zollbrücke Mittag machen. Aber nach dem Eis fühle ich mich wieder erfrischt. Man kann im „Zollbrücke“ gut essen, aber ich möchte mich nicht vollstopfen.So fuhr ich weiter auf dem Deich. Ich habe auch 2 Butterbrot und Nußriegel eingepackt. Proviant ist sehr wichtig, wenn man an Wochentage unterwegs ist. Viele Lokale machen nur am Wochenende auf.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ab Neuglietzen wird es etwas langweiliger. Der Radweg auch etwas schlechter. Vor Hohensaaten wird es wieder besser. Aber vorher biege ich links ab, radle entlang Wrietzener Alten Oder. Oderberg ist eine alte Stadt. Im Sommer sind viele Urlauber hier. Jetzt ist die Stadt aber ruhig. Cafe „Hier und Jetzt“, wo ich einkehren wollte, war zu(wird nur an Wochenenden aufgemacht). So gönne ich mir 3 Kugeln Eis a 80 Cent in einer Eisdiele, der ziemlich als einzige in der Stadt offen ist. Diese Stadt entwickelt sich leider sehr langsam, und recht unterschiedlich.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Eberswalder Chaussee direkt hinter der Stadt ist gesperrt wegen Bauarbeiten so daß man einen Umweg um einen Berg machen muß. Die Strasse von Oderberg zum nächsten Ort Liepe ist soweiso etwas ganz anders als Oderradweg, mit einem bergigen Charakter, was für den Radfahrer Spaß bereitet. Hier befindet man sich an Moränenkanten, die teils bis über 120m hoch sind.

In Liepe, mehr touristisch orientiert?, überquere ich die Wrietzener Alten Oder, und fahre die Feldwege. Strasse nach Schiffshebewerk ist mehr für Motorrad. Ich nehme den Weg neben Finowkanal, um den Baufotschritt des neuen Schiffshebewerk anzuschauen.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Mensch, es ist aber häßlich diese Betonkiste!! Unnötig dekorativ und bunt auch noch, was bereits jetzt veraltet aussieht. Mir kommt die Frage auf, ob dieses neue Hebewerk überhaupt notwendig ist, oder nur ein Beamtenprojekt, um Projekt zu machen und zu betreuen, ist. Ich bin recht suspekt. Dagegen hat das alte Hebewerk nichts unnötige an sich, hat mehr Bestand und Berechtigung. Ich würde das neue in Betrieb nehmen, um das alte komplett zu sanieren, und danach das neue wieder abreissen.
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Der Feldweg, den ich von Niederfinow Richtung Falkeberg genommen habe, war zuerst Panzerplatten, dann aber wird deutlich schlechter, mit groben Schottern. Irgendwo verschwindet der Weg, aber zum Glück kommt man doch noch zu einem Feldweg entlang Kanal. Gar nicht zum Empfehlen! Ich bekam Platten auf dem Schotterweg, fuhr dummerweise 100m weiter. Schlauch war durchlöchert. Das konnte ich nicht mehr reparieren. Neuen Schlauch hatte ich blöderweise auch nicht. So habe ich das Rad bis zum Bahnhof Falkenberg geschoben und endete die Tour dort. Eigentlich wollte ich bis Wrietzen radeln,,, nächstes Mal(mit Ersatzschlauch). Trotzdem, eine nette Tour. Überall singen Kukucks jetzt. Im Sumpf unzäglige Frösche und viele Libellen. Einige Ritterfalter auch. Ich werde das Buch zu Ende lesen. Dann werde ich wieder hierherkommen.

Route des Tages, 90km. Die Bahnstrecke zwischen Frankfurt Oder und Eberswalde wird Wrietzen-Eberswald in Stundentakt, Wrietzen-Frankfurt in 2-Stundentakt bedient. Ich nahm den Zug nach Frankfurt, dann vor dort direkt nach Charlottenburg, damit ich nicht oft umsteigen mußte, mit meinem platten Rad.
Route Golzow Falkenberg